FlickrRSS
Du bist hier: RoundFour · Explore. Dream. Discover.»Australien Blog,Reisebericht,Stadt,Tiere»Alice Springs - Im Red Centre Australiens

Alice Springs - Im Red Centre Australiens

Von Coober Pedy nach Alice Springs haben wir nun immer noch 680 km vor uns. Australien ist so unglaublich groß, es überrascht einen immer wieder. Auf der ganzen Strecke gibt es keine andere Stadt, nur ein paar Roadhouses. Alice Springs liegt wirklich ziemlich abgelegen, und das ist wohl noch untertrieben. Stundenlang fährt man und fährt und fährt und nichts passiert, die Landschaft sieht immer gleich aus. Auf dem Stuart Hwy nach Norden sehen wir zum ersten mal größere Road Trains mit drei Anhängern. Die Landschaft wird zunehmend flacher und sieht genau so aus, wie man sich Australien vorstellt – nur grüner. Roter Sand und rote Erde sind überwuchert von Spinifex-Gras und jede Menge Büschen und Bäumen. Die Wüste sieht überhaupt nicht trostlos aus, sondern ziemlich lebendig. Neben der Straße stehen in regelmäßigen Abständen Unfallautos, welche teilweise komplett ausgeschlachtet sind und total verrostet. Wer hier einen Totalschaden hat, lässt sein Auto der Einfachheit halber wohl einfach stehen. Mit einigen anderen Campervans und Caravans übernachten wir nach 200 km Fahrt auf der Rest Area Marla South.

Am nächsten Tag brettern wir die 480 übrigen Kilometer nach Alice Springs durch, was bei Durchschnittstempo 80 und ein paar Pausen eine Weile dauert. Das komplette Gebiet, durch welches der Stuart Hwy führt, gehört riesigen Cattle Stations. Ab und zu sieht man mal ein lebendes Rind, meistens jedoch nur Kadaver neben der Straße. Ob diese durch einen Zusammenstoß mit einem Auto entstanden oder auf natürlichem Weg hinübergedämmert sind, lässt sich nicht erkennen. Ca. 100 km vor Alice Springs wird die Landschaft wieder hügeliger, Alice Springs liegt auf einer Höhe von 576 Metern. Als wir die Grenze ins Northern Territory passieren wird es nach und nach wärmer. Das Thermometer zeigt zwar nur 20°C, die Sonne ist hier jedoch um einiges intensiver und brennt richtig auf der Haut.

In Alice Springs fällt uns sofort ein großer Unterschied zu sämtlichen anderen australischen Städten, welche wir schon besucht haben, auf: Hier gibt es doch tatsächlich Aborigines! Und zwar jede Menge! Von den 200.000 Einwohnern des Northern Territory (welches 4-mal so groß wie Deutschland ist) ist nämlich jeder Dritte ein Aborigine. Bis auf einige wenige in Adelaide haben wir bis jetzt in 8 Monaten auf 18.000 km durch Australien tatsächlich keinen einzigen Aborigine gesehen. Auf Empfehlung von Chris & Kai buchen wir uns für zwei Nächte im Caravan Park G’Day Mate ein ($28 unpowered/Nacht), welcher sehr schön und sauber ist und das Personal sehr freundlich und lustig.

Panorama von Alice Springs

Um 7 stehen wir am nächsten Tag auf und nehmen den Bus in die Stadt. Alice Springs hat ca. 22.000 Einwohner und ist mindestens 1.500 km von allen anderen größeren Städten entfernt. Nach Osten und Westen führen nur Schotterpisten. Im Bus sind mit uns nur fast nur Aborigines unterwegs. Die meisten machen einen ziemlich weggetretenen Eindruck, die Luft im Bus riecht nach Alkohol und Zigarettenrauch. Viele sind nur barfuß unterwegs und haben uralte, zerfetzte Kleidung an.

Unser erstes Ziel ist die CAAMA, dort soll es laut unserem Reiseführer Aborigine Kunst geben. Im Gebäude angekommen schüttelt man nur ratlos den Kopf, denn es handelt sich um einen Radiosender. Tss, tss, lieber Reiseführer, das war ja wohl ein Schuss in den Ofen. Anschließend suchen wir die Visitor Information, denn wir brauchen für unsere Weiterreise auf der Great Central Road Richtung Perth noch Permits um durch die Aborigine-Gebiete fahren zu dürfen. Nach einiger Zeit erfolgloser Suche nach einer großen Mall (Einkaufszentrum) stellen wir fest, dass es ein solches gar nicht gibt, sondern die Straße, in der sich alle Geschäfte befinden, heißt Todd Mall. Wer hat sich denn den Quark einfallen lassen?

Im Visitor Center teilt man uns mit, dass es die Permits hier nicht gibt, sondern wir eine von zweien Institutionen aufsuchen müssen. Den Central Land Council oder den Ngaanyatjarra Council. Beide sind zu weit entfernt um hinzulaufen, also verschieben wir das auf morgen. Anschließend laufen wir zum Bahnhof von Alice Springs, denn dort steht heute zufällig der Ghan, der legendäre Zug, welcher Adelaide und Darwin miteinander verbindet. Dort haben wir uns nochmal mit Jens verabredet, welcher noch zwei Mitbewohnerinnen seines Hostels mitbringt, Anne und Ramona. Beim Ghan gibt es nicht viel zu sehen, denn alle Türen sind geschlossen. Es gibt die Klassen Red, Gold und Platinum. Ein Platinum-Ticket kostet über $3000 (Darwin -> Adelaide). Zu fünft latschen wir quer durch Alice Springs, was nicht lange dauert, denn das Stadtzentrum ist sehr kompakt und es gibt nicht wirklich viel zu sehen. Kurz schauen wir bei den Royal Flying Doctors vorbei, haben aber keine Lust $12 für den Eintritt zu bezahlen. Gegen 17 Uhr gehts zurück zur Bushaltestelle, denn dann fährt der letzte Bus. An Sonn- und Feiertagen fährt hier sogar gar kein Bus, denn da werden in Alice Springs die Bürgersteige hochgeklappt.

Abends lernen wir beim Abspülen im Caravan Park Sue & Greg, ein australisches Paar aus Sydney, kennen. Die beiden sind unterwegs in die Kimberleys und nehmen dann nördlich von Alice Springs in nordöstlicher Richtung den Tanami Track. Wir verstehen uns so gut, dass wir uns ewig lange über alles mögliche unterhalten. Wir sprechen über die unterschiedlichen Kulturen, wohin wir unterwegs sind, wo wir schon waren und über vieles mehr. Die beiden erzählen uns, dass Deutsche bei manchen Australiern als leicht verrückt gelten, da sie manchmal in der Wüste verschollen gehen oder bei 45°C kein Wasser dabei haben. Als wir ihnen erzählen, dass wir ohne Funkgerät und Satphone die Great Central Road befahren wollen, sind sie etwas besorgt. Die Jahreszeit ist jedoch optimal, da wir statt bis zu 50°C im Sommer nur rund 20°C zu erwarten haben und zu dieser Zeit die Straße auch am meisten befahren ist. Wir versichern ihnen, dass wir auf uns aufpassen und verabschieden uns schließlich, da es mittlerweile ziemlich kalt geworden ist. In der Nacht soll es wieder nur 5°C geben.

Am nächsten Morgen schauen wir nochmal bei Sue & Greg vorbei, tauschen Visitenkarten aus und wünschen uns gegenseitig eine gute Reise. Danach lassen wir unsere zweite Gasflasche füllen, denn nun geht es ab ins Outback – ins richtige australische Outback, wo so gut wie keine Menschen leben. Im Woolworths bunkern wir Lebensmittel und verdreifachen unseren Wasservorrat. Beim Ngaanyatjarra Council erkundigen wir uns nach dem Permit zum Befahren der Great Central Road. Der Ngaanyatjarra Council verwaltet den ersten Bezirk auf der Seite von Western Australia. Da man explizit die Tage angeben muss, an denen man das Gebiet durchquert, bekommen wir das Angebot das Permit per Fax vom Ayers Rock Resort senden zu dürfen, was wir gerne annehmen. Im Anschluss fahren wir zum Central Land Council, welcher den Bezirk auf der Seite des Northern Territory verwaltet und holen das Permit zum Befahren der Mereenie Loop Road (Schotterpiste, welche die West Macdonnell Ranges mit dem Kings Canyon verbindet). Diese dient als Abkürzung zum Uluru, ansonsten müsste man wieder die ganze Strecke zurück nach Alice Springs fahren.

Dieser lustige Kollege kratzt sich entspannt am Bauch

Nach einem Besuch im Alice Springs Desert Park fahren wir gen Westen in die Macdonnell Ranges und schlafen auf dem ersten Campground am Ellery Creek Big Hole, wo zwei Wildkatzen und ein Dingo um unser Auto herumschleichen. Der Desert Park kostet $25 Eintritt und ist wirklich toll gemacht. Man bekommt einen Audio Guide und läuft dann im Freien durch drei unterschiedliche Wüstenlandschaften, in denen man allerhand erklärt bekommt. Zur Auflockerung gibt es immer wieder Vogelgehege, in denen man alle möglichen bunten Vögel zu sehen bekommt. Zwei der Gehege sind sogar offen, man schaut also nicht nur durch Fenster hinein, sondern kann frei zwischen den Vögeln herumlaufen. Des Weiteren gibt es ein großes Nachthaus, in dem man viele vom Aussterben bedrohte Tierarten sieht. Zudem gibt es Thorny Devils (Dornteufel), viele Echsen, Spinnen, Schlangen und Bilbys. Um 15:30 Uhr gehen wir zur Nature Show, welche uns von Sue & Greg empfohlen wurden.

Bei der Nature Show werden von einem Ranger verschiedene typisch australische Vögel vorgestellt und erklärt. Gut trainierte Galahs, Magpies, ein Uhu, verschiedene Falken und ein großer Nachtvogel flattern durch die Gegend und laufen zwischen den Zuschauern herum. Der Magpie, Australiens Nationalvogel, greift während der Brutsaison auch gerne mal Menschen an (bevorzugt Radfahrer), um seine Jungen zu beschützen (wer kann es ihm verübeln). Magpies haben eine unglaubliche Bandbreite an Tönen, ahmen andere Vögel nach und können sogar Hunde imitieren. Hier mal ein Beispiel auf Youtube: Link (unbedingt ansehen!). Sie sind schon etwas anders als andere Vögel, diese Erfahrung haben wir auch schon gemacht. In Sydney und in Perth sind wir Magpies begegnet, welche nicht wie andere Vögel sofort wegfliegen wenn man auf sie zu läuft, sondern stehenbleiben, sich umdrehen und einem mit ihrem grimmigen kleinen roten Augen direkt in die Augen schauen. Da wird einem schon etwas anders :-D

Die Show ist wirklich super gemacht und sehr informativ. Sobald der Ranger anfängt von einem bestimmten Vogel zu reden kommen sie wie aus dem Nichts herein geflogen und auf Kommando sind sie auch schon wieder weg. Der Nachtvogel hat unglaublich gute Augen und blickt, als der Ranger ihn auffordert ins Freie zu treten, etwas ängstlich in den Himmel. Zunächst erkennen er und auch wir am Himmel nichts, bis wir plötzlich einen Adler entdecken, welcher nur als kleiner schwarzer Punkt am Himmel erkennbar ist. Das Vieh muss wirklich gute Augen haben ;-)

  • Bis nach Darwin dauert es noch etwas...

    Bis nach Darwin dauert es noch etwas…
    alice_01_darwin_schild

  • Auf Tuchfühlung mit dem Ghan

    Auf Tuchfühlung mit dem Ghan
    alice_02_the_ghan

  • Ja, wir sind in Alice Springs. Auch schon gemerkt?

    Ja, wir sind in Alice Springs. Auch schon gemerkt?
    alice_03_michelle

  • Wir mit Sue & Greg

    Wir mit Sue & Greg
    alice_04_sue_greg

  • Wir auf dem Anzac Hill

    Wir auf dem Anzac Hill
    alice_05_wir

  • Alice Springs

    Alice Springs
    alice_06_alice_springs

  • Großer Vogel im Desert Park

    Großer Vogel im Desert Park
    alice_07_grosser_vogel

  • Immer diese Fotografierei

    Immer diese Fotografierei
    alice_08_patrik

  • Dornteufel sind schon etwas ausgefallene Echsen

    Dornteufel sind schon etwas ausgefallene Echsen
    alice_09_dornteufel

  • Hochgiftige King Brown Snake

    Hochgiftige King Brown Snake
    alice_10_king_brown_snake

  • Ein hübscher Kingfisher

    Ein hübscher Kingfisher
    alice_11_kingfisher

  • Dösen in der Sonne

    Dösen in der Sonne
    alice_13_kangaroo_schnauze

  • Australiens Nationalvogel - der Magpie

    Australiens Nationalvogel – der Magpie
    alice_14_magpie

  • Auch Uhus gibt es hier...

    Auch Uhus gibt es hier…
    alice_15_uhu

  • ...und Falken

    …und Falken
    alice_16_falke

Dieser Beitrag gehört zu unserem Australien Blog, welchen wir während unserer Australienreise von September 2012 bis August 2013 geschrieben haben. Hier geht es zur Übersichtskarte, welche unsere Route sowie Links zu allen unseren Berichten und Fotos enthält!

Verwandte Posts

1 Kommentar

Hinterlasse einen Kommentar

Your Name: (required)

E-Mail: (required)

Website: (not required)

Message: (required)

Kommentar senden

Rechenaufgabe zur Vermeidung von Spam * Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.

16219864