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Glühwürmchen im Springbrook National Park, Queensland

Faszinierende Glühwürmchen

In unserem Reiseführer erfuhren wir, dass es in dem kleinen Örtchen Springbrook im Springbrook National Park ein kleines Glühwürmchen-Forschungszentrum gibt. Dort werden für $10 pro Person Touren angeboten. Da wir noch nie Glühwürmchen gesehen haben, melden wir uns für die Tour an. Springbrook liegt südlich von Brisbane im Hinterland der Gold Coast direkt an der Grenze zu New South Wales. Auf der Fahrt dorthin schauen wir uns noch die Natural Bridge an, eine Höhle, in die durch ein Loch in der Decke ein Wasserfall stürzt. Nachdem wir unseren Campground im Nationalpark bezogen haben, wird es gegen Abend empfindlich kalt. Unter 15°C sind wir gar nicht mehr gewohnt und packen uns dick ein. Die Tour beginnt um 19:30 Uhr. Der Inhaber des Zentrums zeigt uns zunächst allerlei in Döschen eingelegtes Krabbelgetier. Unter anderem eine rote Tree Funnelweb Spider, eine der giftigsten Spinnen der Welt, welche er selbst hier im Wald gefangen hat. Neben weiteren rund 15 Spinnen hat er auch noch Riesenameisen, sogenannte Bull Ants, anzubieten, welche so groß wie eine Wespe sind und richtig zubeißen können. Dazu erzählt er uns im Dunkeln noch eine Schauergeschichte, dass die Bull Ants meistens in einem großen Schwarm über einen herfallen und an einem hochkrabbeln. Zunächst fühlt sich das anscheinend recht toll an – es überkommt einen ein wohlig warmes Gefühl – bis die Ameisen auf ein Signal hin alle gleichzeitig zubeißen. Buuuah. Jemand aus der Gruppe frägt, ob er denn schon mal von einer Funnelweb Spider gebissen worden sei. Ja, das sei er. Von genau dieser da, im dritten Döschen von links. Wenn man allergisch reagiert, sei man in 15 Minuten tot. Er sei wohl nicht allergisch, meint er. Super. Wir fragen uns, ob Glühwürmchen wirklich so interessant sind, um dafür in den Wald der Hölle zu müssen. Nach den ganzen Horrorgeschichten zeigt er uns noch leuchtende Pilze, die er momentan selbst züchtet. Im Sommer wachsen diese Pilze auch im Wald an Bäumen, die dann so stark grün leuchten, dass man anscheinend keine Taschenlampe benötigt. Schade, dass momentan noch Frühling ist, das hätten wir gerne gesehen. Anschließend erhalten wir noch eine kurze Einführung in die Wissenschaft der Glühwürmchenforschung, bei der wir allerdings nicht alles verstehen. Eigentlich gibt es Glow Worms und Fire Flies, zwei verschiedene Arten, im deutschen aber beides mit Glühwürmchen übersetzt. Mit Würmern haben sie eigentlich gar nichts zu tun. Glow Worms sind eine Art Fliegen, recht dumme Fliegen, die in Millionen Jahren der Evolution rein gar nichts dazugelernt haben. Sie hängen eben so an der Wand rum und das was leuchtet, ist ihr Kot.

Nach der Einführung geht es ab in den Wald. Zuvor frägt er noch, ob denn jemand Angst von Schlangen habe. Keiner weiß so recht, was man darauf antworten soll. Kurzerhand führt er uns in einen Schuppen und möchte uns Fred vorstellen. Wer zum Henker ist Fred, fragen wir uns. Fred, zeigt er uns, ist eine ca. 2,5 Meter lange Python, welche momentan an einem Deckenbalken im Schuppen hängt. Wow. Da wir nur mit Taschenlampen herumlaufen, ist das schon etwas unheimlich. Fred sei irgendwann mal aufgetaucht und lebt seitdem hier. Danach steigen wir hinab zu den Glühwürmchen. Diese hängen an einer ca. 5 Meter hohen Wand und leuchten in verschiedenen Farben von Grün bis Blau (siehe schwarzes Foto). Ebenfalls leben dort ein paar ganz besonders dumme Grillen. Mit der Taschenlampe zeigt er uns eine. Die Grillen sind so blöd, dass sie nichts anderes tun, als die leuchtenden Würmchen zu betrachten. Sie sind so beeindruckt, dass sie nicht von der Stelle weichen und dann von Spinnen gefressen werden. Auch die Spinnen, zwei Huntsman Spider, zeigt er uns. Faszinierend, wie viele Tiere denn auf so kleinem Raum leben. Die Spinnen bauen sich neben den Glühwürmchen ein Netz, denn dort haben sie Licht, und fressen alles, was für die Würmchen zu groß ist. Stirbt dann ein Würmchen, weil es zu wenig zu fressen bekommt, bricht bei den Spinnen Panik aus, denn das Licht ist aus. Diese rennen dann total verstört an der Wand herum, bis sie das nächste Glühwürmchen gefunden haben und bauen dann dort ein neues Netz.

Als nächstes erzählt er uns die Geschichte, wie er überhaupt zur Glühwürmchenforschung kam. Vor 30 Jahren hatte er damit noch gar nichts zu tun, kaufte sich dieses Grundstück und baute ein Haus. Eines Abends, nach 2 oder 3 Bier bemerkt er eine komische Wolke, welche zu leuchten schien. Nach nochmal 2 oder 3 Bier machte er sich aus Neugier auf die Suche nach der Quelle des Lichts. Dabei stürzte er betrunken die eben erwähnte 5 Meter hohe Wand hinunter und sah die Glühwürmchen. Daraufhin beschloß er, diese genauer zu erforschen und ist irgendwann dabei hängengeblieben.

Auf dem Rückweg zeigt er uns noch einen Baum, den Stinger Tree, welchen man auf keinen Fall anfassen soll. Auf den Blättern wachsen glasartige Splitter, die extreme Schmerzen auslösen, wenn sie in die Hand eindringen. Diese können Monate, ja sogar Jahre anhalten. Natürlich hat er auch dazu eine Geschichte auf Lager. Eines Abends hörte er im Wald des Nationalparks Schreie einer Frau. Daraufhin rief er seinen Ranger-Kumpel an und sie machten sich auf die Suche. Es stellte sich heraus, dass die Frau wohl dringend im Wald ihre Notdurft erledigen musste. Da sie kein Toilettenpapier dabei hatte – ihr könnt euch wohl schon denken, was jetzt kommt – dachte sie, nehme ich doch dieses große Blatt hier. Sich mit einem Blatt des Stinger Trees den Hintern abzuwischen muss unvorstellbare Schmerzen bedeuten. Auf dem Weg zum Krankenhaus sei die Frau dreimal fast gestorben, hat es dann aber doch überlebt. Seit diesem einen Vorfall muss in Queensland an jedem Stinger Tree, welcher sich in Greifweite eines Wanderwegs befindet, ein Warnschild aufgestellt werden.

Die Tour war das Geld wirklich wert und wir können sie uneingeschränkt weiterempfehlen! Zur Pilzsaison im Sommer ist es sicher noch besser.
Webseite: http://springbrook.info/glow_worms/index.htm

  • Die Natural Bridge

    Die Natural Bridge
    springbrook_01_natural_bridge

  • Wir an der Natural Bridge

    Wir an der Natural Bridge
    springbrook_02_natural_bridge_wir

  • Im Regenwald

    Im Regenwald
    springbrook_03_regenwald

  • Die Glühwürmchen leuchten

    Die Glühwürmchen leuchten
    springbrook_04_glow_worms

  • Gold Coast in der Ferne

    Gold Coast in der Ferne
    springbrook_05_gold_coast

  • In Byron Bay

    In Byron Bay
    springbrook_06_byron_bay

Dieser Beitrag gehört zu unserem Australien Blog, welchen wir während unserer Australienreise von September 2012 bis August 2013 geschrieben haben. Hier geht es zur Übersichtskarte, welche unsere Route sowie Links zu allen unseren Berichten und Fotos enthält!

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