FlickrRSS
Du bist hier: RoundFour · Explore. Dream. Discover.»Reiseberichte»Reisebericht USA Südwesten 2012

Reisebericht USA Südwesten 2012

     Endlich geht es wieder in die USA! Ein ganzes Jahr Abstinenz ist schon fast zu lang für mich. Im Juni 2011 war ich zum ersten Mal im Südwesten der USA und das Land mit seinen freundlichen Menschen und seinen einzigartigen, atemberaubenden Landschaften hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen, wie es noch kein anderes Land zuvor geschafft hat. Ich bin süchtig! Damals war ich noch alleine unterwegs, für Michelle ist es die erste Reise in die USA. Gleichzeitig ist es auch der erste Stopp unserer Weltreise. 16 Tage lang werden wir ausgehend von Los Angeles den Südwesten der USA bereisen. Auf der Karte unten ist unsere gesamte Route inklusive unserer Übernachtungen eingezeichnet. Nachdem ich mir letztes Jahr einen Chevrolet Tahoe (Kategorie Fullsize SUV) gemietet hatte war klar, dass dieses Jahr nichts anderes in Frage kommt, denn das Auto war für einen Roadtrip einfach ideal. Sehr viel Platz, gemütliches Wohnzimmerfeeling und V8-Dampf unter der Haube, endlich wieder Tahoe fahren! Am 24. August starten wir um 16:15 Uhr mit Air New Zealand in London Heathrow und landen nach 12 Stunden Flug um 19:45 Uhr in Los Angeles.

Da waren wir überall – eine Reise durch 6 Staaten

Reisen, Urlaub, Ferien Bewertung wird geladen…

Inhaltsverzeichnis

Achtung: Der Bericht enthält knapp 300 Fotos, zum Anzeigen weiterer Fotos gibt es unter dem jeweiligen Kapitel einen Button.

Unsere Route

Unsere Route durch den Südwesten

Wie man einen Urlaub nicht beginnt Die verzweifelte Suche am Highway 1

     Das übliche Flughafenprozedere läuft nach unserer Landung auf dem Los Angeles International Airport ab wie am Schnürchen. An der Einreisekontrolle bekommt Michelle leichte Panik, denn in der Regel muss man alleine zum Schalter gehen und wird dann gefragt, was man in den USA vorhat, wo man hingeht, wann man wieder geht und manchmal noch einiges mehr. Nach ca. 30 Minuten warten sind wir an der Reihe und ich frage den Herrn am Schalter ob er die Güte hätte uns auch zu Zweit vortreten zu lassen. Hat er und als er mitbekommt, dass wir Deutsch reden, frägt er uns alle Fragen auf deutsch. Na spitze, die ganze Aufregung umsonst.

Den nächsten Stopp, die Alamo Mietwagenzentrale, erreichen wir mit dem Shuttle Bus. Der Busfahrer ist unglaublich freundlich, schnappt kurzerhand alle unsere Koffer und lädt sie ein. Ja, wir sind definitiv in den USA! Und dazu noch in Los Angeles, denn da war ich letztes Jahr nicht. Ein gigantisches Gefühl. L.A., yahoo!

Auch bei Alamo klappt alles reibungslos, man versucht nicht einmal uns irgendwelche Versicherungen anzudrehen. Zunächst ist unser Wunschauto nicht da (man bucht ja immer nur die Mietwagenkategorie), doch nach erneuter Nachfrage draußen auf dem Hof bringt man uns doch unser Baby – einen silbernen Chevrolet Tahoe! Wir laden unseren Kram ein und schweben mit V8-Geblubber Richtung Hotel, welches nur wenige Kilometer vom Flughafen entfernt ist. Dort checken wir ein und holen an der Rezeption unsere in Deutschland bestellte GoPro-Videokamera ab (bei amazon.com etwas bestellen und an ein Hotel in den USA senden lassen klappt einwandfrei). Danach fallen wir todmüde ins Bett, gute Nacht L.A.!

Am nächsten Morgen sind wir früh auf den Beinen, laden das Auto ein und machen uns auf den Weg zum Highway 1, denn diesem werden wir bis San Francisco folgen. Zuvor halten wir aber noch kurz auf der Ocean Ave oberhalb des Santa Monica Piers und werfen einen Blick hinunter. Unzählige Male haben wir das Pier mit seinem kleinen Vergnügungspark schon in Filmen gesehen, es jetzt zum ersten Mal mit eigenen Augen zu sehen ist ein tolles Gefühl. Der Strand ist sehr breit und die Häuser am Pacific Coast Hwy, dem Highway 1, liegen direkt am Strand. Wie es wohl sein muss in dieser riesigen Stadt direkt am Meer zu wohnen?

Nachdem wir den Ausblick eine Weile genossen haben biegen wir auf den Highway 1 ein und fahren Richtung Norden. Am ersten Supermarkt halten wir an und frühstücken gänzlich unamerikanisch Brötchen und Wurst. Anschließend macht der Highway einen Knick nach Westen und schlängelt sich an einer wunderschönen Küste durch Malibu und vorbei am Malibu Beach. Leider spielt das Wetter nicht mit, es ist zwar warm, aber sehr bedeckt. Nach der Küstenstrecke verlässt man das Meer zunächst und folgt dem Highway 1 bei Ventura auf den Ventura Freeway. Es geht weiter durch Santa Barbara und Santa Maria bis nach San Luis Obispo, wo man schließlich nach Westen abbiegt und in Morro Bay das Herzstück der Küstenstraße beginnt. Die Landschaft ist toll, die Straße schlängelt sich hinab und hinauf durch geschwungene Hügel, welche überzogen sind mit Wiesen und vereinzelten Bäumen. In Morro Bay legen wir eine Rast ein und essen in einem Restaurant direkt am Wasser zu Mittag.

Kurz nach San Simeon stoßen wir auf das erste Highlight, an dem wir unbedingt anhalten müssen – eine große Kolonie See-Elefanten. Die Stelle ist ausgeschildert und es gibt einen großen Parkplatz, auf dem auch einiges los ist.

Zunächst sehen wir keine Tiere, werden aber kurz darauf von einem Ranger zur richtigen Stelle geschickt. See-Elefanten sind geradezu enorm! Die schwabbeligen Riesenwürste können über 6 Meter lang werden und Männchen bis zu 3,5 Tonnen schwer. Etliche von ihnen liegen am Strand, raufen sich, knuddeln sich oder liegen einfach nur so da. Wenn viele von ihnen auf einem Haufen liegen erkennt man gar nicht wo der eine Riesenwurm anfängt und der andere aufhört. Stundenlang könnten wir ihnen zuschauen, reißen uns dann aber doch los, denn es wird bald dunkel und wir müssen noch unseren Campingplatz suchen.

Da auf der anderen Straßenseite auch ein paar Leute stehen schauen wir dort noch vorbei und trauen unseren Augen nicht. Laufen da doch glatt vier Zebras durch die Gegend. Wir kommen uns schon vor wie in der afrikanischen Steppe als uns jemand erklärt, dass die Zebras vor einer Weile von einem Zoo ausgesetzt wurden und seitdem hier leben. Was es nicht alles gibt…

Das Drama nimmt seinen Lauf

Übernachten möchten wir heute auf einem kleinen Stellplatz etwas abseits des Highway 1, welchen ich im Internet gefunden habe. Leider ist der Himmel mittlerweile komplett zugezogen und man sieht kaum noch etwas von der Küste. Der Stellplatz ist dummerweise nicht ausgeschildert und wir finden die Straße, die zu ihm führt nicht. Schließlich folgen wir einem Schotterweg, der laut Kilometerzähler an der richtigen Stelle liegt. Es geht hinauf in der Berge, doch einen Stellplatz finden wir auch nach langer Suche nicht. Mist, das war wohl nichts! Plan B: Einer der Campingplätze, die einige Kilometer weiter am Highway 1 liegen. Als wir am ersten Campingplatz ankommen sehen wir das Schild schon aus der Ferne: FULL! Gibt’s doch nicht! Auch die nächsten beiden sind voll und mittlerweile ist es dunkel. So ein Mist. Im Dunkeln fahren wir weiter und sehen nun gar nichts mehr von der Küste, so haben wir uns das nicht vorgestellt!

In einem ziemlich nobel aussehenden Hotel frage ich, ob sie noch ein Zimmer frei haben. Ja, eins hätten sie noch, kostet $300 pro Nacht. Uff! Wir fahren weiter, doch auch der dritte Campingplatz ist voll. Das kann doch wohl nicht wahr sein, was zum Teufel ist hier denn los? In einem Restaurant frage ich, ob hier auch irgendwo was nicht voll ist. Keine Chance, meint die Dame, vielleicht im 50 km entfernten Monterey. Wir sind genervt und müde. Also weiter nach Monterey, mittlerweile haben wir schon 330 Meilen (~ 530 km) auf der Uhr, so viel wollten wir eigentlich nicht fahren.

In Monterey folgt Ernüchterung, das erste Motel ist voll. Auch beim zweiten, dritten und vierten hat man keine guten Nachrichten für uns. Unsere Nerven stehen kurz vor dem Zerreißen. Es fallen Worte im Auto, welche nicht für einen Reisebericht geeignet sind. Warum zum Henker ist hier alles voll?! Wir können es nicht fassen und beschließen uns einfach irgendwo hinzustellen. Das darf man in den USA zwar nicht, aber wir sind zu müde zum Weiterfahren. Als wir gerade aus der Stadt hinausfahren kommen wir nochmal an einem Motel vorbei. Der Schuppen ist ziemlich verranzt, hat aber noch ein Zimmer frei! Und das zu spottbilligen $140! Zähneknirschend ziehen wir in dieser Absteige ein, das Zimmer ist ungemütlich und die Matratzen des Bettes noch in Plastikfolie eingepackt. Egal, endlich Schlafen und diesen Tag abhaken, denn so war das alles nicht geplant…

  • Unser Audole

    Unser Audole
    usa_suedwesten_reisebericht_00_chevrolet_tahoe

  • Irgendwo am Strand

    Irgendwo am Strand
    usa_suedwesten_reisebericht_01_kalifornien

  • Ein Berg Fleisch liegt am Strand

    Ein Berg Fleisch liegt am Strand

  • Ab und zu bewegen sie sich auch

    Ab und zu bewegen sie sich auch

  • Der hier schaufelt sich eine Liegemulde

    Der hier schaufelt sich eine Liegemulde

  • Eichhörnchen am Meer

    Eichhörnchen am Meer
    Highway 1, Kalifornien

  • Und noch eins

    Und noch eins
    Highway 1, Kalifornien

  • Erwischt!

    Erwischt!
    Highway 1, Kalifornien

  • Raufen oder Knuddeln die?

    Raufen oder Knuddeln die?
    Highway 1, Kalifornien

  • Etwas hässlich sind sie ja schon...

    Etwas hässlich sind sie ja schon…
    Highway 1, Kalifornien

  • Die zwei üben für den Superstar

    Die zwei üben für den Superstar
    Highway 1, Kalifornien

Ab ins Gefängnis San Francisco und eine tolle Alcatraz-Tour

     Nach dem Ausschlafen am nächsten Morgen sieht die Welt schon ganz anders aus, der Stress von gestern ist schon fast vergessen. Unsere Nerven brauchen heute Morgen trotzdem ein fettes, typisch amerikanisches Frühstück. Der erste Fastfood-Schuppen ist schnell gefunden, denn es gibt sowieso quasi an jeder Kreuzung einen. Jack in the Box, Carls Jr., Wendy’s, McDonalds, Burger King, IHOP (Pancakes), Taco Bell, Pizza Hut, Domino’s Pizza, Dairy Queen, Subway, KFC… und wie sie alle heißen. Unsere Wahl fällt heute auf Jack in the Box, ganz einfach weil es der erste Laden ist, an dem wir vorbeikommen und unsere Nerven nach Fett lechzen. Wir bestellen uns zwei ordentliche Frühstücksportionen mit Pancakes, Speck, Rührei und Würstchen. Lechz!

Rundfahrt auf dem 17-Mile-Drive

Danach geht es zum 17-Mile-Drive, einer Straße, welche in der Nähe von Monterey von Pebble Beach durch den Del Monte Forest führt. Man bezahlt rund $10 „Eintritt“ und bekommt eine Karte, auf welcher alle 21 Sehenswürdigkeiten eingezeichnet sind. Wobei die Bezeichnung „Sehenswürdigkeit“ für die meisten Dinge ziemlich übertrieben ist. Am Huckleberry Hill blickt man auf einen recht langweiligen Hügel, am Poppy Hills Golf Course ist eben ein Golfplatz. Für Golfer vielleicht interessant, uns entlockt das nur ein müdes Lächeln. Es wird jedoch besser. Am Punkt Spanish Bay hat man einen tollen Blick auf das Meer und am Bird Rock nisten unzählige Kormorane, Möwen und Pelikane. Zwischen den Vögeln tummeln sich auch etliche Seehunde, welche ein unheimliches Getöse machen. Die kurvige Straße führt durch eine tolle Landschaft und man erhascht immer mal wieder einen Blick aufs Meer und kommt an unzähligen Villen vorbei, welche schön anzusehen sind. Alles in allem kann man sagen, dass sich die $10 gelohnt haben und wir auch noch ein zweites Mal hingehen würden.

Anschließend lassen wir Monterey hinter uns und fahren durch Sunnyvale und Palo Alto nach San Francisco. Aufgrund des schlechten Wetters und unserer Irrfahrt gestern haben wir leider nicht besonders viel vom Highway 1 und der Küste gesehen. In der Nähe des Flughafens checken wir im Hotel ein und fahren dann erstmal, so wie es sich gehört, sämtliche extrem steile Straßen mit dem eigenen Auto ab. Ein Teil der Lombard Street, welche mit 10 Kurven auf nur 145 Metern die kurvigste Straße San Franciscos ist, darf natürlich auch nicht fehlen. Danach parken wir etwas abseits des Piers in einem der günstigeren Parkhäuser (per Google findet man viele Seiten, auf denen sich die Preise vergleichen lassen, denn direkt am Pier ist es extrem teuer!) und schlendern die ganzen Piers hinauf und hinunter.

Um 18 Uhr machen wir uns auf zum Pier 39, an dem unsere Fähre nach Alcatraz abfährt, denn wir haben für heute die Night Tour gebucht, auf die wir uns schon wahnsinnig freuen!

[dcs_box color=“#FFFFFF“ bcolor=“#FFFFFF“ bgcolor=“#3399CC“ align=“center“ rounded=“5″ bwidth=“0″ padding=“10px 10px 10px 10px“ margin-top=“0px“ font=“Trebuchet MS“ fsize=“12″ ]1923 wurde die Lombard Street, welche ein Gefälle von 27 Prozent hat, durch die Serpentinenform entschärft. Die zwei Blocks weiter liegende Filbert Street ist mit einem Gefälle von 32 Prozent allerdings noch steiler und nicht entschärft, weshalb sie schon in einigen Filmen als Sprungschanze diente.[/dcs_box]

Eiskalte Night Tour nach Alcatraz

Gegen 18:30 Uhr verlassen wir Pier 39 und schippern hinaus Richtung Alcatraz. Vom Wasser aus haben wir einen gigantischen Blick auf die San Francisco Bay, auf San Francisco selbst, Treasure Island, die Bay Bridge und auf die Golden Gate Bridge. Es ist einfach atemberaubend! Auf der Insel angekommen bekommen wir zunächst von einem Guide eine Einführung und laufen dann ein kurzes Stück hoch zum Hauptgebäude. Am Eingang bekommt jeder einen Kopfhörer, auf dem man sich (auch in Deutsch) die Audio Tour anhören kann. Die Tour führt einen über das komplette Gelände und erklärt einem alles ausführlich. Ich war ja bis jetzt nie ein großer Fan dieser Touren (warum weiß ich auch nicht), aber die Alcatraz Audio Tour ist wirklich spitze! Es wird eine tolle Atmosphäre aufgebaut mit Geräuschen aus dem Gefängnis, Kommentaren von ehemaligen Insassen und Stories zum Leben in einem Gefängnis. Wenn man dann so vor einer Zelle steht, hineinschaut und dazu die Geräusche aus dem Kopfhörer hört gruselt es einen schon etwas.

Als es dunkel wird frischt der Wind auf und es wird regelrecht eiskalt! Durch San Francisco’s Lage an der Küste des Pazifiks und des dort vorherrschenden kalten Kalifornienstroms ist es oft kühler als im Inland. Zudem herrschen in der Gegend sogenannte Mikroklimate. Während es z.B. an der Golden Gate Bridge empfindlich frisch ist, kann es in der Innenstadt sommerlich warm sein. So frösteln wir auf dem Schiff vor uns hin und sind immer noch hin und weg von der tollen Alcatraz Tour. Nach unserer Rückkehr zum Auto fahren wir noch hinüber nach Treasure Island (Achtung, Ausfahrt nicht verpassen: Man biegt auf der Bay Bridge mittendrin links ab) und schauen uns die Skyline San Francisco’s bei Nacht an. Der Versuch die Skyline zu fotografieren scheitert leider aufgrund des starken Windes und des zu schwachen Reisestativs.

  • Am Strand des 17-Mile-Drive

    Am Strand des 17-Mile-Drive
    Highway 1, Kalifornien

  • Möwe an der Westküste

    Möwe an der Westküste
    Highway 1, Kalifornien

  • Hier herrschen die Seehunde

    Hier herrschen die Seehunde

  • Feuerwehrauto in San Francisco

    Feuerwehrauto in San Francisco

  • Ein Wasser-Jetpack?

    Ein Wasser-Jetpack?

  • Panorama von Downtown San Francisco

    Panorama von Downtown San Francisco
    USA

  • Alcatraz von der Nordseite

    Alcatraz von der Nordseite

  • Ruine auf Alcatraz

    Ruine auf Alcatraz

  • Ausblick auf die San Francisco Bay

    Ausblick auf die San Francisco Bay

  • Zellentrakt von Alcatraz

    Zellentrakt von Alcatraz

  • Viel Platz hatten sie hier nicht

    Viel Platz hatten sie hier nicht

  • Zellentrakt von Alcatraz

    Zellentrakt von Alcatraz

  • Da schaudert es einen

    Da schaudert es einen

  • Zellentrakt von Alcatraz

    Zellentrakt von Alcatraz

  • Golden Gate Bridge im Sonnenuntergang

    Golden Gate Bridge im Sonnenuntergang
    San Francisco

  • Wir frieren uns den ***** ab

    Wir frieren uns den ***** ab

Yosemite Nationalpark: El Capitan, Half Dome und Olmsted Point Lahme Wasserfälle und keine Bären in Sicht

     Nach dem Frühstück am nächsten Tag lenken wir unseren Koloss von Auto durch die Straßen von San Francisco mit dem Ziel Painted Ladies. Der Ausdruck Painted Ladies beschreibt in der amerikanischen Architektur viktorianische Häuser oder Gebäude, welche mit drei oder mehr Farben angestrichen sind und deren architektonische Details herausstellen. Die bekanntesten dieser Häuser liegen in der 710–720 Steiner Street, direkt gegenüber des Alamo Square Parks, nahe dem Zentrum von San Francisco. Sie sind das Postkartenmotiv schlechthin und waren schon in über 70 Filmen, Serien und Werbespots zu sehen. Als Hauseigentümer kann man sich wohl nicht mal für eine Minute im Schlüpfer ans Fenster stellen, ohne das man von irgendeinem Tourist fotografiert wird.

Im Jahr 2010 wurde eines der Häuser, welche übrigens zwischen 1892 und 1896 gebaut wurden, für unglaubliche vier Millionen Dollar zum Verkauf angeboten (es wurde aber nicht verkauft). Die Häuser an sich sind schon recht nett anzusehen, in Kombination mit der Skyline San Francisco’s, welche hinter den Häusern aufragt, braucht man sich nicht lange zu fragen, warum sie so bekannt geworden sind. Nach den angemalten Damen geht es weiter zu einem ebenfalls angemalten (allerdings nur in einer Farbe) etwas größerem Objekt. Der Golden Gate Bridge, die ja eigentlich rot ist. Das Gold im Namen der Brücke hat jedoch nichts mit ihrer Farbe zu tun, sondern mit der Meeresstraße, welche die San Francisco Bay mit dem Pazifik verbindet, die heißt nämlich Golden Gate. Wir haben Glück, denn die Brücke hängt nicht im Nebel und das Wetter ist grandios.

Endlose Wälder und mächtige Berge

Nachdem wir ausgestaunt haben fahren wir über die Brücke nach Norden zu einem anderen Aussichtspunkt. Dort wird wieder gestaunt und wir lernen Sabrina & Martin aus Deutschland kennen. Wir quatschen etwas, decken uns im Walmart mit Proviant ein und nehmen dann die rund 190 Meilen zum Yosemite Nationalpark in Angriff. Es geht vorbei an zahlreichen Olivenbaum-Plantagen während die Landschaft sanft in hügeligeres Terrain übergeht. Nach 3/4 der Strecke geht es in den Wald und die Straße ist gesäumt von mächtigen Nadelbäumen. Da uns ein weiter Blick lieber ist zieht sich die Fahrt ziemlich hin, denn man sieht vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr. Als würde man durch einen unendlichen Tunnel fahren. Irgendwo mitten im Wald taucht plötzlich die Ranger-Station auf und wir kaufen uns ein Jahresticket für alle Parks. Anschließend geht es wieder ab in den Tunnel.

Kurze Zeit später erhaschen wir endlich die ersten Blicke auf die massiven Granitfelswände, für welche der Yosemite Nationalpark so bekannt ist. Große Flächen der Nadelbäume bestehen nur noch aus deren Stämmen, es sieht aus als hätte hier vor einiger Zeit mal ein Waldbrand gewütet. Die Landschaft mit ihren tiefen Tälern, den im Tal fließenden Flüssen, den Nadelbaumwäldern und schroffen Felswänden ist einfach fantastisch. Unter stahlblauem Himmel folgen wir den sanften Kurven der Straße und warmer Sommerwind umspielt unsere entzückten Gesichter. Am ersten Stop biegen wir links ins Yosemite Valley ab. Zur Landschaft gesellen sich nun noch saftig grüne Wiesen hinzu. Plötzlich taucht vor uns die beeindruckende Felswand des El Capitan auf, einer 914 Meter hohen Steilwand, welche das gesamte innere Tal dominiert. Der Anblick ist einfach majestätisch. Durch das Nachmittagslicht sieht der El Capitan aus, als hätte ihn jemand in Photoshop einen Hauch zu oft durch Kontrast- und Schärfefilter gejagt – zu real für diese Welt.

Unsere eingeplante Zeit für die Fahrt in den Yosemite war ziemlich knapp, denn wir kommen erst gegen 17 Uhr auf dem Campingplatz an. Die Rangerstation ist schon geschlossen, doch wir finden einen Zettel auf dem unser Name und unser zugeteilter Platz steht. Den North Pines Campground haben wir schon sechs (ja, ihr lest richtig, nochmal als Zahl: 6!) Monate im Voraus reserviert, denn im Sommer herrscht hier Hochbetrieb. Die Reservierung der Campgrounds wird immer sechs Monate vorher freigeschaltet und nach sage und schreibe 10 Minuten nach Freischaltung waren alle Plätze voll! Wer also im Sommer im Yosemite übernachten will, sollte schon lange vorher mit der Planung beginnen. Nach dem Aufbau unseres Zeltes geht es sofort wieder los, denn wir möchten am Aussichtspunkt Tunnel View den Park im Abendlicht fotografieren.

Atemberaubende Ausblicke an Tunnel View und Olmsted Point

Gegenüber des Parkplatzes am Tunnel View führt ein kleiner Trampelpfad den Berg hinauf. Diesem folgen wir ca. 10 Minuten, dann hat man einen etwas anderen Winkel und nicht das gleiche Foto wie der Rest der Touristenmeute. Der Ausblick ist spektakulär, der El Capitan mit seiner mächtigen Flanke thront über das Tal, im Vordergrund sieht man den Bridalveil Fall Wasserfall und ganz hinten lugt noch der Half Dome hervor. Mit den Fotos sind wir leider nicht so zufrieden, denn der Wasserfall führt quasi kein Wasser mehr. Wer rauschende Wasserfälle sehen möchte, sollte den Park besser 2-3 Monate früher besuchen. Nach der Fototour gibt’s Tütenfutter vom Gaskocher und wir verstauen unsere Lebensmittel in der Bärenbox. Wer das nicht tut, riskiert eine saftige Strafe, denn hier tummeln sich ab und zu Bären, die bei Hunger auch vor Zelten oder sogar Autos nicht zurückschrecken. Da Bären normale Verschlüsse mit links aufbekommen hat die Bärenbox einen ausgeklügelten Verschlussmechanismus, an dem ich zunächst kläglich scheitere. Schlau wie ein Bär… na ja, lassen wir das.

Mehr oder weniger ausgeschlafen sind wir am nächsten Morgen schon wieder um 7 Uhr unterwegs zu den Yosemite Falls. Es ist eisig kalt! Bei 7°C schlottern uns die Knie, außer ein paar Rehen ist kein Mensch unterwegs und der Wasserfall ist komplett ausgetrocknet. Spitze. Ende August Yosemite = Fehlanzeige. Nach einigen Fotostopps fahren wir zurück Richtung Highway 120 und biegen dann rechts auf die Tioga Rd Richtung Tioga Pass ab, nun geht es quer durch die Sierra Nevada nach Las Vegas. Gegen 10 Uhr kommen wir am Aussichtspunkt Olmsted Point an. Heilige Mutter der Berglandschaften! Was für ein unglaublicher Ausblick! Vor uns erstreckt sich ein Meer aus Granit, in dem vereinzelt Bäume wie aufgeklebt auf der Landschaft einer Miniatureisenbahn stecken. Im Hintergrund dominiert der mächtige Half Dome die Szenerie. Nette Info am Rande: Das Logo des Bekleidungsherstellers The North Face wurde in Anlehnung an den Half Dome designed.

Zahlreiche Fotos später (früh aufstehen lohnt sich, denn das Licht ist noch recht gut) geht es weiter zum Tenaya Lake, einem äußerst fotogenen See. Die weitere Fahrt über den Tioga Pass ist sehr kurzweilig, da die Landschaft einfach atemberaubend ist. Letztes Jahr fuhr ich bereits in anderer Richtung über den etwas weiter nördlich gelegenen Sonora Pass, da der Tioga  im Juni noch gesperrt war. Fazit: Der Tioga Pass ist doch um einiges schöner. Ständige Ooooh’s und Aaaah’s unsererseits bestätigen das.

  • Painted Ladies

    Painted Ladies
    San Francisco, USA

  • Hallöle :-)

    Hallöle :-)

  • Golden Gate Bridge · San Francisco

    Golden Gate Bridge · San Francisco

  • Golden Gate Bridge

    Golden Gate Bridge
    San Francisco, USA

  • Golden Gate Bridge · San Francisco

    Golden Gate Bridge · San Francisco

  • Golden Gate Bridge · San Francisco

    Golden Gate Bridge · San Francisco

  • Fotografiert von Sabrina & Martin

    Fotografiert von Sabrina & Martin

  • Yosemite Nationalpark

    Yosemite Nationalpark

  • El Capitan

    El Capitan
    Yosemite Nationalpark

  • El Capitan

    El Capitan
    Yosemite Nationalpark

  • Ausblick am Tunnel View

    Ausblick am Tunnel View
    Yosemite Nationalpark

  • Ausblick am Tunnel View

    Ausblick am Tunnel View
    Yosemite Nationalpark

  • Zelt steht, alles gut

    Zelt steht, alles gut

  • Yosemite Nationalpark

    Yosemite Nationalpark

  • Yosemite Nationalpark

    Yosemite Nationalpark

  • Yosemite Nationalpark

    Yosemite Nationalpark

  • Gebirgsbach im Yosemite

    Gebirgsbach im Yosemite

  • Olmsted Point

    Olmsted Point
    Yosemite Nationalpark

  • Olmsted Point

    Olmsted Point
    Yosemite Nationalpark

  • Olmsted Point

    Olmsted Point
    Yosemite Nationalpark

  • Panorama Olmsted Point

    Panorama Olmsted Point
    Yosemite Nationalpark

  • Olmsted Point

    Olmsted Point
    Yosemite Nationalpark

  • Olmsted Point

    Olmsted Point
    Yosemite Nationalpark

  • Tenaya Lake

    Tenaya Lake
    Yosemite Nationalpark

Das Death Valley kocht dein Hirn Der heißeste Ort der Welt: 56,7 Grad im Schatten

     Zweihundertvierzig Meilen (390 km) und knapp fünf Stunden Fahrt später passieren wir gegen 15:30 Uhr das Willkommensschild des Death Valley Nationalparks. Die dazwischenliegenden Sehenswürdigkeiten (Geisterstadt Bodie, Mono Lake, Alabama Hills, etc.) lassen wir diesmal aus, da ich schon dort war und Michelle sich nicht so für sie interessiert. Mehr dazu gibt es im Reisebericht USA Südwesten 2011. Nach dem Father Crowley Point geht es stetig bergab – in den Brutofen der Hölle. Die Straße kocht, die Luft flimmert, man kann dem Thermometer beim Steigen zuschauen. 30°C, 33°C, 36°C, 38°C, 40°C. Hallo? Hört das auch mal auf? Am Stovepipe Wells Village, einer der wenigen winzigen Ansiedlungen im Death Valley gibt es eine Tankstelle, einen kleinen Shop und einen Campingplatz. Im Sommer im Freien zu schlafen ist allerdings quasi unmöglich. Doch wir wollen es trotzdem versuchen. Ob das klappt? Mehr dazu später…

Pure, reine Hitze

Auf dem Parkplatz der Tankstelle stehen einige Erlkönige, nahezu komplett abgeklebte Autos, die hier momentan getestet werden. Das kommt im Death Valley öfters vor, denn es gibt keinen heißeren Ort auf der Welt, an den man einfacher gelangen kann. 42°C, 43°C, 44°C. Wir fahren zu den Mesquite Flat Sand Dunes. Dabei handelt es sich um riesige Sanddünen aus feinstem Quarzsand, die in einem der Star Wars Filme als Set für den Planeten Tatooine herhalten mussten. 46°C, 47°C. Im Schatten! Um 16:45 Uhr. Da es letztes Jahr schon nicht geklappt hat, will ich diesmal unbedingt die Sanddünen morgen früh kurz nach Sonnenaufgang fotografieren. Wir parken, steigen aus und bekommen fast keine Luft. Die Hitze ist unbeschreiblich. 48°C. Es ist mörderisch, lebensfeindlich, tödlich, geil. Ja, irgendwie ist es geil. Wer einfach mal ultimative furztrockene perverse Hitze erleben will, muss unbedingt mal im Sommer das Death Valley besuchen. Michelle findet es nicht so geil, ihr Kreislauf fährt Achterbahn. Wer hier ohne Wasser strandet ist in wenigen Stunden tot. Das sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Zurück in Stovepipe Wells lassen wir uns erstmal was kaltes zu trinken raus und setzen uns auf die Bank vor dem Laden. Sogar den Vögeln ist es zu heiß, mit offenen Schnäbeln und bebenden Leibern hüpfen sie vor uns herum und stürzen sich auf jeden Tropfen Wasser, den wir ihnen auf den Boden tropfen lassen. Wie überleben die hier überhaupt? Nach 20 Minuten steigen wir wieder ins Auto und springen sofort wieder raus. Es geht nicht, man kann nicht einsteigen. Schwarze Ledersitze + geschlossenes Auto + 48°C = Vorhof der Hölle. Also erstmal Motor an, Klimaanlage auf Anschlag und 5 Minuten warten. Danach fahren wir zu unserem Sonnenuntergangsspot, dem Zabriskie Point. Von dort hat man einen fantastischen Ausblick auf die bizarren Erosionslandschaften des Death Valley. Beim Fotografieren hängt uns die ganze Zeit der Gedanke an unsere Übernachtung im Kopf.

Projekt: Sommer-Übernachtung Death Valley

Es will einfach nicht abkühlen. Mittlerweile ist es 19 Uhr, das Thermometer zeigt immer noch kuschelige 47°C. Wir lechzen nach der Klimaanlage. Direkt unten im Tal übernachten geht nicht, alles ausgebucht. Auf dem Campingplatz? Unvorstellbar. Nach vorausgegangener Recherche soll es im Gebirge ein paar Grad kühler sein. Wir fahren also wieder zurück zum Emigrant Campground, dieser liegt direkt an der Straße, auf der wir hergekommen sind in rund 700 Metern Höhe (Death Valley: Meeresspiegel). Als wir ankommen fällt uns zuerst auf, dass kein Mensch da ist. Klar, wer ist auch so bekloppt und übernachtet hier im Sommer. Blick aufs Thermometer: 45°C. Yeah, das hat sich ja gelohnt. Da es schon dunkel wird versuchen wir unser Zelt aufzubauen. Nach 10 Minuten geben wir entnervt auf, denn der Boden ist hart wie Beton. Trotz Hämmern bekommen wir die Heringe nicht mal einen halben Zentimeter in den Boden. Das Projekt Death Valley Übernachtung droht zu entgleisen. Prinzipiell hätten wir nochmal 35 km zum Panamint Springs Resort zurückfahren können, welches noch höher liegt. Dafür ist es nun aber zu spät.

Inzwischen ist es dunkel und wir beschließen im Auto zu schlafen, das sind wir von unseren Rallye-Reisen ja schon gewohnt. Im Auto ist es allerdings trotz offener Fenster noch unerträglicher. Die Luft steht. Es geht nicht das winzigste Lüftchen. 21 Uhr, 43°C. Wir nehmen Handtücher, kippen Wasser drauf und legen sie uns auf Gesicht und auf den Oberkörper. Das bringt eine kurze Erleichterung, doch nach 10 Minuten ist das Wasser warm. Wir schließen unsere Augen und versuchen zu schlafen. Die Hitze drückt uns den Schweiß aus den Poren. Wir steigen uns und laufen etwas durch die Gegend. Am Himmel fällt uns ein Objekt auf, welches ständig perfekte Kreise fliegt. Was das wohl ist? Bestimmt irgendein experimentelles Fluggerät, welches in der Area 51 getestet wird… *Akte-X Melodie*

22 Uhr, 43°C. Heiliger Strohsack, das gibt’s doch nicht. Kann mal jemand die Tür des Backofens öffnen? Wir können nicht schlafen, es geht nicht. Unmöglich. Kurz vor 23 Uhr geben wir auf. 42°C. Wir haben Kopfweh. Ich bin total knülle im Kopf. Nichts geht mehr. Michelle setzt sich ans Steuer, fährt wieder hinunter ins Tal des Todes und auf dem Highway 374 raus in den kleinen Ort Beatty. Keine Seele ist mehr unterwegs, wir sind das einzige Auto weit und breit. Nach ca. 70 Kilometern kommen wir um Mitternacht an und schnaufen erstmal durch. 26°C. Was für eine Wohltat. Die Tankstelle hat noch geöffnet bzw. schließt wahrscheinlich gar nicht und wir besorgen uns einen Mitternachtssnack. Als wir im Auto essen kommen plötzlich zwei Esel auf uns zugelaufen und hängen ihre Schnauzen zur Tür hinein. Wir geben ihnen einen Apfel und sie trotten von dannen. Wieder mal ist es nichts geworden mit dem Sonnenaufgang an den Sanddünen. Nächstes Mal wird endlich ein Hotelzimmer mit Klimaanlage gebucht! Oder wir kommen mal im Frühling oder Herbst…

  • Der Kofferraum ist voll

    Der Kofferraum ist voll

  • Death Valley, yippie!

    Death Valley, yippie!

  • 48 Grad

    48 Grad

  • Mesquite Flat Sand Dunes

    Mesquite Flat Sand Dunes
    Death Valley Nationalpark

  • Mesquite Flat Sand Dunes

    Mesquite Flat Sand Dunes
    Death Valley Nationalpark

  • Zabriskie Point

    Zabriskie Point
    Death Valley Nationalpark

  • Heeeiiißßß!

    Heeeiiißßß!

  • Patrik am Zabriskie Point

    Patrik am Zabriskie Point
    Death Valley Nationalpark

  • Zabriskie Point

    Zabriskie Point
    Death Valley Nationalpark

  • Zabriskie Point

    Zabriskie Point
    Death Valley Nationalpark

  • Hilfe, ein Esel ;-)

    Hilfe, ein Esel ;-)

  • Der würde glatt mitfahren

    Der würde glatt mitfahren

  • He, hier ist Parkverbot!

    He, hier ist Parkverbot!

Rohrbruch in Las Vegas What happens in Vegas, stays in Vegas

     Am folgenden Morgen sind wir wieder bester Dinge, denn es geht ab nach Las Vegas! Laaaaaaaaaaas Veeeeeeeeeegas, wooohoo. Wir freuen uns schon riesig, denn die Stadt ist einfach so unglaublich absurd, dass man sie einmal gesehen haben muss. Oder zweimal. Oder dreimal. 117 Meilen folgen wir dem Highway 94, welcher uns entlang der Area 51 direkt ins Zentrum von Las Vegas führt. Es ist immer wieder ein tolles Erlebnis wenn sich nach endlosen Kilometern karger, eintöniger Wüste plötzlich die Skyline Las Vegas‘ wie aus dem Nichts vor einem aufbaut. Zwei Nächte werden wir hierbleiben und haben uns für die erste Nacht ein Zimmer im Stratosphere Tower reserviert. Morgen werden wir dann im 5-Sterne-Hotel MGM übernachten, doch dort soll uns eine böse Überraschung erwarten. Da an den Wochenenden die amerikanischen Zocker ihre Wallfahrt nach Vegas starten sind sämtliche Hotels dann um einiges teurer. Seinen Las Vegas Trip sollte man also auf die Werktage legen, dann bekommt man die Hotelzimmer zu Spottpreisen nach geworfen. Letztes Jahr hatte ich hier für 12€ pro Nacht in einem neu renovierten sehr sauberen 3-Sterne-Hotel übernachtet.

Zocken am 1-Cent-Automaten

Auch in Las Vegas ist es im Sommer knochentrocken und schweineheiß. Bei 42°C latschen wir kreuz und quer über den Strip und durch die Casinos. Im Caesars Palace bleiben wir hängen und versuchen unser Glück an einem der 1-Cent-Automaten. Dort wirft man einen Dollar ein und kann dann 100 Mal für einen Cent spielen. Ideal für einen Schwaben. Ein paar Mal setzen wir 20 Cent auf einmal und gewinnen ein paar Dollar. Pling-pling-pling macht es dann. Nach wenigen Minuten sind wir schon im Zockerrausch. Das Geräusch kann süchtig machen. Wir spielen weiter und gewinnen 8 Dollar. Pling-pling-pling-pling-pling. Woohoo. Je höher der Gewinn, umso länger macht es Pling. Am Automaten lösen wir den Bon ein und lassen uns die 8 Dollar auszahlen. Mit einem Grinsen nicken wir dem Security-Typ zu und verlassen das Caesars. Wenn der wüsste wie hart wir das Casino gerade ausgenommen haben, hahaha. Ha.

Da uns die Wärme, das Hin- und Herlaufen und der ständige Wechsel zwischen Klimaanlage und brütender Hitze so langsam auslaugt fahren wir zurück ins Hotel und ruhen uns eine Weile aus. Um 20 Uhr begeben wir uns zum Aufzug, der uns auf die Aussichtsplattform des Stratosphere Tower bringt. Als Gast des Hotels bezahlt man keinen Eintritt, denn man bekommt pro Person ein Ticket geschenkt. Rechnet man den normalen Eintrittspreis von $18 in unseren Zimmerpreis ein, übernachten wir quasi umsonst.

[dcs_box color=“#FFFFFF“ bcolor=“#FFFFFF“ bgcolor=“#3399CC“ align=“center“ rounded=“5″ bwidth=“0″ padding=“10px 10px 10px 10px“ font=“Trebuchet MS“ fsize=“12″ ]Der Stratosphere Tower ist mit 350 Metern Höhe der höchste freistehende Aussichtsturm der Vereinigten Staaten. Mit dem Big Shot, einem Freefall-Tower kann man sich am Turmmast 40 Meter hochkatapultieren lassen. X-Scream, ein weiteres Fahrgeschäft, besteht aus einem Wagen auf einer kurzen Schiene, welcher einen in 264 Metern Höhe außerhalb der Plattform nach unten schießen lässt.[/dcs_box]

Von der Observation Deck genannten Aussichtsplattform hat man einen großartigen Blick auf ganz Las Vegas. Ein schier endloses glitzerndes buntes Meer aus Lichtern erstreckt sich bis zum Horizont. Im Gegensatz zum Eiffel Tower ist man zwar etwas weiter weg vom Strip, trotzdem ist die Sicht toll. Vom Hilton und Circus Circus sieht man über Encore, Treasure Island und The Mirage bis zum Caesars Palace. Dann knickt der Strip nach links ab und das Encore und das Venetian versperren die Sicht auf die restlichen Casinos. Da man kein Stativ auf den Turm mitnehmen darf ist Improvisation angesagt – eines dieser Bezahlfern-glasrohrdinger wird kurzerhand zum Stativ umfunktioniert. Nach zahllosen Fotos geht’s nochmal zum Fotografieren zum Strip. Wir parken im Caesars Palace und schauen uns die Vulkanshow am Mirage und die Piratenshow am Treasure Island an. Auch hier kühlt es nachts sehr langsam ab und uns läuft der Schweiß in Bächen vom Kopf.

Quell des Lebens Hoover Dam

Den nächsten Tag lassen wir gemütlich angehen und fahren gegen 11 Uhr zum Hoover Dam, welchen ich im Jahr 2011, als ich alleine unterwegs war, ausgelassen hatte. Wieder mal ist es mit über 40°C siedend heiß und im Freien kaum auszuhalten. Der Hoover Dam liegt 50 km südöstlich von Las Vegas exakt auf der Grenze zwischen Nevada und Arizona. Ohne den Hoover Dam und dem dadurch zum Stausee Lake Mead aufgestauten Colorado wäre das 1905 gegründete Las Vegas niemals zu der Metropole geworden, welches es heute ist. Der Betonboden vor dem Besucherzentrum reflektiert die Hitze so stark, dass wir uns wie Grillhähnchen fühlen. Wir tun es den zahlreichen anderen Touristen gleich und retten uns ins Restaurant, doch dort ist es so voll, dass wir gleich wieder gehen. Tahoe, wirf schon mal die Klimaanlage an!

Auf der Rückfahrt nach Las Vegas ziehen urplötzlich dicke schwarze Wolken auf und binnen Minuten schüttet es wie aus Eimern. Wir öffnen die Fenster und lassen uns den kühlen Regen in die Gesichter prasseln. Die Temperatur fällt innerhalb kürzester Zeit von über 40°C auf knapp über 20°C. Nach nicht mal zehn Minuten hört es auf zu regnen und nach 15 Minuten hat es schon wieder über 40°C – Wahnsinn! Am Nachmittag checken wir im MGM ein, das Zimmer besteht aus zwei Räumen mit großem Bett, Sofa, einer Abstellkammer und einem großen marmorierten Bad mit zwei Waschbecken und Whirlpool. Wir fühlen uns sofort wohl, hier lässt es sich aushalten. Nach einer ausgiebigen Runde über den Strip kommen wir gegen 22 Uhr wieder zurück und erleben eine böse Überraschung.

Eingeschlafen im Whirlpool

Als ich barfuß aus dem Bad laufe und am Bett ankomme, habe ich plötzlich nasse Füße. Hä? Wie kann das sein? Hier liegt doch überall Teppich. Uns fällt auf, dass der Boden vor der Abstellkammer nass ist. Was zum Geier? Wir riechen daran – es muss normales Wasser sein. Aber wie kommt es hierhin? Beim Einchecken hatten wir Michelle’s Koffer in die Kammer gestellt; da wäre uns doch aufgefallen, wenn der Boden nass gewesen wäre. Wir öffnen die Kammer und bekommen große Augen. Michelle’s Koffer ist auch nass. Und zwar komplett, total durchgeweicht. Sämtliche Klamotten und ihr Reisetagebuch sind nass. Was zum Henker geht hier vor sich? Beim Blick nach oben sehen wir, dass die Decke und die Wand ebenfalls nass sind und vom Türrahmen das Wasser nach unten tropft. Rohrbruch? So ein Mist. Gar nicht auszumalen, was mit der Fotoausrüstung passiert wäre, wenn sie auch in der Kammer gewesen wäre!

Wir rufen die Rezeption an und erläutern unser Problem. Einige Minuten später kommt ein Haustechniker und erklärt uns, dass die Dame im Zimmer über uns wohl im Whirlpool eingeschlafen ist und dabei das Wasser laufen lassen hat. Aha? Das gibt’s doch wohl nicht. Tja, so ist das nun, meint er, und zieht von dannen. Tickt der noch ganz richtig? Weitere Minuten verstreichen. Wie sollen wir das ganze Zeug bis Morgen trocken bekommen? Wieder klingelt es an unserer Tür und eine Dame tritt ein. Customer Service Manager Lead Principal Architect oder so sei sie. Amerikaner sind bei sowas ja kreativ. Auf jeden Fall ist sie äußerst freundlich, nett und sehr hilfsbereit. Kurzerhand fängt sie an unser Zeug mit Fön und Heizlüfter zu trocknen, merkt aber schnell, dass das so nichts wird. Wir füllen einen Schadensbericht aus und sie telefoniert mit etlichen Personen. Nach einiger Zeit hat sie abgecheckt, dass unsere Klamotten außerplanmäßig zur Reinigung kommen und bis morgen früh fertig sind. Zusätzlich dürfen wir umsonst am Buffet essen und bekommen ein neues Zimmer.

Damit geben wir uns zufrieden und lassen unseren gesamten Krempel vom Personal ins andere Zimmer umziehen. Nach dem ganzen Stress haben wir uns ein Bad im Whirlpool verdient! 

  • Endlose Straße in Nevada

    Endlose Straße in Nevada

  • Ein alter Waggon der Union Pacific

    Ein alter Waggon der Union Pacific

  • Union Pacific

    Union Pacific

  • Am Planet Hollywood

    Am Planet Hollywood

  • Im Planet Hollywood

    Im Planet Hollywood

  • Auf dem Strip

    Auf dem Strip

  • Eiffel Tower in Las Vegas

    Eiffel Tower in Las Vegas
    Nevada, USA

  • Im Bellagio

    Im Bellagio
    Las Vegas

  • Jetzt wird gezockt

    Jetzt wird gezockt

  • Im Caesars Palace oder Bellagio

    Im Caesars Palace oder Bellagio
    Las Vegas

  • Das ist jetzt aber das Bellagio

    Das ist jetzt aber das Bellagio

  • Blumen im Bellagio

    Blumen im Bellagio
    Las Vegas

  • Wir auf dem Stratosphere Tower

    Wir auf dem Stratosphere Tower

  • Der Strip von oben

    Der Strip von oben
    Las Vegas

  • Ein buntes Meer aus Lichtern...

    Ein buntes Meer aus Lichtern…
    Las Vegas

  • ...bis zum Horizont

    …bis zum Horizont

  • Die Shops am Caesars Palace

    Die Shops am Caesars Palace

  • The Mirage

    The Mirage
    Las Vegas

  • Bald machen wir schlapp

    Bald machen wir schlapp

  • Unten plätschert der Colorado raus

    Unten plätschert der Colorado raus
    Hoover Dam

  • Hoover Dam

    Hoover Dam

  • Hoover Dam

    Hoover Dam

  • Patrik springt nach Nevada

    Patrik springt nach Nevada

  • Hoover Dam

    Hoover Dam

  • Tolles Zimmer im MGM

    Tolles Zimmer im MGM

  • Tolles Zimmer im MGM

    Tolles Zimmer im MGM

Valley of Fire, das Tal der Superlative Malen nach Zahlen im echten Leben

     Um 10 Uhr am nächsten Morgen klingelt es an unserer Tür und man überreicht uns unsere Klamotten aus der Reinigung. Am Buffet schlagen wir uns den Bauch voll und lassen den Sündenmoloch Las Vegas hinter uns. In nördlicher Richtung vorbei an der Nellis Air Force Base verlassen wir die Stadt und fahren 90 km zum Valley of Fire State Park. Seinen Namen bekam das Tal des Feuers durch seine roten Sandsteinformationen, welche vor rund 150 Millionen Jahres im Zeitalter der Dinosaurier durch riesige Wanderdünen geformt wurden. Letztes Jahr war ich schon einmal hier und war überwältigt von der Schönheit der Gegend. Wenn ich genau darüber nachdenke, ist das Valley of Fire einer der schönsten Orte, die ich bis jetzt besucht habe. Deshalb war klar, dass wir auch dieses Jahr hinfahren, diesmal allerdings mit einer Übernachtung auf dem Campingplatz. Petrus ist uns erneut wohlgesinnt, das Wetter ist absolut fantastisch. Die Sonne scheint und dicke voluminöse Kumuluswolken schweben am Himmel – ideales Fotowetter.

Wie aus dem Bilderbuch

Nachdem wir die $10 Gebühr entrichtet haben fahren wir gleich zum Campingplatz Atlatl Rock und bauen unser Zelt auf, denn die Plätze hier kann man nicht reservieren. Anschließend machen wir uns auf zum Valley Drive und halten am Parkplatz Mouse’s Tank, von wo aus wir eine kleine Runde auf einem Wanderweg drehen. Die zerklüfteten Sandsteinfelsen erstrahlen in den unterschiedlichsten Farben und Farbtönen. Rot, Braun, Gelb, Ocker, Rosa, Violett, Orange und viele mehr wechseln sich in verschiedenen Schichten ab und dazwischen wachsen Büsche und Kakteen und tragen ihren Teil zur Farbenpracht bei. Ja, es ist definitiv ein außergewöhnlicher Ort. Überhaupt ist es nahezu unheimlich was der Südwesten der USA alles zu bieten hat. Als hätte sich das Universum gedacht: So, hier klatschen wir jetzt mal alles hin, was die Natur zu bieten hat.

Da wir uns gar nicht satt sehen können verlieren wir total die Zeit aus den Augen. Zum Sonnenuntergang möchten wir eigentlich an der Fire Wave sein, einer fotogenen „Welle“ im Fels mit Streifen aus rotem und weißem Gestein. Um 18:40 Uhr parken wir am Parkplatz der Fire Wave. Die Sonne steht schon bedrohlich tief, das wird eng. Vor lauter Aufregung verliere ich den Weg aus den Augen und laufe über große Felsplatten in die Richtung, die ich von letztes Jahr noch in Erinnerung habe. Plötzlich sehe ich die Wave in einiger Entfernung, doch sie liegt schon im Schatten – Mist. Als ich ankomme und mit dem Stativ herumhantiere fällt mir nach dem ersten Foto auf, dass das eigentlich gar nicht so schlecht ist. Wenige Minuten nach Sonnenuntergang kommen die Farben der Fire Wave erst richtig zur Geltung. Voriges Jahr war ich zur Mittagszeit da, zu der natürlich alles etwas „überstrahlt“ ist, da man durch die am Zenit stehende Sonne die feinen Konturen des Felsens nicht mehr erkennen kann.

Zufrieden laufe ich zurück zum Auto und wir fahren zurück zu unserem Campground. Als wir ankommen ist es schon so gut wie dunkel – gut, dass unser Zelt schon steht. Abendessen gibt’s mal wieder vom Gaskocher. Das Kochen gestaltet sich schwierig, denn es ist windig und unser winziger Kocher braucht ewig, um das Wasser zu erhitzen.

Toiletten-Skorpion 

Nachdem wir unseren Lebensmittelkarton zum Windschutz umgebaut haben geht es schneller und es gibt Abendessen im Schein der Moskitokerze. Bei immer noch knapp 30°C weht uns der warme Wüstenwind die Schreie der Krähen aus dem Gebirge entgegen. Eine tolle Atmosphäre. Das Valley of Fire ist einfach toll. Als Michelle gegen Mitternacht halb verschlafen ohne Brille auf die Toilette geht kommt sie zurück und weckt mich. Irgendwas würde über der Frauentoilette an der Decke hängen, ein Skorpion, glaubt sie. „Klaaaaaaar“, sage ich und wir laufen zusammen noch mal hin. Tatsächlich hängt doch da ein Skorpion kopfüber an der Decke des Dusch- und Toilettenhäuschens! Wie kommt der denn da hoch? Wir vermuten, dass ihn die herumfliegenden Fledermäuse da oben abgesetzt haben, warum auch immer. Irgendwie gefährlich sieht das Vieh schon aus. Haben wir eigentlich unser Zelt geschlossen? Im Stechschritt geht es zurück zum Zelt, welches erstmal gründlich mit der Taschenlampe inspiziert wird. „Sector clear„, wir können weiterschlafen.

Am nächsten Morgen sind wir wieder früh wach, denn wir möchten das morgendliche Licht nutzen und eine Runde bei den White Domes wandern. Der White Domes Trail startet am Ende des Valley Drive und führt in einem Loop ca. 1,25 Meilen durch die typische bunte und zerklüftete Landschaft des Valley of Fire. Zuvor fotografiere ich nochmal die Rainbow Vista, ein äußerst hübscher Teil der Straße, die sich hier durch Senken und über sanfte Hügel durch die Landschaft schlängelt (siehe Foto unten). Der Unterschied zum Foto von vorigem Jahr, welches ich zur Mittagszeit gemacht hatte, ist schon enorm.

Der White Domes Trail führt zunächst durch ein ziemlich sandiges Stück und dann durch felsiges Gelände bergab. Es geht vorbei an erstaunlich farbenfrohen Felsen, einem absoluten Paradies für einen Fotografen. Alle paar Meter bieten sich einem unzählige neue Fotomotive. Vor lauter Fotografieren kommen wir kaum voran. Nach dem Hinunterklettern läuft man vorbei an einigen Überresten einer Filmkulisse des Westerns „The Professionals“, welcher hier 1965 gedreht wurde. Danach knickt der Trail nach rechts ab und führt durch ein steiniges ausgetrocknetes Flussbett in einen engen Slot Canyon. Je weiter wir dem Flussbett folgen, desto weniger ausgetrocknet ist es. Anfangs können wir die Pfützen noch umgehen, einige Meter weiter geht ohne Schwimmen allerdings nichts mehr. Da wir darauf keine Lust haben drehen wir um und klettern wieder hoch zum Parkplatz.

Zurück auf dem Valley of Fire Highway biegen wir links ab und halten noch am Elephant Rock, einem Felsen, welcher original wie ein Elefant aussieht – verrückt. Auf diesem Highway würde übrigens auch ein Teil des Films Transformers 1 gedreht. Optimus Prime und seine Kumpane fahren hier in westlicher Richtung über die Kuppe am Elephant Rock ins Valley of Fire. Wenn man im Film genau hinsieht, erkennt man auch den Kopf und Rüssel des Elefanten. Anschließend treffen wir auf den Highway 169 und biegen links ab, fahren durch das triste Moapa Valley und stoßen schließlich wieder auf die Interstate 15, welche uns nach Utah führen wird – meinem Lieblingsstaat.

  • Frisch aus der Reinigung

    Frisch aus der Reinigung

  • Zelten in toller Umgebung

    Zelten in toller Umgebung

  • Der Tahoe läuft 1A

    Der Tahoe läuft 1A

  • Erste Ausläufer des Valley of Fire

    Erste Ausläufer des Valley of Fire

  • Landschaft im Valley of Fire

    Landschaft im Valley of Fire

  • Valley of Fire

    Valley of Fire

  • Valley of Fire

    Valley of Fire

  • Tolle Farben und Formen

    Tolle Farben und Formen
    Valley of Fire

  • Geröll auf einem Felsen

    Geröll auf einem Felsen
    Valley of Fire

  • Was für eine herrliche Landschaft

    Was für eine herrliche Landschaft
    Valley of Fire

  • Gibraltar Rock

    Gibraltar Rock
    Valley of Fire

  • Fire Wave

    Fire Wave
    Valley of Fire, Nevada

  • Fire Wave

    Fire Wave
    Valley of Fire, Nevada

  • Fire Wave

    Fire Wave
    Valley of Fire, Nevada

  • Valley of Fire

    Valley of Fire

  • Valley of Fire

    Valley of Fire

  • Valley of Fire

    Valley of Fire

  • Skorpion am Dach

    Skorpion am Dach

  • Rainbow Vista

    Rainbow Vista
    Valley of Fire, Nevada

  • Auf dem White Domes Trail

    Auf dem White Domes Trail

  • Valley of Fire

    Valley of Fire

  • Valley of Fire

    Valley of Fire

  • Valley of Fire

    Valley of Fire

  • Valley of Fire

    Valley of Fire

  • Valley of Fire

    Valley of Fire

  • Hier ist Schluss

    Hier ist Schluss

  • Valley of Fire

    Valley of Fire

  • Valley of Fire

    Valley of Fire

  • Valley of Fire

    Valley of Fire

  • Wer kennt noch Scream? ;-)

    Wer kennt noch Scream? ;-)

  • Patrik am Rüssel des Elefanten

    Patrik am Rüssel des Elefanten

Traumhaftes Utah Escalante und sein Teufelsgarten

     Heute steht ein Fahrtag an, denn wir haben rund 300 Meilen (~ 500 km) vor uns. Nach dem 15.000 Einwohner zählenden Mesquite verlassen wir Nevada und passieren die Grenze nach Arizona, durch das uns die Interstate 15 nun ein kurzes Stück führen wird. Kurz vor St. George heißt uns das große „Welcome to Utah“-Schild in Utah willkommen. Aaaaaaaaaaah. Utah. Jawoll. Erstmal durchatmen. Ich bin zuhause. Nach St. George verlassen wir die Interstate und folgen dem Highway 9 bis zum Zion Nationalpark. Der soll zwar auch ganz schön sein, aber irgendwie bleibt er bei uns immer links liegen. Man muss sich ja auch noch was für ein andermal aufheben und so, ihr wisst schon. Die Straße durch den Zion Nationalpark ist wunderschön und bietet wie für Utah typisch gigantische rote Felsen und tiefe Schluchten. Komischerweise haben wir auf der ganzen Strecke kein einziges Foto gemacht, was für uns irgendwie untypisch ist. Nicht dass uns irgendwelche Fotos verloren gegangen sind?

Nach dem Zion Nationalpark folgen wir dem Highway 89 ein kurzes Stück und biegen dann rechts ab auf den Highway 12, jetzt geht’s in die Pampa. Wie schon letztes Jahr halte ich an einem winzigen Nest, in dem etliche schrottreife Oldtimer stehen, um ein paar Fotos zu machen. Und wieder vergesse ich mir aufzuschreiben, wo das denn jetzt wieder war. Man lernt halt nichts dazu. Den Bryce Canyon Nationalpark lassen wir rechts liegen (ich war letztes Jahr schon da) und sehen kurze Zeit später die ersten für Utah so typischen weiß- und rotbraunen Tafelberge. Ich liebe diese Landschaft, es wird einfach nie langweilig. Vor einigen Stunden waren wir noch in der ausgedörrten Wüste Nevada’s und jetzt sind wir auf über 2.000 Metern und fahren vorbei an saftiggrünen Wiesen und Nadelwäldern. Diese Abwechslung macht den Südwesten der USA zu etwas ganz besonderem.

Von Teufeln, Fingern und Reibemühlen

Gegen 17 Uhr treffen wir in Escalante ein, einem 800-Seelen-Kaff mitten in Süd-Utah. Wir checken für $17 pro Nacht auf dem Campingplatz ein und fragen den Rezeptionist, wie man am besten zum Devil’s Garden kommt, unserem heutigen Sonnenuntergangsplätzchen. Er erklärt uns den Weg und drückt mir einen kleinen Flyer über Escalante in die Hand. Beim Durchblättern fallen mir fast die Augen aus dem Kopf. Das gibt’s doch nicht. Alleine im Umkreis von Escalante gibt es so vieles zu tun, dass man locker eine Woche hier verbringen könnte. Slot Canyons, Hoodoos (dünne Felsnadeln), Wasserfälle, Arches, Waves, etc. etc. Im Zelt aufbauen sind wir mittlerweile fit und unser Schlafgemach steht in wenigen Minuten. Eine halbe Stunde später sind wir auf dem Weg zum Devils Garden, leider ziehen mittlerweile dicke Wolken auf.

Der Devil’s Garden ist ein kleines Gebiet, in welchem unzählige große „Figuren“ aus Sandstein stehen. Diese stehen einfach so in der Gegend herum, als hätte sich ein verrückt gewordener Bildhauer hier ordentlich ausgetobt. Wahnsinn, was die Natur für Wunderwerke vollbringen kann. Wie gemeine Teufel sehen die meisten zwar nicht aus, einige könnten aber als kleine Zauberer durchgehen. Die Gegend ist einfach der Wahnsinn, wir sind aus dem Häuschen. Rund zehn Leute sind außer uns noch da. Das geht gerade noch, trotzdem rennt uns öfters mal jemand durchs Bild. Eine Amerikanerin meint zu uns, dass dieses Gebiet doch absolut fantastisch sei, oder? Wir hören uns nicht nein sagen.

Mittlerweile ist der Himmel total zugezogen und die Sonne schaut nur alle paar Minuten für wenige Sekunden aus der dichten Wolkendecke heraus. Das macht das Fotografieren zur Geduldsprobe. Als wir eben denken das dass wohl nichts mehr wird, reißen die Wolken auf und die Sonne strahlt mit voller Kraft auf die Felsen. Wow! Sorry, aber: GEIL! Kein anderes Wort beschreibt das, was wir nun zu Gesicht bekommen, besser. Die Felsen leuchten jetzt in den tollsten Farben.

Die „Golden Hour“ hat begonnen! Gold, Orange, Rot, tiefe Schatten, dicke graue Wolken und weiße Kumuluswolken im Hintergrund. Besser kann es sich ein Fotograf nicht wünschen! In meinem Kopf macht es klick und ich bin nicht mehr zu halten. Wie ein aufgescheuchtes Huhn renne ich hin und her um jede Sekunde des perfekten Lichtes auszunutzen. Am Metate Arch (metate: indianische Reibemühle) wird es noch besser. Die grauen Regenwolken hängen direkt über dem Felsbogen, der Bogen selbst wird aber von der Sonne angestrahlt. Genial! Was für ein unglaubliches Glück wir haben, toll!

Bunte Felsmurmeln: Moqui Marbles

Nach einer ruhigen Nacht sind wir wieder früh unterwegs. Als erster Programmpunkt steht heute der sogenannte Moqui Hill an. Auf diesem Hügel liegen hunderte ca. 3-8 cm großer mit einer Eisenschicht umhüllter runder Steine. Hört sich total spannend an, oder? Solange die Steine noch geschlossen sind, reißen sie einen tatsächlich nicht vom Hocker. Viele sind allerdings aufgebrochen und offenbaren dann ihr von Schichten unterschiedlicher Farbe umhülltes sandiges Inneres. Wie der Sand da reinkommt? Keine Ahnung. Klingt komisch, ist aber so. Immer noch langweilig? Ach schaut euch einfach die Fotos an, wie soll man das sonst erklären…

Der Moqui Hill liegt ca. 10 Meilen östlich von Escalante und wir finden ihn nur mithilfe einer Anleitung aus dem Internet, denn er ist nicht ausgeschildert. Auf einer Schotterstraße fahren wir bis zur beschriebenen Stelle und parken unseren Tahoe am Wegesrand. Nun geht’s nur noch zu Fuß weiter. Auf einem Foto erkennen wir vage einige markante Stellen im Gelände, an denen man sich orientieren soll. Querfeldein laufen wir durch die Prairie. Mal über Sand, mal über Fels, dann wieder durch dichtes Buschwerk. Die Anleitung hat keine weiteren Tipps parat und ein Fels voller Steinmurmeln ist auch nicht in Sicht. Wo ist denn nun dieser komische Hügel? Michelle wird schon skeptisch, doch kurz vor dem Ziel umdrehen ist ein No-Go. Nach weiteren 20 Minuten stoßen wir endlich auf die ersten Murmeln. Es liegen so viele davon herum, dass man gar nicht weiß wo man anfangen soll. Auch die Kugeln haben die typischen Farben der Gegend, teilweise sogar in mehreren Schichten unterschiedlicher Farben – verrückt. Benannt wurden sie übrigens nach den Moqui-Indianern, die früher die Gegend hier besiedelten und die Steine als Wurfgeschosse und Spielzeug verwendeten. So, Fotos angesehen? Immer noch doofe Steine? Na, dann weiß ich auch nicht…

Leider haben wir nicht mehr Zeit für Escalante, nächstes mal wird für die Gegend definitiv mehr eingeplant. Unser heutiges Etappenziel ist der Arches Nationalpark, bis dahin sind es noch 215 Meilen (~ 350 km). Ein Katzensprung für den Südwesten der USA. Wenn man früh aufsteht, was wir ja sowieso immer tun, fährt man solche Strecken hier quasi vor dem Frühstück. Nach dem Highway 12 treffen wir auf den Highway 24, welcher direkt am Goblin Valley State Park vorbeiführt. Der ist auch wieder so ein Phänomen, wie sie in dieser Gegend hier gewissermaßen am Straßenrand liegen. Das kleine Tal beherbergt unzählige Felsformationen ähnlich derer im Devil’s Garden. Nur das diese hier wirklich aussehen wie kleine Gnome mit Mützen auf dem Kopf, leider sind sie aber alle einfarbig. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Da wir sowieso dran vorbeifahren machen wir einen kleinen Abstecher in den Park, welcher allerdings durch dicke Wolken und leichten Regen zu einem abrupten Ende kommt. Ohne Sonne werden die Fotos nichts, somit machen wir uns zeitig wieder auf den Weg, um nicht zu spät im Arches Nationalpark anzukommen. Dort steht nämlich Utah’s Wahrzeichen – der Delicate Arch! Schon wieder das nächste Wunder ;-)

  • Schrottreifer Oldtimer

    Schrottreifer Oldtimer
    Utah

  • Schrottreifer Oldtimer

    Schrottreifer Oldtimer
    Utah

  • Das ist Utah!

    Das ist Utah!

  • Devils Garden

    Devils Garden
    Escalante, Utah

  • Devils Garden

    Devils Garden
    Escalante, Utah

  • Devils Garden

    Devils Garden
    Escalante, Utah

  • Devils Garden

    Devils Garden
    Escalante, Utah

  • Der Zauberer

    Der Zauberer
    Escalante, Utah

  • Devils Garden

    Devils Garden
    Escalante, Utah

  • Sowas gibt's nur in Utah!

    Sowas gibt's nur in Utah!

  • Metate Arch

    Metate Arch
    Escalante, Utah

  • Metate Arch

    Metate Arch
    Escalante, Utah

  • Metate Arch

    Metate Arch
    Escalante, Utah

  • Finger Rock

    Finger Rock
    Escalante, Utah

  • Finger Rock

    Finger Rock
    Escalante, Utah

  • Wolken im Abendlicht

    Wolken im Abendlicht

  • Wolken im Abendlicht

    Wolken im Abendlicht

  • Devils Garden · Escalante, Utah

    Devils Garden · Escalante, Utah

  • Panorama bei Escalante

    Panorama bei Escalante

  • Moqui Marbles

    Moqui Marbles
    Escalante, Utah

  • Moqui Marbles

    Moqui Marbles
    Escalante, Utah

  • Moqui Marbles

    Moqui Marbles
    Escalante, Utah

  • Moqui Marbles

    Moqui Marbles
    Escalante, Utah

  • Moqui Marbles

    Moqui Marbles
    Escalante, Utah

  • Moqui Marbles

    Moqui Marbles
    Escalante, Utah

  • Moqui Marbles

    Moqui Marbles
    Escalante, Utah

  • Moqui Marbles

    Moqui Marbles
    Escalante, Utah

  • Moqui Marbles

    Moqui Marbles
    Escalante, Utah

  • Landschaft bei den Marbles

    Landschaft bei den Marbles
    Escalante, Utah

  • Spectacular Utah!

    Spectacular Utah!

  • Spectacular Utah!

    Spectacular Utah!

  • Panorama im Grand Staircase

    Panorama im Grand Staircase
    Grand Staircase Escalante

  • Rote Felsen soweit das Auge reicht

    Rote Felsen soweit das Auge reicht

  • Flimmernde Straße

    Flimmernde Straße
    …sieht aus wie gemalt

  • Michelle im Goblin Valley

    Michelle im Goblin Valley

  • Goblin Valley State Park

    Goblin Valley State Park

  • Karte lesen bei Wind (1)

    Karte lesen bei Wind (1)

  • Karte lesen bei Wind (2)

    Karte lesen bei Wind (2)

  • Karte lesen bei Wind (3) ;-)

    Karte lesen bei Wind (3) ;-)

  • So groß sind die Goblins

    So groß sind die Goblins

  • Goblin Valley State Park

    Goblin Valley State Park

Blitz, Donner und ein leerer Tank im Arches Nationalpark Erlebnis Delicate Arch: Warum ich reise

     Der Arches Nationalpark beherbergt die weltweite höchste Konzentration an natürlichen Steinbögen (engl. arches). Über 2.000 mit einer Mindestgröße von 90 cm wurden schon nachgewiesen. Während diese winzigen Bögen recht unspektakulär sind, gibt es natürlich auch weitaus größere. Am bekanntesten ist wohl der Delicate Arch, welcher zwar nicht der größte ist, jedoch an einer außergewöhnlich exponierten Stelle steht. Die Felsbögen entstehen durch Erosion, die natürlich ständig andauert und der irgendwann jeder Bogen zum Opfer fallen wird. Was der Staat Utah wohl tun wird, wenn der Delicate Arch einmal einstürzt?

Kurz nach 16 Uhr kommen wir im Arches Nationalpark an und beziehen erstmal unsere Campsite auf dem Devils Garden Campground. Ja, hier gibt’s auch einen Devils Garden, verwirrend, nicht? Den Campingplatz haben wir ebenfalls schon einige Monate zuvor reserviert. Werktags war der Andrang hier nicht so groß wie im Yosemite Nationalpark, am Wochenende war jedoch fast alles ausgebucht. Der Devils Garden Campground liegt wunderschön zwischen großen roten Felsen, es gibt Tische und Grillstellen und einige große Büsche, die Schatten spenden. Nach dem Zeltaufbau fahren wir 15 km zum Delicate Arch Viewpoint. An diesem Aussichtspunkt sieht man den Bogen aus einiger Entfernung vom Boden aus. Hochwandern kann man auch, das ist für morgen zum Sonnenaufgang geplant.

Das Wetter ist heute ziemlich durchwachsen, doch die Sonne schaut ab und zu mal heraus. Von hier unten sieht der delikate Bogen schon recht beeindruckend aus, ich bin gespannt wie es morgen sein wird. Am Horizont ist mittlerweile eine bedrohliche schwarzgraue Gewitterfront aufgezogen. Die Wand kommt genau auf uns zugerollt. Als der erste gewaltige Donnerschlag losbricht zuckt die Touristenmenge zusammen. Spätestens jetzt wird es Zeit sich auf den Rückweg zu machen, denn alle paar Sekunden blitzt es in der Wolke. Da die Sonne gerade nochmal herausschaut und den Bogen anstrahlt stauben wir noch schnell die letzten Fotos ab und spurten zurück zum Auto. Keine Sekunde zu früh, denn 100 Meter vor dem Auto fängt es an wie aus Eimern zu schütten. Es herrscht absolute Weltuntergangsstimmung. Wolkenbruch, schwarze Wolken, Donner, Blitze. „Cool“, sage ich und mein erster Gedanke ist: Blitze fotografieren. Doch wie? Keine Chance bei dem Regen. Wir filmen die Regenfront und ein paar Blitze und nach 10 Minuten ist der Spuk auch schon vorbei. Zurück auf dem Campingplatz gibt es mal wieder Standardkost und dann geht’s ab in die Heia.

Aufstieg in der Dunkelheit

Da die Sonne um 7 Uhr aufgeht und man ca. 2,5 km bergauf zum Arch wandern muss klingelt der Wecker um fünf Uhr. Bei Michelle hält sich die Motivation in Grenzen und ich lasse sie weiterschlafen. In völliger Dunkelheit fahre ich zur Wolfe Ranch, wo der Wanderweg startet, und stelle den Tahoe ab. Einige Autos sind schon da, ich bin also nicht der einzige. Kurzer Check: Wasser, Kamera, Frühstück, alles dabei. Mit Taschenlampe bewaffnet mache ich mich auf den Weg. Keine Ahnung wo die anderen alle sind, aber hier ist kein Mensch unterwegs. Es ist mucksmäuschenstill, rabenschwarz und es geht kein Lüftchen. Unheimlich würden manche sagen, ich finde es toll. Eine irre Atmosphäre. Das einzige Geräusch kommt von meinen knirschenden Schuhen.

Nach ca. 20 Minuten kommen mir zwei Leute entgegen. „Morning„, brummen wir uns zu. Während ich noch darüber nachdenke, wieso die beiden um diese Zeit von oben nach unten laufen sind sie auch schon wieder weg. Anschließend geht es steil bergauf und dann über einen großen Felsen, auf dem ich die Wegmarkierungen kaum erkennen kann. Ein bisschen mehr Licht wäre so langsam nicht schlecht. Als es langsam anfängt zu dämmern gibt es plötzlich keine Markierungen mehr, jedoch sieht man immer wieder Schuhabdrücke im Sand. Ich folge den Spuren, die dann, wie sollte es auch anders kommen, auf einmal aufhören. Kein Felsbogen in Sicht, vor mir eine steile Wand. So ein Mist, wo ist denn der Weg? Meine Orientierung ist normalerweise recht gut, aber diese Spuren im Sand haben mich total aus dem Konzept gebracht. Was nun? Zurück und den Weg suchen?

Irgendwie querfeldein in die Richtung klettern, in der ich den Arch vermute? Meine Entscheidung fällt auf zweites. Ich laufe ein Stück zurück und suche eine Weg um die Wand herum. Das gelingt mir schließlich und ich finde mich auf einem großen Felsplateau wieder. Als ich um die nächste Biegung laufe erspähe ich den Delicate Arch auf der anderen Seite eines riesigen Abgrunds. Mir bleibt also nichts anderes übrig als links die Felswand hoch zu steigen. Nach einer Klettereinlage bin ich endlich oben. Mittlerweile ist es hell, die Sonne aber noch unterm Horizont. Ein Amerikaner kommt auf mich zu. „You chose the hard way to get up here, eh?“ Irgendwo hätte ich den Weg verloren, antworte ich, und er meint, dass dieser wohl noch weiter hinter dem großen Felsen herumführt. Na ja, wie auch immer, ich bin da.

Reisen als Lebenseinstellung

Da zwischen der Sonne und dem Delicate Arch ein hoher Felsen aufragt dauert es noch eine gute Weile, bis die ersten Strahlen auf den Schopf des Felsbogens treffen. Das sieht dann zwar ganz nett aus, trotzdem hatte ich mir mehr davon erhofft. Eine Weile fotografiere ich den Arch aus allen erdenklichen Winkeln, bin aber nicht richtig zufrieden. Egal, die Fotos sind nicht alles. Ich setze mich und genieße den Augenblick. Oft vergisst man das, wenn man ständig auf der Jagd nach dem perfekten Foto ist. Einfach mal durchatmen und den Blick über die sensationelle Landschaft schweifen lassen. Die wenigen Menschen, die außer mir noch da sind, genießen ebenfalls die Atmosphäre und es ist wieder mucksmäuschenstill. Die Stimmung, die Uhrzeit und der einzigartige Ort, an welchem wir uns befinden verbindet uns in stiller Übereinkunft zu einer harmonischen Einheit. Diese Momente machen für mich einen großen Teil des Reisen aus. Wann immer es mir im Alltag einmal schlecht geht erinnere ich mich an diese großartigen Momente und die Gefühle, welche ich in diesem Moment empfunden habe, kommen tief aus meinem Inneren wieder in mein Bewusstsein zurück. Das ist unbezahlbar und durch nichts zu ersetzen. Dafür reise ich, dafür lebe ich. Bis zum Ende aller Tage.

Die Landschaft ist großartig, der Arch fantastisch, alles ist gut. Wie als eine Art Belohnung für meine Geduld ziehen jetzt weiße Wolken über den Bogen hinweg und mir gelingen doch noch ein paar gute Fotos. Felsenziesel, kleine Nager aus der Familie der Hörnchen, huschen auf den Felsen hin und her. Mit einem Affentempo springen sie senkrechte Felsen hinauf und rennen auf der anderen Seite wieder hinunter. Um halb 8 mache ich mich an den Abstieg, diesmal auf dem richtigen Weg. Hinunter geht es schnell und mir kommen jetzt schon deutlich mehr Menschen entgegen. Am Auto angekommen fällt mir auf, dass der Tank schon seit heute morgen auf Reserve steht. Zum Donnerwetter, wir hätten doch schon vor dem Park tanken sollen. Bis zum Campingplatz geht es 15 km bergauf und von dort sind es auch noch knapp 40 km bis zur nächsten Tankstelle in Moab. Reicht das? Vielleicht, aber wahrscheinlich nicht. Was soll ich jetzt machen? Michelle kann ich nicht Bescheid geben, da wir nur ein Handy dabei haben. Wenn ich jetzt tanken fahre macht sie sich bestimmt Sorgen. Ich muss tanken, es geht nicht anders. Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch fahre ich Richtung Moab. 30 km, zum Glück meistens bergab. Nach 10 km ist die Tankanzeige am untersten Anschlag. Bitte, bitte Tahoe, mach‘ jetzt nicht schlapp!

Mit feinstem Finger- bzw. Fußspitzengefühl gebe ich sowenig wie möglich Gas und erreiche mit dem letzten Tropfen Sprit die Tankstelle. Puh, das war knapp. Einmal volltanken bitte und dann geht’s wieder hoch zum Campingplatz. Der ganze Stress umsonst, denn Michelle pennt noch. Mittlerweile ist es schon 10 Uhr und wir überlegen ob wir noch eine Nacht dranhängen sollen, zufällig wäre nämlich eine andere Campsite frei. Schließlich entscheiden wir uns dagegen, da es sonst zeitlich zu eng wird. In der Mittagshitze laufen wir noch den Wanderweg um zwei besonders große Felsbögen, dem North Window und South Window. In Moab füllen wir noch unsere Lebensmittelvorräte auf, folgen dann dem Highway 191 in südlicher Richtung und biegen in Monticello links auf den Highway 491 ab. Dieser wird uns zum Mesa Verde Nationalpark führen, von dem wir quasi nichts wissen. Wir sind gespannt! 

  • Devils Garden Campground

    Devils Garden Campground

  • Die Gewitterfront naht!

    Die Gewitterfront naht!
    Arches Nationalpark, Utah

  • Delicate Arch

    Delicate Arch
    Arches Nationalpark, Utah

  • Die Gewitterfront naht!

    Die Gewitterfront naht!

  • Die Welt geht unter

    Die Welt geht unter

  • Uaaahh wie schön :-)

    Uaaahh wie schön :-)

  • Jetzt mal mit Blitz

    Jetzt mal mit Blitz

  • Startrails-Versuch

    Startrails-Versuch
    Arches Nationalpark, Utah

  • Delicate Arch

    Delicate Arch
    Arches Nationalpark, Utah

  • Delicate Arch

    Delicate Arch
    Arches Nationalpark, Utah

  • Felsenziesel am Delicate Arch

    Felsenziesel am Delicate Arch
    Arches Nationalpark, Utah

  • Landschaft hinter dem Delicate Arch

    Landschaft hinter dem Delicate Arch

  • Delicate Arch

    Delicate Arch
    Arches Nationalpark, Utah

  • Auf dem Wanderweg

    Auf dem Wanderweg

  • Auf dem Wanderweg

    Auf dem Wanderweg

  • Landschaft im Arches Nationalpark

    Landschaft im Arches Nationalpark

  • Landschaft im Arches Nationalpark

    Landschaft im Arches Nationalpark

  • Landschaft im Arches Nationalpark

    Landschaft im Arches Nationalpark

  • Mmh lecker Instantnudeln

    Mmh lecker Instantnudeln

Mesa Verde Nationalpark Ein grüner Tafelberg, Anasazi-Indianer und giftige Pflanzen

     Ein gutes Stück hinter Monticello verlassen wir Utah und überqueren die Grenze nach Colorado. Die weitere Fahrt ist recht unspektakulär. Als es anfängt zu regnen halten wir an einem Roadhouse um uns einen Kaffee und etwas zum Essen zu holen. Während man die Amerikaner an der Westküste meistens sehr gut versteht scheinen wir mit der Fahrt nach Colorado eine Art Akzentgrenze passiert zu haben, denn wir stehen die Dame mit Cowboyhut quasi gar nicht. Ja, sie arbeitet in einer Tankstelle und trägt einen Cowboyhut. Wahrscheinlich gehört sich das hier so. Zum ersten Mal hören wir den typischen amerikanischen Kaugummi-Akzent. Nach dreimaligem Nachhaken, Cowboy-Girl hält uns wahrscheinlich schon für debil, verstehen wir endlich wie die Kaffeemaschine funktioniert und trotten davon.

Erdhörnchen und fiese Moskitos

45 Minuten später erreichen wir Cortez und kehren in einem der vielen Fastfoodrestaurants ein. Diesmal bei Taco Bell, denn die Tacos sind einfach saulecker! Kann nicht mal jemand eine Franchise in Deutschland aufmachen? Am Parkplatz fällt uns auf, dass auf dem unbebauten Grundstück nebenan dutzende Erdhörnchen aus kleinen Löchern spähen und herumwuseln. Eins der Hörnchen scheint immer der Aufpasser zu sein und stößt spitze Schreie aus, sobald sich eine Gefahr nähert. Grundphilosophie bei Michelle und mir wenn wir irgendwelche Tiere sehen: Fotografieren. Also legen wir uns mit dem Teleobjektiv auf die Lauer. Wir haben fast keine Chance nah genug an die Tiere ranzukommen, denn ab einem bestimmten Abstand verkriechen sie sich sofort. Man benötigt wirklich eine Engelsgeduld.

Da es mittlerweile schon recht spät ist quartieren wir uns auf dem Campingplatz am Abzweig zum Mesa Verde Nationalpark ein. Der Platz ist so gut wie leer, außer uns ist nur noch ein Wohnmobil da. Beim Aufbauen des Zeltes fällt uns auf, dass uns hunderte Moskitos umschwirren, also sprühen wir uns von oben bis unten mit Mückenspray ein. Während wir Kochen und ein Lagerfeuer machen kratze ich mich immer wieder am Rücken ohne genauer darüber nachzudenken. Wieso zur Hölle juckt das so? Michelle schaut nach und sieht, dass ich schon rund 15 Stiche am Rücken habe. Mein tolles Wandershirt ist wohl so atmungsaktiv, dass die Moskitos einfach durchstechen. Das Jucken treibt mich fast in den Wahnsinn und wir verziehen uns ziemlich bald ins Zelt.

Ob Winnetou hier auch mal vorbeikam?

Am nächsten Morgen fahren wir in den Mesa Verde Nationalpark. Mesa Verde, erfahren wir in der Broschüre, welche wir am Eingang erhalten, ist spanisch und bedeutet Grüner Tafelberg. Der Name ist treffend gewählt, denn außer Bäumen gibt es bei der einschläfernden Fahrt durch den Park eigentlich nichts zu sehen. Aber der Park wurde ja auch nicht wegen seiner geographischen Eigenschaften zum Nationalpark, sondern weil er rund 4.000 archäologische Stätten, insbesondere Felsbehausungen der Anasazi-Indianer, schützen soll. Am bekanntesten ist das Spruce Tree House, eine recht gut erhaltene kleine Siedlung im Südosten des Parks, diese möchten wir uns heute ansehen. Nach ca. 50 km geschlängelter Straße durch immer gleiches Grün treffen wir am Parkplatz des Spruce Tree House ein. Nur wenige Autos sind da, es ist warm, aber nicht zu heiß und sehr still. Ein Hinweisschild teilt uns mit, dass man sich vor poison ivy (Giftefeu) in Acht nehmen soll, einer giftige Pflanze, deren Berührung allergische Hautreaktionen und schlimmeres auslösen kann.

Schon von oben kann man die kleine Siedlung erkennen. Wie ein scheues Reh duckt sie sich unter einen großen Felsüberhang, um sich vor der Witterung zu verstecken. Genau zu diesem Zweck haben die Anasazi-Indianer ihre Behausungen meist in natürliche Alkoven gebaut, gleichzeitig waren diese so einfacher zu verteidigen. Die Behausung besteht aus ungefähr 130 Räumen und acht Kivas.

Eine Kiva ist ein Zeremonien- und Versammlungsraum, die halb oder ganz unterirdisch liegen und durch ein Loch im Dach mit einer Leiter betreten werden können. Am Boden befindet sich ein kleines Loch, der Sipapu, das den Eingang zur Unterwelt, bzw. den Weg, durch den die Menschen in diese Welt kamen, symbolisiert. Entdeckt wurde die Siedlung erst im Jahr 1888, als zwei Farmer ihre ausgebüxten Rinder in dieser Gegend suchten. Vor der Siedlung stand ein großer Baum, ein Douglas Spruce, an dem die Farmer anscheinend hinunter zur Siedlung kletterten. Durch den Schutz der überhängenden Klippe ist die Ansiedlung nur sehr langsam verfallen und benötigt kaum Instandsetzungsarbeiten.

Am Spruce Tree House sorgt eine Parkrangerin dafür, dass niemand in den Räumen herumklettert und beantwortet einem sämtliche Fragen, von denen wir einige haben. Anfangs wussten wir nicht wie interessant wir diese paar Ruinen finden würden, nun ist es aber doch recht eindrucksvoll. In einen der Kivas darf man hinunterklettern, das lasse ich mir natürlich nicht entgehen. Die Kiva ist ziemlich eng und die Decke niedrig, die Indianer damals waren ja auch um einiges kleiner. Ansonsten gibt es nicht viel zu sehen, aber hey, jetzt war ich mal in einem indianischen Kiva ;-)

Als wir die Rangerin nach dem Giftefeu fragen erzählt sie uns, dass sie auf einer Kontrolltour durch den Park einmal in die Pflanze hinein gelaufen ist und danach wochenlang krank war und sich kaum bewegen konnte. Beim Zurücklaufen unterhalten wir uns mit zwei amerikanischen Frauen aus Los Angeles und bringen ihnen das Wort „Eichhörnchen“ (engl. squirrel) bei. Mit der Aussprache von „ch“ und dem „ö“ haben sie ihre liebe Mühe und wir haben was zu Lachen, aber sie nehmen es uns nicht krumm. Nachdem wir uns von ihnen verabschiedet haben spenden wir noch etwas für den Park, da die Rangerin so freundlich war. Anschließend fahren wir den Mesa Top Loop und den Cliff Palace Loop, von welchen man noch weitere Behausungen sieht und eine schöne Aussicht ins Tal hat (siehe Panorama-Bilder). Da man sich zur Besichtigung der anderen Siedlungen (Step House, Long House, Balcony House) einer Tour anschließen muss und wir dafür leider zu wenig Zeit haben verlassen wir den Park gegen 13 Uhr.

Vier Staaten auf einmal

Ansonsten passiert an diesem Tag nicht viel. Wir fahren noch ein Stück nach Osten in das hübsche Städtchen Durango, überqueren dann die Grenze nach New Mexico, passieren Farmington, Shiprock und dann Four Corners. Four Corners ist kein Ort, sondern ein National Monument. Eigentlich nichts besonderes, aber dies ist halt der einzige Ort, an dem vier Staaten direkt aneinander grenzen. Utah, Colorado, New Mexico und Arizona. Da wir sowieso dran vorbeifahren bauen wir diesen kleinen Schlenker noch ein. Danach geht es auf dem Highway 160 wieder nach Colorado und dann auf dem kleinen Highway 41/162 wieder nach Utah. State Hopping at it’s best. Dem Sonnenuntergang entgegen gondeln wir durch eine äußerst abgelegene Gegend mit winzigen Ansiedlungen, Farmen, Wassertürmen und Ölbohrern. In der Dämmerung fahren wir fast zwei braune Kühe über den Haufen, die seelenruhig mitten auf der Straße stehen und kaum zu erkennen sind. Zwischenzeitlich ist es dunkel geworden und es ist kein Campingplatz in Sicht.

In der Dunkelheit fahren wir durch ein weiteres winziges Kaff und oh Wunder, es gibt einen Campingplatz, den Cadillac Ranch RV Park. Nach dem Essen will ich noch eine Langzeitbelichtung des Nachthimmels machen, flüchte aber nach kurzer Zeit entnervt vor einer Horde von Moskitos ins Zelt. Wo sind wir eigentlich? Bluff, Utah, steht auf der Quittung des Parks. Wikipedia dazu: „Bluff ist ein zu Statistikzwecken definiertes Siedlungsgebiet.“ 320 Menschen wohnen hier, cool.

  • Die Regenwolken verfolgen uns

    Die Regenwolken verfolgen uns

  • Friedhof der Oldtimer

    Friedhof der Oldtimer
    Colorado

  • Der hat seine besten Tage hinter sich

    Der hat seine besten Tage hinter sich
    Colorado

  • Erdhörnchen in Cortez, Colorado

    Erdhörnchen in Cortez, Colorado

  • Mitten in der Stadt leben die kleinen Nager

    Mitten in der Stadt leben die kleinen Nager

  • Sie sind immer wachsam

    Sie sind immer wachsam

  • Endlich erwischen wir mal eins näher

    Endlich erwischen wir mal eins näher
    Cortez, Colorado

  • Endstation für Patrik, er ist zu groß

    Endstation für Patrik, er ist zu groß

  • Eichhörnchen im Mesa Verde Nationalpark

    Eichhörnchen im Mesa Verde Nationalpark

  • Spruce Tree House, Mesa Verde Nationalpark

    Spruce Tree House, Mesa Verde Nationalpark

  • Spruce Tree House

    Spruce Tree House
    Mesa Verde Nationalpark

  • Spruce Tree House

    Spruce Tree House
    Mesa Verde Nationalpark

  • Spruce Tree House

    Spruce Tree House
    Mesa Verde Nationalpark

  • Blick vom Spruce Tree House nach oben

    Blick vom Spruce Tree House nach oben

  • Spruce Tree House von oben

    Spruce Tree House von oben

  • Square Tower House

    Square Tower House

  • Panorama am Mesa Top Loop

    Panorama am Mesa Top Loop
    Mesa Verde Nationalpark

  • Panorama am Mesa Top Loop

    Panorama am Mesa Top Loop
    Mesa Verde Nationalpark

  • Ein Kiva der Anasazi von oben

    Ein Kiva der Anasazi von oben

  • Links geht's in den Kiva

    Links geht's in den Kiva

  • Patrik darf runter in den anderen Kiva

    Patrik darf runter in den anderen Kiva

  • Mesa Verde Nationalpark

    Mesa Verde Nationalpark

  • Landschaft bei Durango

    Landschaft bei Durango

  • Shiprock, New Mexico

    Shiprock, New Mexico

  • Hilfe, ein Sandsturm

    Hilfe, ein Sandsturm

  • Höllisch windig ist es in Four Corners

    Höllisch windig ist es in Four Corners

  • Four Corners

    Four Corners

  • Immer diese Touristen, müssen in allen 4 Staaten gleichzeitig sein

    Immer diese Touristen, müssen in allen 4 Staaten gleichzeitig sein

  • Wasserturm beim Sonnenuntergang

    Wasserturm beim Sonnenuntergang
    Bluff, Utah

  • Ölbohrer mit untergehender Sonne

    Ölbohrer mit untergehender Sonne

Aufregender Offroad-Trip am Lake Powell Unversichert auf Schotterstraßen und keine Speicherkarten

     Nach einer ruhigen Nacht im ruhigen Bluff setzen wir heute unsere Fahrt nach Westen fort, langsam aber sicher geht es wieder in Richtung Los Angeles, denn in fünf Tagen fliegen wir schon weiter zum nächsten Stopp unserer Weltreise, den Cookinseln (Reisebericht Rarotonga). Jetzt geht es aber erstmal zum Goosenecks State Park. Diesen erreicht man, indem man vor dem kleinen Ort Mexican Hat, benannt nach einem Felsen, auf dem ein anderer Felsen liegt, der aussieht wie ein mexikanischer Hut (man muss die Ortsnamen hier einfach mögen), rechts auf den Highway 261 abbiegt und dann gleich wieder links auf die 316. Einige Zeit ist diese noch asphaltiert, dann geht es auf einer Schotterstraße in Serpentinen den Berg hinauf. An der Straße wird momentan gearbeitet; abgesperrt ist hier aber nichts, da sowieso kaum jemand unterwegs ist. Vor uns fährt ein LKW voll mit einem Gemisch aus Kies, Erde und Sand. Er stoppt und kippt seine Ladung vor uns direkt auf die Straße. Aha, die sind ja drauf hier. Rechts und links ist kein Platz, also rangieren wir mit einer Achse über den Haufen drüber.

Goosenecks State Park

Oben angekommen biegt man links auf eine nicht ausgeschilderte Straße ab, die einen dann zum Aussichtspunkt über die Goosenecks bringt. Der Name kommt daher, dass die Gegend, die der San Juan River hier geformt hat, aus der Vogelperspektive aussieht wie Gänsehälse (siehe Fotos unten). Gegend Ende wird die Strecke schlechter und man fährt durch tiefe Furchen und über große Steine. Als es uns zu heikel wird stellen wir den Tahoe ab und laufen den Rest. Die Gegend ist nicht abgesperrt und man kann sich frei auf den Felsen bewegen. Die Aussicht ist einfach unglaublich und mit Worten schwer zu beschreiben. Die Sicht ist klar und die tiefen Gänsehals-Canyons erstrecken sich bis zum Horizont, einfach fantastisch. Wir klettern etwas hin und her, unterhalten uns mit zwei Schweizern, genießen die phänomenale Aussicht und fahren dann wieder hinunter nach Mexican Hat.

Zurück in Mexican Hat folgen wir dem Highway 163, welcher uns vorbei am Monument Valley bis nach Kayenta in Arizona führt. Um etwas Puffer zu haben hatten wir im Vorfeld die letzten paar Tage nicht fest geplant. Beim Mittagessen in Kayenta überlegen wir uns, wo wir noch gerne hin möchten. Heute geht es noch nach Page zum Lake Powell und morgen zum Grand Canyon, der ist auf jeden Fall Pflichtprogramm. Wir beschließen nach dem Grand Canyon nochmal nach Las Vegas zu fahren und dann über den Joshua Tree Nationalpark zurück nach Los Angeles zu fahren. Mithilfe des Free Wifi im McDonalds buchen wir uns eine Nacht im LVH Casino und fahren dann weiter nach Page.

Page liegt in Arizona, hat ca. 7.000 Einwohner und wurde erst 1957 gegründet. Damit ist sie eine der jüngsten Städte der USA. Ähnlich wie Escalante in Utah ist die Konzentration der außergewöhnlichen Sehenswürdigkeiten hier besonders hoch. Bekanntere sind z.B. die Antelope Canyons, The Wave, die Mutter aller Waves, die Coyote Buttes, der Horseshoe Bend oder der Lake Powell. Für die Wave aller Waves gibt es nur 20 Permits pro Tag, die per Lotterie des Bureau of Land Management vergeben werden. Für drei Tage hatten wir uns eingeschrieben, hatten jedoch kein Glück. 2011 hatte ich es schon mal probiert, doch es hat auch nicht geklappt. Des Weiteren gibt es unzählige andere nicht so bekannte wunderschöne Orte, die man nur mithilfe von Wegbeschreibungen aus dem Internet findet. Alleine in Page könnte man locker eine ganze Woche verbringen. Doch leider haben wir dafür mal wieder nicht genug Zeit und picken uns diesmal etwas total abgelegenes heraus, den Alstrom Point, ein spektakulärer Aussichtspunkt über den Lake Powell.

Alstrom Point

Den Alstrom Point erreicht man ebenfalls nur mit einer Wegbeschreibung aus dem Internet, denn er ist (Stand 2012) nicht ausgeschildert. Zunächst geht es auf dem Highway 89 nördlich über die Grenze nach Utah und dann in dem kleinen Kaff Big Water rechts ab auf eine Schotterstraße. Mittlerweile (Februar 2014) kann man sich mit Google Maps sogar eine Route dorthin planen lassen. Für die 42 Meilen (68 km) sind knapp drei Stunden angegeben. Das dürfte hinkommen, denn die Straße ist teilweise sehr schlecht. Das merken wir am Anfang unseres Trips auch gleich, denn schon nach kurzer Zeit geht es durch einen kleinen Bach. Hmm. Das Problem bei Nicht-Geländewagen ist ja immer, das diese auf Schotterstraßen nicht versichert sind.

Bei einer Panne müssten wir also Abschlepp- und Reparaturkosten selbst zahlen. No risk, no fun. Wenn es zu heikel wird, drehen wir halt um. Gesagt, getan, ich lasse den Tahoe in den Bach rollen. Dieser ist nicht besonders tief, auf der anderen Seite geht es jedoch eine Stufe von ca. 20 Zentimetern hoch. Michelle steigt aus und sieht nach ob das reicht. Tut es nicht, die Frontlippe des Tahoe bleibt hängen. Na spitze, schon auf den ersten Kilometern das erste Problem. Probleme kennen wir jedoch nicht, nur Herausforderungen. Ja ja, toller Spruch, ne? Kurzerhand drehe ich den Tahoe um und fahre die Stufe rückwärts hoch. Das klappt wunderbar und wir setzen unsere Fahrt fort. Es ist kurz vor 17 Uhr. Die Schotterstraße ist in ziemlich gutem Zustand und wir kommen gut voran. Ab und zu geht es durch tiefe Senken, die von Bächen teilweise extrem ausgewaschen sind. Langsam und vorsichtig durchfahren sind diese aber auch kein Problem. Plötzlich fällt mir ein, dass ich das kleine Mäppchen mit den Speicherkarten im Motel gelassen habe. Die Wörter, die ich ausstoße sind nicht gerade öffentlichkeits-tauglich. Wie kann man nur so blöd sein?

Wie um mich zu bestrafen wird die Landschaft, in die wir fahren, immer schöner. Schön ist gar kein Ausdruck, es wird einfach fantastisch. Wieder mal haut uns der Südwesten aus den Latschen. Nichts böses ahnend fährt man irgendwo hin und findet sich auf einmal in einer absolut prachtvollen Landschaft wieder. Beim Schreiben des Reiseberichts muss ich jetzt schon Synonym-Webseiten benutzen, um nicht immer die gleichen Wörter zu verwenden. Südwesten, du machst mich fertig. Hohe Tafelberge in den verschiedensten Farben pflastern die Gegend. Verschiedene Schichten strahlen im Abendlicht in Rot, Grün, Orange, Gelb, Rosa, Violett, Weiß und Schwarz. Nach dem nächsten Hügel dann auf einmal Mondlandschaft, dann eine Salzebene, die aussieht als hätte es geschneit, dann wieder rote Berge, einfach unglaublich. Und auf der Speicherkarte ist nur noch für 15 Fotos Platz, so ein Riesenmist. Immerhin haben wir die GoPro dabei, die wir außen am Auto anbringen und die Fahrt filmen.

Nach ca. einer Stunde kommen wir an einem breiten halb ausgetrockneten Fluss an. Andere Autos haben schon eine Spur hinein gefahren, trotzdem sieht es ziemlich matschig aus. Michelle wird vorgeschickt um zu testen, wie matschig es ist. Sie gibt grünes Licht und ich rausche in einem Rutsch durch das Flussbett. Inzwischen steht die Sonne schon ziemlich tief, die Fahrt dauert doch länger, als wir gedacht hatten. Gegen viertel vor sechs biegen wir rechts auf das letzte Stück der Strecke ab, jetzt wird es richtig übel. Die Straße ist gerade noch so breit wie der dicke Tahoe und führt über Sand und große Felsplatten. Wir kommen nur sehr langsam voran. Die Straße will einfach kein Ende nehmen. Die Landschaft ist nun absolut flach und man hat keinen Anhaltspunkt mehr, wie weit man schon gefahren ist. Nach einem kleinen Hügel erspähen wir blaue Flecken, das muss der Lake Powell sein. Die Straße ist nun extrem steinig, zur Sicherheit stellen wir den Tahoe ab und laufen.

Endlich können wir den Rand des Plateaus erkennen und marschieren in hohem Tempo auf die Klippe zu, denn die Sonne steht schon fast zu tief. Ein großer Teil des Lake Powell liegt leider schon im Schatten, trotzdem ist die Aussicht einfach formidabel (high-five Synonym-Website). Unten auf dem See drehen ein paar Schaufelraddampfer ihre Runden und wir stehen oben auf dem Plateau, auf dem bis auf ein paar Krähen kein Geräusch zu hören ist. Kein Mensch ist da, auch auf der Straße ist uns niemand entgegen gekommen. Das ist toll, aber auch unheimlich, denn die Sonne ist schon fast weg. 1,5 Stunden wieder zurück? Im Dunkeln? Dabei wird uns etwas mulmig und wir laufen wieder zum Auto zurück. Tipp: Auf jeden Fall mehr Zeit als wir für den Alstrom Point einplanen!

Am Auto angekommen steht die Sonne genau am Horizont. Im Eiltempo, jetzt kennen wir wenigstens die Straße, geht es wieder zurück. Nach einer Stunde ist es fast dunkel und plötzlich fängt irgendwas am Auto zu scheppern an. Wir halten an, steigen aus und inspizieren alles, können jedoch nichts erkennen. Lass uns jetzt bloß nicht im Stich! Wir steigen wieder ein und fahren weiter. Nur noch durch den Bach vom Anfang und wir haben es fast geschafft. Um 19:30 Uhr hat unser Tahoe wieder Asphalt unter den Schlappen. Geschafft! Was für ein Trip. Benzin ist auch fast alle. Wie kann man nur so schlecht planen? Das kenne ich eigentlich gar nicht von mir. Zuwenig Zeit, zuwenig Benzin, keine Speicherkarten. Tss, tss. Das üben wir aber auch nochmal. Wir steigen aus und umarmen unser Auto, du bist der Beste :-)

  • Campingplatz in Bluff, Utah

    Campingplatz in Bluff, Utah

  • Panorama über den Goosenecks State Park

    Panorama über den Goosenecks State Park

  • Goosenecks State Park

    Goosenecks State Park

  • Goosenecks State Park

    Goosenecks State Park

  • Patrik genießt die Aussicht

    Patrik genießt die Aussicht

  • Goosenecks State Park

    Goosenecks State Park

  • Panorama über den Goosenecks State Park

    Panorama über den Goosenecks State Park

  • Goosenecks State Park

    Goosenecks State Park
    Diese Straße führt zum Goosenecks State Park

  • Der Mexican Hat

    Der Mexican Hat

  • Ist das Forrest Gump?

    Ist das Forrest Gump?

  • Sogar ein Denkmalschild gibt es

    Sogar ein Denkmalschild gibt es

  • Tahoe + Utah = Alles super

    Tahoe + Utah = Alles super

  • Geniale Landschaft

    Geniale Landschaft
    Page, Arizona

  • Auf der Straße zum Alstrom Point

    Auf der Straße zum Alstrom Point

  • Farbige Felsen

    Farbige Felsen
    Page, Arizona

  • Mondlandschaft bei Page

    Mondlandschaft bei Page

  • Farbige Felsen

    Farbige Felsen
    Page, Arizona

  • Alstrom Point, Lake Powell

    Alstrom Point, Lake Powell
    Page, Arizona

  • Patrik am Fotografieren

    Patrik am Fotografieren

  • Fantastische Aussicht am Alstrom Point

    Fantastische Aussicht am Alstrom Point
    Page, Arizona

  • Uuuaaah Blut... ne, doch nur Wasser

    Uuuaaah Blut… ne, doch nur Wasser

  • Wir freuen uns, der Tahoe hat's geschafft

    Wir freuen uns, der Tahoe hat's geschafft

Sagenhafter Grand Canyon und Scharfschützenschießerei Spektakuläre Natur und das erste Mal mit einer echten Waffe schießen

     Nach dem Abendessen bei Pizza Hut fallen wir erschöpft ins Bett und schlafen am nächsten Tag mal aus. Heute lassen wir es mal relaxt angehen, denn zum Grand Canyon sind es nur ca. 2,5 Stunden Fahrt. Nördlich von Page fahren wir den Lake Shore Drive, genießen den Blick auf den wunderschönen Lake Powell und informieren uns in der Wahweap Marina über die Preise für Jetski und Kanufahren. Jetski ist uns mit $220-$300 pro Tag zu teuer und fürs Kanufahren ist uns der See irgendwie zu groß. Wir entspannen noch eine Weile am See und verlassen Page dann auf dem Highway 89 Richtung Süden.

Auf der Fahrt zum Grand Canyon gibt es nicht viel zu sehen. Das macht aber nichts, denn der Grand Canyon selbst entschädigt für alles. Für absolut alles. Selbst wenn man nur eine halbe Stunde Zeit hat, sollte man hierher kommen. Er ist eines der absoluten Highlights des Südwestens und sollte auf jeder Reise zum Pflichtprogramm gehören! Wenn ich eine persönliche Rangliste aufstellen müsste läge der Grand Canyon für mich wohl auf Platz 1. Ich würde auf jeder Reise wieder hierher kommen, egal wie ich oft ich schon da gewesen wäre.

Der schönste Ort der Welt

Warum das so ist? Das ist schwierig zu beschreiben, aber irgendwas löst der Anblick des majestätischen Canyon aller Canyons in mir aus. Er ist ein so unglaubliches Naturschauspiel, dass man es kaum in Worte fassen kann. Egal wie oft man ihn schon auf Fotos oder in Filmen gesehen hat, auf den ersten Anblick ist man nicht vorbereitet. Er haut einen um. Sämtliche Bilder, die man im Kopf mit sich herum trägt können einen nicht auf den Moment vorbereiten, in dem man das erste Mal mit eigenen Augen in diese gewaltige zerfurchte Landschaft blickt. Man ist überwältigt und kommt sich plötzlich völlig unbedeutend vor. Lässt man sich mit jeder Faser seines Körpers auf diese monumentale Landschaft ein, öffnen sich sämtliche Gefühlsbarrieren und man ist tief emotional berührt. Lasst es mich mal in Englisch schreiben, denn das ist einfacher: „It goes right through every barrier around you and touches your deepest inner feelings„.

Als wir am ersten Aussichtspunkt ankommen, dem Desert View Watchtower, ergeht es uns genauso. Die Aussicht in den Canyon ist einfach überwältigend. Ganz tief unten erkennen wir den Colorado, der sich in Jahrmillionen bis zu 1.800 Meter tief ins Gelände gegraben hat. Anschließend folgt der Navajo Point, der sich besonders bei Sonnenaufgang lohnt. Letztes Jahr habe ich dort früh morgens dieses Foto geschossen. Am nächsten Punkt, dem Lipan Point, hat man einen besonders weiten Blick und sieht den Colorado, wie er sich meilenweit durch den tiefen Canyon schlängelt. Zudem ist er einer der Punkte, an welchen man die verschiedenen Gesteinsschichten, welche Millionen von Jahren der Entstehung kennzeichnen, beobachten kann. Ein Stück weiter westlich lädt die besonders dramatische und farbenfrohe Aussicht am Moran Point zu einem Stopp ein. Benannt wurde dieser nach dem Maler Thomas Moran, welcher über 20 Jahre damit verbrachte den Grand Canyon zu studieren und zu zeichnen. Weiter geht’s mit dem Grandview Point, welcher wie sein Name schon sagt, eine besonders breite und weite Sicht bietet. Es gibt eigentlich keinen Punkt, an welchem sich ein Halt nicht lohnen würde.

Nach den Aussichtspunkten treffen wir im Grand Canyon Village ein. Knapp 1.500 Menschen leben hier, quasi alle sind Mitarbeiter des Nationalparks oder arbeiten in im Nationalpark lizenzierten Unternehmen. Hier gibt es alles, was das Herz begehrt. Besucherzentrum, Hotels, Lodges, Campingplatz, Lebensmittel, Gebetsräume für sämtliche Religionen und einen Arzt. Um die fünf Millionen Besucher hat das kleine Dorf jedes Jahr. Von Williams, einem kleinen Ort eine Autostunde südlich, kann man sogar mit dem Zug herfahren. Auf dem Campingplatz buchen wir uns für eine Nacht ein und beziehen einen wunderschönen Platz inmitten von hohen Nadelbäumen. Beim Toilettengang hat Michelle mal wieder Glück, denn vor der Frauentoilette sitzt einen kleine Tarantel auf dem Boden.

Zum Sonnenuntergang fahren wir zum Yavapai Point. Dieser liegt nur ca. 10 Minuten entfernt vom Campingplatz und bietet im Abendlicht eine spektakuläre Aussicht. Dutzende andere Touristen sind noch da, doch die Fläche ist recht groß und die vielen Menschen verteilen sich gut.

Über zwei Stunden verbringen wir hier bis die Sonne am Horizont untergegangen ist, es ist einfach traumhaft. Ich liebe den Grand Canyon. Nach dem Abendessen fahren wir nochmal zum Yavapai Point und machen einige Langzeitbelichtungen vom Sternenhimmel. Hier ist es so dunkel, dass man mit bloßem Auge die Milchstraße deutlich erkennen kann. Nachts am Rand des Canyons zu stehen ist ziemlich unheimlich. Man sieht nur tiefe Schwärze und weiß, dass es irgendwo da vorne über einen Kilometer nach unten geht, brrrrrr. Später sitzen wir an unserem Lagerfeuer und kosten die tolle Atmosphäre mit Dutzenden von knisternden Lagerfeuern in der Umgebung voll aus. Am nächsten Morgen machen wir uns früh auf die Socken, denn wir haben heute 280 Meilen (450 km) vor uns. An der Tankstelle kaufen wir uns noch einen kleinen Plüsch-Elch, der uns für die restlichen 12 Monate unserer Reise als Glücksbringer begleiten soll. Mit einem tränenden Auge verlassen wir den Grand Canyon, bis zum nächsten Mal!

Auf der Schießfarm in Las Vegas

Die fünf Stunden Fahrt vergehen ohne besondere Vorkommnisse. Kurz vor dem Hoover Dam hat uns die erbarmungslose Hitze der Wüste schon wieder voll im Griff. Wir beschließen uns im Lake Mead mit einem kurzen Bad zu erfrischen. Aus der Erfrischung wird jedoch nichts, denn der See hat Badewannentemperatur. In brühwarmem Wasser planschen wir etwas hin und her und trocknen auf dem Rückweg zum Auto schon so weit, dass wir gar kein Handtuch mehr brauchen. Der in der Sonne stehende Tahoe hat inzwischen Backofentemperatur erreicht und ich verbrenne mir beim Umziehen fast den Hintern. Am Nachmittag checken wir im LVH Casino ein. Dieses hat seine besten Tage hinter sich und sieht von außen schon ziemlich heruntergekommen aus. Das Zimmer ist aber ganz ok und wir wagen einen neuen Erfrischungsversuch am hauseigenen Pool.

Das Wasser ist dort zwar etwas kälter, jedoch ist alles andere absolut grauenhaft. Am Pool ist einer Art Party für Arme im Gange. Schlechte Musik quält die scheppernden Lautsprecher, der ständig grölende DJ setzt dem Spektakel die Krone auf. Die Situation ist absurd. Im Pool wälzen sich besoffene dicke Frauen und eklige Männer mit Cocktails von einem Eck ins andere und johlen durch die Gegend. Nach nicht einmal fünf Minuten ergreifen wir die Flucht, es ist nicht auszuhalten. Das Klientel passt perfekt zum in die Jahre gekommenen Casinohotel. Abends unternehmen wir nochmal eine Tour zum Strip, schauen uns die Wasserfontänen am Bellagio an und zocken eine Runde an unserem Automaten im Caesars.

Am folgenden Morgen setzen wir einen Plan um, den wir eigentlich schon bei unserem ersten Besuch in Las Vegas hatten. Wenn wir schon in Las Vegas sind, möchten wir unbedingt mal auf einer Schießfarm mit ein paar Waffen schießen. Wir fahren also zum Gunstore Las Vegas und suchen uns für jeden zwei Waffen aus. Von Waffen aus dem 2. Weltkrieg bis zu aktuellen Schießeisen ist alles vertreten. Michelle wählt eine Glock 19 und ein kleineres Scharfschützengewehr mit Kaliber .223 (5,56 x 45 mm) und ich eine AK-47 und die dickste Sniper-Wumme mit Kaliber .308 (7,62 × 51 mm). Zuerst dürfen wir uns die Zielscheiben aussuchen, auf die wir schießen möchten. Michelle nimmt einen Zombie und ich ganz normalen Fadenkreuze. Wahlweise gibt es auch Politiker oder Terroristen und noch anderes hanebüchenes Zeugs.

Von einem Instruktor bekommen wir noch eine Sicherheitsbrille und Kopfhörer und dann geht’s auch schon zum Schießstand. Michelle darf mit der Glock anfangen. Das Ding hat ganz schön Bumms und reißt ihr durch den Rückstoß die Hand nach oben. Danach folge ich mit der AK-47, die eigentlich recht einfach zu bedienen ist, soweit man das eben mit rein virtueller Erfahrung beurteilen kann. Vor dem Schießen mit der Sniper haben wir etwas Respekt. Beim ersten Schuss mit der dicken Wumme lehne ich mich zu stark dagegen und der Rückstoß kugelt mir fast die Schulter aus. Noch Tage später tut mir die Schulter an der Stelle weh. Michelle folgt und setzt fast alle Schüsse in die 10. Das erste Mal eine Waffe in der Hand zu halten ist schon ein komisches Gefühl. Beim Schießen ist man total fokussiert und vergisst alles um sich herum. Es hat sehr viel Spaß gemacht und wir würden es nochmal machen :-)

  • Grand Canyon

    Grand Canyon

  • Grand Canyon S/W

    Grand Canyon S/W

  • Grand Canyon

    Grand Canyon

  • Navajo Point, Grand Canyon

    Navajo Point, Grand Canyon

  • Dutzende Geier sind hier unterwegs

    Dutzende Geier sind hier unterwegs

  • Grand Canyon

    Grand Canyon

  • Panorama am Yavapai Point

    Panorama am Yavapai Point

  • Grand Canyon im Abendlicht

    Grand Canyon im Abendlicht

  • Black & White

    Black & White

  • Fantastische Sicht am Yavapai Point

    Fantastische Sicht am Yavapai Point

  • Ausgedörrter Baum am Abgrund

    Ausgedörrter Baum am Abgrund

  • Grand Canyon

    Grand Canyon

  • Michelle relaxt in der Sonne

    Michelle relaxt in der Sonne

  • Grand Canyon Cloud

    Grand Canyon Cloud

  • Yavapai Point

    Yavapai Point

  • Startrails über unserem Campingplatz

    Startrails über unserem Campingplatz
    Grand Canyon

  • Startrails über dem South-Rim des Grand Canyon

    Startrails über dem South-Rim des Grand Canyon

  • Willkommen an Bord Hartmut

    Willkommen an Bord Hartmut

  • Fountains of Bellagio mit Fisheye

    Fountains of Bellagio mit Fisheye
    Las Vegas

  • Patrik mit Sniper

    Patrik mit Sniper

  • Michelle mit Sniper

    Michelle mit Sniper

  • Patrik mit AK-47

    Patrik mit AK-47

Durch den Joshua Tree Nationalpark zurück nach Los Angeles Schwerer Abschied, neue Vorfreude und ein neuer Haarschnitt

     Als wir am Morgen in unserem abgenutzten Zimmer im LVH Casino erwachen sind wir ziemlich unmotiviert, denn so langsam kriecht der Gedanke an unsere Abreise wie ein eiskalter Schauer unsere Nacken hinauf. Die 16 Tage USA sind zwar nur ein kleiner Teil unserer über ein Jahr dauernden Reise, aber dennoch: Abreisen ist halt immer doof. Entsprechend träge kommen wir in die Gänge und gurken erst gegen 11 Uhr in Las Vegas los. Die letzte Nacht würde wir gerne im Joshue Tree Nationalpark auf einem der Campingplätze verbringen. Bis nach Twentynine Palms, welches direkt vor dem Park liegt, sind es 210 Meilen (~ 340 km). Wir folgen zunächst dem Highway 95 nach Süden und machen an der Grenze nach Kalifornien das letzte obligatorische Patrik-mit-Welcome-Schild-Foto. Danach geht es kurz auf der Goffs Rd, einer kleinen Nebenstraße, mitten durch die Pampa, in welcher fast nur halb vergammelte Häuser stehen. Eine äußerst suspekte Gegend.

Wir kreuzen die Interstate 40 und fahren dann ein kurzes Stück auf der alten Route 66, die hier ihr unscheinbares Dasein fristet. An einem alten vergammelten Restaurant, dem Road Runner’s Retreat, halten wir kurz und lassen die triste Atmosphäre auf uns wirken. Überall blättert die Farbe ab, die Fenster sind mit Brettern zugenagelt und das alte Schild hat nicht mehr viel von seinem alten Glanz behalten. Deprimierend, also fahren wir weiter. Nächster Stopp: Roy’s Motel & Cafe. Roy’s Schild ist ebenfalls schon ziemlich verranzt, hat aber mehr Farbe behalten. Zu unserer Entzückung hat Roy sogar geöffnet. Es gibt eine kleine Tankstelle mit uralten Zapfsäulen und schweineteurem Benzin, ein kleines Postbüro und eine winzige Kirche im Bretterverschlag-Style. Ob Roy hier mit den paar Touristen, die hier vorbeikommen überleben kann? Um wenigstens einen kleinen Teil dazu beizutragen gehen wir rein und kaufen zwei kalte Cola. Der Kühlschrank sei grade kaputt, sagt er, aber es gibt trotzdem kalte Getränke aus einer Kühlbox. Ob er wirklich Roy heißt? Keine Ahnung…

Wo geht’s zu den Marines?

Gegen 16:30 Uhr kommen wir in Twentynine Palms an. Cooler Name. Eins, zwei, drei, vier, fünf… ne, es gibt mehr. Außer Palmen gibt es hier auch noch etliche Friseure. Militär-Friseure. Fast alle werben mit sogenannten military haircuts. Kurz schwirren mir sämtliche amerikanischen Militär-Filme durch den Kopf und mir kommt eine Idee. Ich wollte doch eh zum Friseur, warum also nicht mal was anderes probieren. Also fahren wir zum erstbesten Friseur und fragen nach dem military haircut. Die Asiatin dort versteht leider absolut gar nichts und wir fahren zum nächsten. Im Laden hängen alle möglichen Fotos von Haarschnitten, die man sich aussuchen kann. Ich entscheide mich für die extremste, hey, wenn schon denn schon, oder? Mit dem Rasierer rückt sie mir zuleibe und säbelt was das Zeug hält. Nach nicht mal 10 Minuten ist sie fertig und lässt mich meinen neuen Urlaubshaarschnitt im Spiegel begutachten. Sehr geil, jetzt könnte ich ohne Probleme als amerikanischer Marine durchgehen, mal sehen wann mich der erste darauf anspricht :-D

Nach dem Friseur fahren wir zur nächsten Tankstelle und lassen den Tahoe volllaufen. Und was jetzt kommt hat sich wirklich so zugetragen! Ich stehe also neben dem Wagen und halte den Zapfhahn in der Hand. Ein Amerikaner von der anderen Zapfsäule läuft auf mich zu. Er frägt mich in welcher Einheit ich stationiert bin. Haha, ich glaub’s nicht. 10 Minuten nach dem Friseur. Genial, wir können nicht mehr.

Wie man die letzte Nacht nicht angeht

Mit vollem Tank fahren wir an der North Entrance Station völlig planlos in den Park. An der Station, an welcher man normalerweise eine Karte des jeweiligen Parks und einige Informationen erhält, ist leider niemand. Ein Stück weiter weist ein Schild auf einen Skull Rock hin. Hört sich gut an, also halten wir. Nach kurzer Klettereinlage trifft man auf einen Felsen, welcher von der Seite wie ein Totenschädel aussieht. Super. Weiter geht’s. Drei Campingplätze später nimmt mal wieder das Übernachtungsdrama seinen Lauf. Sie sind entweder voll oder müssen im Voraus reserviert werden. Landschaftlich haut uns der Park auch nicht wirklich vom Hocker, also fahren wir an der West Entrance Station wieder raus. Kurz vor Sonnenuntergang, Hunger und kein Schlafplatz in Sicht – eine schlechte Kombination. Eskalation vorprogrammiert.

Nach einer Weile treffen wir auf die Interstate 10, die nach Los Angeles führt, und halten nach einem Campingplatz Ausschau. Als wir schon fast aufgeben wollen sehen wir endlich das erlösende weiße Zelt auf braunem Hintergrund. Doch, wie hätte es anders kommen sollen, Murphy’s Law schlägt mal wieder zu. Es wird dunkel und der Boden ist wieder so furztrocken und steinhart, dass wir die Heringe nicht reinbekommen. Nach 15 Minuten habe ich die Schnauze voll und wir suchen uns in Riverside ein Motel. Das ist mal wieder nicht besonders schön geschweige denn sauber, aber was soll’s. Wir packen unseren Krempel und schrubben Zelt und Heringe, da zur Einreise auf die Cookinseln alles sauber sein muss.

Der letzte Abend in L.A.

An unserem letzten Morgen fahren wir den Mulholland Drive in Los Angeles, schauen uns die Skyline und das Hollywood-Schild an und entspannen am Santa Monica Beach. Der Walk of Fame und der andere Kram interessieren uns nicht wirklich. Die letzten Stunden verbringen wir auf dem Santa Monica Pier und am Strand. Am Pier ist ein Künstler mit zwei riesigen Schlangen, einer Python und einer Boa, zugange. Für einen kleinen Obolus darf man sie mal halten. Mitgebracht hat er die beiden meterlangen Schlangen in einem stinknormalen Reisekoffer. Ob das so tierfreundlich ist? Da sitzt man nichtsahnend an der Bushaltestelle, denkt, dass der dicke Kerl neben einem in den Urlaub fliegt, dabei hat er zwei fette Würgeschlangen im Koffer.

Wir genießen die letzten Sonnenstrahlen am Santa Monica Beach und schauen den Leuten bei ihren diversen sportlichen Tätigkeiten zu. Um 20:30 Uhr geben wir unseren geliebten Tahoe bei Alamo ab. Unsere übrige Decke, die zu klobig zum Mitnehmen ist, schenken wir dem Mitarbeiter von Alamo. Der Tacho des Tahoe zeigt 6.270 km. In 16 Tagen. 392 km pro Tag. Hört sich viel an, kam uns aber gar nicht so vor. Mit Tempomat und Automatik fährt sich der Wagen ja fast von alleine. Um 22:30 Uhr sitzen wir am Gate und warten auf unseren Flieger der Air New Zealand, der uns zu unserem nächsten Stopp, den Cookinseln, bringen wird. Wir freuen uns tierisch, denn nun geht’s mitten in den pazifischen Ozean, an den Arsch der Welt. Zum ersten Mal in die Südsee, wie aufregend. Fast 10 Stunden wird es dauern bis wir um 06:05 Uhr Ortszeit auf Rarotonga, der Hauptinsel der Cookinseln landen werden. Mach’s gut Südwesten, es war schön bei dir. Bis zum nächsten Mal.

  • Die alte Route 66

    Die alte Route 66
    Kalifornien

  • Roy's Motel & Cafe

    Roy's Motel & Cafe
    Route 66, Kalifornien

  • Route 66

    Route 66

  • Skull Rock, Joshua Tree Nationalpark

    Skull Rock, Joshua Tree Nationalpark

  • Joshua Tree Nationalpark

    Joshua Tree Nationalpark

  • Das letzte Schild-Foto

    Das letzte Schild-Foto

  • Wo geht's zu den Marines?

    Wo geht's zu den Marines?

  • Am Mulholland Drive in L.A.

    Am Mulholland Drive in L.A.

  • Blick auf Downtown

    Blick auf Downtown
    Los Angeles, USA

  • Hollywood

    Hollywood

  • Hübsche Häuser in hübscher Lage

    Hübsche Häuser in hübscher Lage

  • Nochmal Hollywood

    Nochmal Hollywood

  • Irgendwo in L.A.

    Irgendwo in L.A.

  • Möwe am Santa Monica Pier

    Möwe am Santa Monica Pier

  • Santa Monica State Beach

    Santa Monica State Beach

  • Santa Monica Pier

    Santa Monica Pier

  • Der Pelikan stibitzt sich gleich einen Fisch

    Der Pelikan stibitzt sich gleich einen Fisch

  • Yoga am Santa Monica Pier

    Yoga am Santa Monica Pier

  • Der Schlangenmann

    Der Schlangenmann

  • Santa Monica State Beach

    Santa Monica State Beach

  • Möwe oder Knackarsch? Was ist hier das Fotomotiv?

    Möwe oder Knackarsch? Was ist hier das Fotomotiv?

  • Santa Monica Pier

    Santa Monica Pier

  • An sportlichen Möglichkeiten mangelt es hier nicht

    An sportlichen Möglichkeiten mangelt es hier nicht

  • Am Ocean Front Walk

    Am Ocean Front Walk

  • Nachdenklich am letzten Abend

    Nachdenklich am letzten Abend

  • 6.270 km

    6.270 km

 

Weitere Reiseberichte

Weltreise 2012/2013

Im August 2011 kamen bei mir (Patrik) zum ersten Mal Gedanken an einen temporären Ausstieg aus dem normalen Arbeitsleben auf. Im Internet bin ich zufällig über Berichte von mir damals noch unbekannten Work & Travel-Aufenthalten in Australien gestoßen. Vom ersten.. Weiterlesen

Work and Travel Australien 2012/2013 Blog

Von September 2012 bis August 2013 waren wir 11 Monate in Australien unterwegs. Wir haben unsere Jobs gekündigt, unsere Wohnung aufgegeben, ein Auto verkauft und uns in das Abenteuer Down Under gestürzt. Die Entscheidung ein Jahr Auszeit zu nehmen war.. Weiterlesen

Reisebericht Rarotonga (Cookinseln) 2012

Nachdem wir Los Angeles um 23:15 Uhr amerikanischer Zeit verlassen haben landen wir nach rund zehn Stunden Flug um 06:05 Uhr am 10. September 2012 auf der winzigen Insel Rarotonga. Rarotonga ist die größte und am dichtesten besiedelte Insel der.. Weiterlesen

Reisebericht Neuseeland (Auckland) 2012

Nach rund sechs Stunden Flug durch den Nachthimmel der südlichen Hemisphäre landen wir um 07:10 Uhr auf dem Auckland International Airport. Unsere Maschine war diesmal ein Airbus A320 der Air New Zealand mit der Flugnummer NZ749. Wieder mal war der.. Weiterlesen

Reisebericht USA Südwesten 2011

Die Reise in die USA war ein sehr spontaner Trip und wurde innerhalb von zwei Wochen geplant. Leider hatte ich nur 10 Tage mit 9 Übernachtungen Zeit, da ich anschließend ein 3-tägiges Seminar meines Fernstudiums in Hamburg besuchen musste. Da.. Weiterlesen

Reisebericht Jordanien 2011

Im April 2011 verschlug es uns, relativ spontan, nach Jordanien. Im Herbst zuvor hatten wir die Reise schon mal sehr grob geplant, aber dann nicht weiter verfolgt. Anfang des Jahres kam dann die Reise- und Rallyesucht durch und trieb uns.. Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Your Name: (required)

E-Mail: (required)

Website: (not required)

Message: (required)

Kommentar senden

Rechenaufgabe zur Vermeidung von Spam * Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.

13479016