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Reisebericht Rarotonga (Cookinseln) 2012

 
Muri Beach · Rarotonga, Cookinseln
Nachdem wir Los Angeles um 23:15 Uhr amerikanischer Zeit verlassen haben landen wir nach rund zehn Stunden Flug um 06:05 Uhr am 10. September 2012 auf der winzigen Insel Rarotonga. Rarotonga ist die größte und am dichtesten besiedelte Insel der 15 Cookinseln. Mit rund 14.000 Einwohnern leben dort auch die meisten Menschen der ca. 19.000 Einwohner der Cookinseln. Dennoch ist die Insel recht klein und es gibt lediglich eine einzige Straße mit 30 Kilometern Länge, welche in einem Oval um die gesamte Insel führt. Auf einem Staubkorn inmitten der eiskalten Wassermassen des Pazifiks zu landen ist schon ein komisches Gefühl.
 

Ankunft in der Südsee

Als unsere Air New Zealand Boeing 767-300 mit der Flugnummer NZ19 sanft auf der Landebahn von Rarotonga aufsetzt ist es noch dunkel. Die Ausstiegsprozedur auf dem winzigen Flughafen geht recht schnell vonstatten, müde trotten wir anschließend nach zu kurzem Schlaf über das Vorfeld in Richtung Terminal. Ein großes beleuchtetes Schild begrüßt uns mit den Worten „Kia Orana – Welcome to the Cook Islands“ auf der Insel. „Kia Orana“ bedeutet soviel wie „Hallo“ oder „Willkommen“ in der Sprache der Cookinseln. Ein aufregendes Gefühl durchströmt unsere müden Glieder – wir sind zum ersten Mal in der Südsee! Ob es wirklich so schön ist, wie auf den vielen Fotos, welche man schon gesehen hat? Das werden wir bald erfahren.

Nach dem Eintreten in das Terminal begrüßen uns zwei etwas mürrisch dreinblickende wohlgenährte Damen mit Blumenketten am Einreiseschalter. Ohne ein Wort zu wechseln bekommen wir je einen Stempel in unsere Reisepässe geklatscht und ziehen Richtung Gepäckausgabe von dannen. Und wo sind unsere Blumenketten? „Gibt’s für euch nicht“, werfen uns die Blicke der Damen zu. Gibt’s hier aber wohl allgemein nicht. Nur ein Musikant spielt auf einer Gitarre oder Ukulele ein Liedchen und trällert mehr oder weniger fröhlich vor sich hin. Das ist wohl bei jedem Flug, welcher hier ankommt oder abfliegt, der Fall. Soll wohl die Leute auf die ausgelassene Südseestimmung einstimmen. Klappt aber irgendwie nicht. Wie auch immer, unser Gepäck ist schnell da und wir sehen uns nach dem Fahrer um, welcher uns abholen soll. Gebucht hatten wir schon im Vorfeld ein Doppelzimmer im Gästehaus „Are Mango„, welches uns durch seine Lage an der Muri Lagoon und durch seine positiven Bewertungen überzeugt hat (www.aremango.co.ck).

An verschiedenen Ständen im übersichtlichen Terminal sind Schilder der Hotels und Gästehäuser angebracht, so dass man sofort erkennt, wo man hin muss. Das finden wir toll gemacht, denn man muss nicht ewig suchen. Eine eventuelle Suche wäre aber sowieso sehr kurzweilig, denn das Terminal könnte man aufgrund seiner riesigen Ausmaße in 10 Minuten absuchen. Der nette Herr am Stand verweist uns auf Brendan, den Besitzer des Gästehauses, der da drüben irgendwo stehen solle. Da erblicken wir ihn auch schon und er winkt uns freundlich zu. Am Geldautomaten holen wir noch neuseeländische Dollar und begeben uns dann zum Bus. Im Bus lernen wir Svenja & Oliver, ein junges Paar aus Deutschland, kennen.

Neben dem neuseeländischen Dollar haben die Cookinseln auch ihre eigene Währung, den Cookinsel-Dollar, welcher 1:1 an den Neuseeland-Dollar gekoppelt ist. Besonders auffällig ist daran die 2-Dollar-Münze, welche dreieckig ist.

Wir plaudern über dies & jenes und erinnern uns daran, die beiden in Los Angeles am Flughafen beim Einchecken schon mal gesehen zu haben. Dort wunderten wir uns über dieses riesige Abflussrohr, welches Oliver dort eincheckte. Ein Klempner auf Reisen, welcher auch im Urlaub nicht genug von seinem Job haben kann? Noch mal schnell ’n Rohr verlegen? Was da wohl drin ist? Die Angelausrüstung, erklärt er uns. Da hätten wir Dussel ja auch selbst drauf kommen können. Auf der Fahrt zum Gästehaus wird es langsam hell und es beginnt zu regnen. Nach der Ankunft teilt man uns unser Zimmer zu und wir ziehen ein. Ein Blümchen auf dem Bett, wie auf der Webseite abgebildet, finden wir nicht vor. Wie auch immer, wer brauch schon so eine alberne Blume. Für eine andere Behausung ist es nun eh zu spät, der Drops ist gelutscht. Das Zimmer ist aber sehr schön und hell eingerichtet und vor allem sehr sauber, hier werden wir uns mit Sicherheit wohlfühlen. Bevor wir uns eine Weile aufs Ohr legen müssen wir unbedingt noch zum Strand, gerade ist die Sonne aufgegangen!

Die Geräusche im Freien sind ungewohnt und exotisch. Wir hören Hähne krähen, Schweine grunzen und unbekannte Vögel trällern. Wow, ist das spannend. Die Berge im Inneren der Insel sind von Regenwald überwuchert, sind dicht verhangen in Wolken und blicken mystisch auf uns herab. Vom Gästehaus führt ein kleiner Weg ca. 20 Meter hinunter zum Strand. Dort bietet uns ein wunderschöner Blick auf die Lagune und ein grandioser Sonnenaufgang läutet unseren ersten Tag auf der Insel ein. Am Strand sind mehrere freilaufende Hunde unterwegs, die dem Anschein nach ihr eigenes Leben leben. Kurz darauf spricht uns ein älteres neuseeländisches Paar an, gibt uns Tipps und erwähnt, dass das Benzin momentan knapp ist, da der Tanker Verspätung hat. Ein Auto anzumieten wäre demnach momentan schwierig. Schwierig ist auch der neuseeländische Akzent, den man quasi gar nicht oder nur mit höchster Konzentration versteht (dazu später mehr).

Wie bei jedem Gewässer muss Patrik natürlich sofort seine Schuhe ausziehen und hineinwaten. Das Wasser ist wohlig warm und lädt zum Baden ein. Die Hunde buddeln energisch im Sand und wir genießen die himmlische Ruhe am Strand. Da wir noch etwas schlafen möchten machen wir uns auf den Rückweg und erfahren, dass das Zimmer von Svenja & Oliver, die ebenfalls hundemüde sind, noch nicht frei sei und sie mehrere Stunden warten müssten. Eine sehr unglückliche Situation für die beiden, welche kein gutes Licht auf das Management des Hauses wirft.

Da unsere Sonnencreme aufgebraucht ist machen wir uns zunächst auf die Suche nach einem Supermarkt. Das Finden desselben ist nicht schwer, denn es gibt ja sowieso nur eine Straße. Quasi den Highway 1, oder so. Ob die Straße hier eine Bezeichnung trägt? Wie dem auch sei, wir laufen zunächst in nördlicher Richtung und passieren jede Menge touristischer Einrichtungen. Fahrradverleih, Autoverleih, Kajakverleih, Hotels. Die Atmosphäre auf der Straße ist völlig ungewohnt und neu für uns. Wir sehen viele Hühner, Ziegen und Schweine. Und Gräber. Gräber? Ja, denn es ist hier normal, die eigenen Familienangehörigen im Garten zu begraben, statt auf einem Friedhof. Oft sind die Gräber total kitschig mit allem möglichen Krimskrams und Klimbim geschmückt. Jedes zweite Vehikel auf der Straße ist ein Roller. Am „Supermarkt“ angekommen schlackern wir mit den Ohren. Es gibt quasi nichts und das, was es gibt, zu unmöglichen Preisen. 250 ml Sonnencreme kosten $36 (~ 24€)! Was zum…? Der Südseeurlaub zerfällt vor unserem geistigen Auge zu Staub, wir werden hier arm! Australien etc. ist gestorben, wir können gleich wieder nach Hause fliegen. Wir kaufen also nichts und suchen weiter. In einem Touristenshop finden wir schließlich Sonnencreme für spottbillige $28. Für diese wird in unserem Zimmer ab sofort ein Schrein aufgebaut, welcher allabendlich angebetet wird!

Zurück am Gästehaus fragen wir Brendan, ob es hier noch einen anderen Laden gäbe. Ja, den gäbe es, und zwar in die andere Richtung. Der sei aber sehr klein, erwähnt er noch. Noch kleiner als der andere? Aha. Mit Svenja & Oliver beschließen wir heute Abend gemeinsam etwas zu kochen und machen uns auf den Weg. Der Laden gehört einem lustigen Chinesen, ist tatsächlich kleiner als der andere, eher eine Garage statt ein Geschäft, hat aber viel mehr Auswahl. Die Preise sind aber auch nicht besser. Zu viert schlendern wir durch den Laden und finden nichts. Alles ist schweineteuer. Kurz bevor es peinlich wird so lange im Laden herumzugammeln kaufen wir Reis, Tomatensoße und Zucchini. Nach dem Großeinkauf sind wir dann schlussendlich todmüde und legen uns etwas hin. Nachmittags geht es noch auf ein kurzes Bad zum Strand, das Wasser ist leider übersät von Seegurken. Es müssen hunderte, nein tausende sein. Man kann nicht einen Schritt tun ohne auf eines dieser schleimigen Schlabberdinger zu treten. In der Lagune befinden sich vier kleine Inseln, zu denen man hinüberschwimmen kann. Das wollte Patrik schon immer mal machen und wir möchten es morgen unbedingt probieren.

Abends treffen wir uns mit Svenja & Oliver in der gemeinsamen Küche, um unser Mahl zuzubereiten. Im Gästehaus wohnen ansonsten noch ein alleine reisender Engländer, welcher in Neuseeland lebt, eine schweigsame Schweizerin, zwei zusammenreisende Paare aus Neuseeland, ein Paar aus den USA und noch ein weiteres Paar aus Deutschland. Wir schnippeln die Zucchini, hauen sie in die Tomatensoße und kochen den Reis auf. Als das Mahl zubereitet ist setzen wir uns auf die Terrasse und wünschen uns einen guten Appetit. Heiliges Kanonenrohr, verflixt und zugenäht, so einen üblen Mist haben wir noch nie in unserem Leben gegessen. Svenja, Oliver und Michelle würgen es trotzdem hinunter. Patrik jedoch bekommt keinen Bissen runter, es schmeckt einfach nur abgrundtief ekelhaft. Jede Faser seines Körpers wehrt sich dagegen dieses Mahl der Hölle in sich aufzunehmen. Es stellt sich heraus, dass das, was wir für Tomatensoße („Tomato Sauce„) hielten, eigentlich Ketchup ist! Buuargh. Kurzerhand geht Patrik auf die andere Straßenseite und holt sich einen Hamburger. Mahlzeit! Von Svenja & Oliver bekommen wir noch ein Stückchen Papaya zum Probieren und sind begeistert. Wenn sie wie Seife schmeckt, erklären sie uns, ist sie noch unreif. Eine Papaya kostet zudem nur $1, unser Grundnahrungsmittel für die nächsten Tage ist gefunden!

Mit dem Bus in die Stadt

Am nächsten Morgen wollen wir mit dem Bus in die Hauptstadt Avarua fahren. Es gibt jeweils einen Bus, welcher im Uhrzeigersinn um die Insel fährt und einen, welcher gegen die Uhr fährt. Der Bus kommt ca. alle 30 Minuten und man winkt ihn auf der Straße einfach heraus. Wir kaufen uns ein 10er-Ticket, welches für beliebig viele Personen verwendet werden kann und nehmen hinten im Bus Platz. Die Fahrt ist laut, holprig und der Bus alt. So muss es sein! Ursprungsland des Gefährtes ist wohl China oder irgendein anderes asiatisches Land, denn innen ist alles mit asiatischen Zeichen beschriftet. In Avarua, welches auf der anderen Seite der Insel liegt, befinden sich auch der Flughafen und der Hafen.

Günstigere Gästehäuser wie das unsere findet man auf der Website http://www.ck , diese sind meist nicht auf den gängigen Hotelbuchungswebseiten gelistet.

Hier ist schon deutlich mehr los und wir schlendern etwas durch die Gegend. In einem Touristenshop kaufen wir uns ein typisches Südsee-Hemd für Patrik und ein Tuch, welches man zu einem Kleid binden kann, für Michelle. Am Flughafen fragen wir nach der Verfügbarkeit von Flügen nach Aitutaki, eine andere Insel der Cookinseln, auf der es wunderschön sein soll. Leider ist alles ausgebucht, etwas enttäuscht schlurfen wir zurück in die Stadt. In der Nähe des Hafens entdecken wir einen (zumindest für uns) riesigen Krebs, welcher im Gebüsch sitzt und mit seinen Scheren einzelne Grashalme abzupft und frisst. Ein tolles Fotomotiv! Ein größerer Supermarkt gewinnt unsere Aufmerksamkeit und zu etwas günstigeren Preisen machen wir einen Großeinkauf.

Mittags geht es ab zum Strand, wir wollen zur anderen Insel (Taakoka, siehe Karte weiter unten) rüber schwimmen. Da Svenja & Oliver anscheinend schon mal schlechte Erfahrungen mit Steinfischen (hochgiftig!) gemacht haben, fragen sie Brendan ob es hier auch welche gäbe, was er allerdings verneint. Trotzdem gehen wir mit Sandalen ins Wasser. Aus Schwimmen wird indes nichts, denn es ist Ebbe und man kann hinüber laufen. Begleitet werden wir von einem Hund, welcher uns nicht mehr von der Seite weicht und nebenher versucht kleine Fische zu fangen. Wir waten also so vor uns hin, deponieren unsere Handtücher auf der Insel und gehen dann in tieferem Wasser schwimmen.

Das Wasser ist, wie man es sich vorstellt, türkisblau und glasklar. Wir sehen viele Fische und Seesterne. Leider wimmelt es auch hier überall von Seegurken und Algen. Nach dem Baden riecht unsere Haut nach Algen, was nicht so angenehm ist. Der Hund war inzwischen erfolgreich und hat einen winzigen Fisch gefangen. Am Strand spuckt er ihn aus und lässt ihn links liegen, schmeckt wohl doch nicht. Stört ihn aber nicht, er geht trotzdem wieder auf die Jagd.

Die vielen Seegurken sind wohl ein Anzeichen für viele Nährstoffe in der Lagune. Andernorts im Internet findet man aber auch einige Berichte, dass das Wasser in der Muri Lagune aufgrund von Umweltverschmutzung nicht besonders sauber sei.

Zweiter Abend, zweiter Versuch. Diesmal mit richtigen Zutaten. Auf dem Barbecue grillen wir uns Würstchen und Kartoffeln. Was für ein himmlisches Gericht! Essensreste, welche in der Küche anfallen, werden hier nicht im normalen Müll entsorgt, sondern in einer separaten „Schweine-Box“. Sobald sie voll ist, wird diese dann zu den Schweinen gebracht, denn die wollen ja auch etwas zu Fressen haben. Beim Essen kommen wir mit den Neuseeländern ins Gespräch. Bzw. sie sagen etwas zu uns und wir verstehen es nicht. Der Akzent ist absolut grausam. Es werden ganze Wörter verschluckt, Wörter benutzt, die nur Neuseeländer kennen, etliche Abkürzungen verwendet und Wörter anders betont und ausgesprochen als es Amerikaner oder Engländer tun. Wir lächeln freundlich und antworten, wenn es unserer Meinung nach dem weiteren Verlauf der Konversation zuträglich ist, mit „Ah yeah, haha“ oder „Oh yeah, that’s true, haha“. Nach uns grillen sie sich riesige Steaks und pfeifen sich eine riesige Flasche Jim Beam rein.

Verhängnisvolle Kanutour

Mittlerweile sind wir beim Chinesen um die Ecke zu Dauergästen geworden und halten ab und zu mal ein Schwätzchen. Er bekommt mehrmals am Tag frisches Obst und Gemüse, welches auf der Insel selbst angebaut wird. Nachdem wir ein paar mal dort waren finden wir auch einige Dinge, die nicht so extrem teuer sind. Für heute haben wir zusammen mit Svenja & Oliver eine Kanutour geplant. Morgens laufen wir zusammen zum Kanuverleih und überlassen Oliver das Handeln, denn er scheint da der Erfahrenere zu sein. Am Strand läuft währenddessen ein Palmendieb vorbei, die Viecher sind wirklich gewaltig! Nachdem das Handeln erfolgreich war bekommen wir zwei Doppelkanus und paddeln los. Patrik fühlt sich zunächst etwas unsicher, da er noch nie in einem Kanu saß. Die Unsicherheit verfliegt jedoch schnell und so paddeln wir gemütlich hinaus auf die Lagune. Das Wasser ist atemberaubend klar und hat die typische türkisblaue Farbe, die man von Bildern aus der Südsee kennt. Von der Lagune aus haben wir einen traumhaften Blick auf die Insel und ihre von Regenwald überwachsenen Berge.

Plötzlich wundert sich Patrik, warum er auf einmal im Nassen sitzt. Anfänglich denken wir noch wir stellen uns einfach blöd an, doch jedes Mal tritt erneut Wasser ein bis Patrik auf einmal ganz im Wasser sitzt. Svenja & Oliver sind derweil schon über alle Berge. Die Stimmung kippt, irgendwas stimmt doch mit diesem Mistkanu nicht. Patrik hat die Schnauze voll, steigt aus und schwimmt an Land. Zu zweit hat es keinen Wert, das Kanu muss irgendwo undicht sein. Mühevoll paddelt Michelle alleine zurück und säuft selbst dann noch mit dem Kanu ab. Was für ein unglaublicher Mist. Zurück am Kanuverleih verlangen wir die Erstattung von zumindest der Hälfte des Mietpreises, da man so einen Schund ja wohl nicht verleihen kann. Nach einigem Diskussionsbedarf rücken diese Gauner schließlich die Kohle raus und wir ziehen von dannen. Die Tour ist gründlich ins Wasser gefallen.

Karte von Rarotonga

Als Patrik mittags alleine zum Chinesen geht gibt dieser ihm ein paar kleine Algen mit, die er neben seiner Kasse stehen hat und wie Süßigkeiten isst. „Frisch geerntet und schmecken ganz toll“, meint er und schiebt sie Patrik unter. Zurück am Gästehaus probieren wir sie und bekommen erstmal einen ordentlichen Salzschock. Der erste Happen schmeckt noch ganz gut und man denkt sich, hm, das schmeckt ja gar nicht so übel wie es aussieht (dunkel-giftgrün).

Beim zweiten Happen stößt einem ein feucht-algiger Salzrülpser auf und man bekommt die Algenwürste nicht mehr hinunter. Wir beschließen die Dinger aufzuheben und sie später Svenja & Oliver anzudrehen. Nachdem die beiden von ihrer erfolgreichen Kanutour zurück sind sitzen wir auf der Terrasse zusammen am Tisch und lassen den Tag ausklingen. Was eignet sich dazu besser, als eine erlesene Meeresdelikatesse? Wir tischen den beiden die giftgrünen Salzalgen auf und warten gespannt auf ihre Reaktion. „Hmm, geht eigentlich, gar nicht so schlecht“, meint Oliver. Nach dem zweiten Bissen geht es ihm allerdings auch nicht anders als uns und wir entsorgen die Dinger in der Schweine-Box. Ob die das mögen? Chinesen haben schon seltsame Geschmacksnerven.

Am Abend nehmen wir nochmal den Bus und fahren auf die Westseite der Insel, um uns dort den Sonnenuntergang anzusehen. Der Busfahrer ist ein ulkiger Spaßvogel und unterhält den ganzen Bus mit Witzen. Als wir nahe am Strand vorbeifahren wird er ernst und sagt man solle hier auf der Insel im Wasser überall vor Steinfischen auf der Hut sein, denn die gäbe es hier oft. Der Hausherr unseres Gästehauses erweist sich in diesen Dingen also als recht kenntnisarm, oder er will sein Geschäft nicht schädigen. Zunächst finden wir keinen Weg zum Strand und verirren uns auf ein Privatgrundstück. Am Strand angekommen wuseln im Sand mehrere kleine Krebse, die sich Muscheln als neues Heim auserkoren haben und damit durch die Gegend laufen. Der Sonnenuntergang hinter den tosenden Wellen ist toll anzusehen, aber uns gelingen keine gescheiten Fotos. Auf dem Rückweg kommen wir im Bus mit einem älteren, leicht angetrunkenen Neuseeländer ins Gespräch. Rarotonga ist für ihn so, wie für uns Mallorca. Zuhause in Neuseeland hat er eine Farm und jedes Jahr kommt er einmal hier her. Inklusive Flug und Hotel kostet ihn der Spaß jedes Mal 5 – 6.000 Dollar. Als wir ihm erzählen wie viel wir für einen Flug um die ganze Welt bezahlt haben kann er es fast nicht glauben. Zurück am Gästehaus sind die Neuseeländer mal wieder angetrunken und ihr Akzent driftet vom Unverständlichen ins Ist-das-noch-Englisch ab. Da gehen wir doch mal lieber ins Bett!

Relaxen

Nach dem Kanu-Fiasko gestern wird am vierten Tag entspannt und nichts getan. Im Garten des Gästehauses entdeckt Michelle ein komisch aussehendes Gerät. Eine Art 4 Meter langer Holzstab mit abgerundeter Metallspitze. Die Neuseeländer erklären uns, dass man damit Papayas von den Bäumen holen kann. Das probieren wir natürlich gleich aus. Michelle schnappt den Stab und erntet uns eine frische reife Papaya vom Baum, welche wir danach genüsslich verspeisen, toll! Oliver findet sogar wilde Mini-Bananen, die zuckersüß sind und extrem lecker. Den Mittag verbringen wir abwechselnd mit Schlafen in der Hängematte und mit Entspannen am Strand. Als wir auf der Terrasse sitzen kommen wir mit dem alleine reisenden Engländer ins Gespräch, den wir sehr viel besser verstehen. Ein Thema des Gesprächs ist der üble Akzent der Neuseeländer, den sogar er manchmal nicht richtig versteht. Ursprünglich kommt er aus der Nähe von London, hat aber irgendwann das Mistwetter dort nicht mehr ausgehalten und ist nach Neuseeland ausgewandert, da das Leben dort einfach mehr „Outdoor“ ist, was ihm total gefällt. Seine Frau wohnt noch immer in England, da ihr das Leben in Neuseeland leider nicht so gefällt. Das ist mal eine ordentliche Distanz für eine Fernbeziehung meinen wir, worauf er nur entgegnet „Well, yeah it’s difficult“. Wir reden über alles mögliche und geben ihm schließlich noch eine Visitenkarte, vielleicht meldet er sich ja mal.

Nachmittags schwimmt Patrik nochmal hinüber auf eine andere Insel (Koromiri) und Michelle streitet sich mit einem Hund um unser Strandtuch, welches er als seinen Schlafplatz auserkoren hat. Da wir morgen Nacht nach Auckland weiterfliegen statten wir unserem Chinesen zum Einkauf des Abendessens noch mal einen Besuch ab. Inzwischen haben wir den kleinen Laden schon richtig lieb gewonnen, denn es ist alles so relaxt, so ungezwungen, so entspannend. Im Gegensatz zu einem großen Supermarkt gibt es keine 10 Sorten Milch, 20 Sorten Tomatensoße oder 30 unterschiedliche Sorten Cornflakes zwischen denen man sich entscheiden muss. Es gibt einfach 1-2 verschiedene, was den Einkauf viel einfacher macht. An Obst & Gemüse gibt es eben das, was heute geerntet wurde und an Backwaren das, wozu die Bäckerei heute Lust hatte zu backen.

Da es im Gästehaus kostenlose Fahrräder zur Benutzung gibt fahren wir kurz bevor es dunkel wird noch etwas in nördlicher Richtung. Die Drahtesel sind allerdings total verranzt, klapprig und verrostet. Bei Patrik’s Rad lässt sich der Sattel nicht verstellen, wodurch er aussieht wie ein Bekloppter auf einem Kinderrad. Michelle bricht in schallendes Gelächter aus, als Patrik an ihr vorbeiradelt. Wir strampeln noch etwas durch die Gegend und kommen bei Dunkelheit wieder am Haus an. Die Atmosphäre auf der Straße ist wieder toll. Es ist warm, wie immer auf Rarotonga, und ab und zu fährt ein Roller vorbei. Hier grunzt ein Schwein, dort mäht eine Ziege oder ein Hahn kräht. Hach, es ist schon schön hier. Das Leben ist ruhiger, entspannter, es gibt keinen Verkehr und keinen Stau. Nach dem Essen verabschieden wir uns von Svenja & Oliver, die am nächsten Tag nach Aitutaki fliegen werden, und wünschen ihnen noch eine gute Reise. Dann heißt es auch schon wieder Koffer packen, denn um 03:25 Uhr nächste Nacht geht es ab nach Auckland.

Da wir um halb zwei vom Taxi abgeholt werden, klingelt um 01:15 Uhr unser Wecker. Pünktlich um 01:30 Uhr stehen wir mit unseren Koffern und dem Rucksack mutterseelenallein in der Dunkelheit auf der Straße. Wenige Minuten später kommt schon das Taxi und der Fahrer, ein ausgewanderter Neuseeländer, bringt uns, nachdem wir noch jemand anderen aufgabeln, zum Flughafen. Dort müssen wir noch zähneknirschend $55 pro Person „departure tax“ (Ausreisesteuer) bezahlen, von der wir vorher nichts wussten. Im Terminal ist wieder der Ukulelenmann zugange und spult einen Song nach dem anderen ab. Pünktlich auf die Sekunde, in der unser Flug aufgerufen wird, schließen ALLE Dutyfree-Shops gleichzeitig! Eine herrliche Aktion! Sogar Kunden sind noch drin, egal, mach bloß den Laden schnell dicht, dass keiner mehr reinkommt! Wer soll denn da schon noch reingehen, fragen wir uns? Alle die hier sind, steigen doch jetzt sowieso in den Flieger und auf die paar Sekunden kommt es doch nun auch nicht an. Da meistens ohnehin nur eine Maschine abhebt werden die Shops wohl nur für diesen Flug mitten in der Nacht geöffnet und die Angestellten sind froh, wenn sie wieder nach Hause ins Bett kommen. Wer kann es ihnen verübeln? Pünktlich steigen wir auf in die Nacht, verlassen die winzige Insel und überlassen sie ihrem Schicksal im eiskalten schwarzblauen Pazifik.

Kia Orana!

 

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1 Kommentar

  • April 29, 2013 5:06 pmvor 3 Jahren
    Svenja & Oliver

    Huhu!
    Das habt ihr sehr schön geschrieben =) Schade, dass ihr keinen Flug nach Aitutaki bekommen habt – dort war es noch viel viel schöner!
    Wir wünschen euch noch viel Spaß auf der restlichen Reise…
    Liebe Grüße
    Svenja & Oliver

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