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Coonabarabran, New South Wales

Bye Bye Highway 1

Da uns die ständigen Baustellen und die Eintönigkeit der Landschaft auf dem Highway 1 auf die Nerven gehen beschließen wir, ins Landesinnere zu fahren. Man muss leider sagen, dass die Fahrerei auf dem Highway ziemlich langweilig und einschläfernd ist. Die Landschaft ist quasi seit Cairns immer ähnlich. Ständig hängen uns riesige Trucks an der Stoßstange, welche, anders als in Deutschland, kein Geschwindkeitslimit von 80 km/h haben, und die unendlichen Baustellen rauben uns den letzten Nerv. Teilweise sind die Straßen auch noch so dermaßen schlecht, dass wir uns fragen, was die denn hier überhaupt bauen. Auch Chris in Brisbane sagte uns schon, dass die Straßen hier teilweise extrem schlecht sind. Wenn die Australier schon überall bauen, warum können sie diesen verflixten Highway nicht gleich zweispurig ausbauen? Wir vermissen die tollen Highways aus den USA. Leider muss man sagen, dass die Ostküste – zumindest für uns – bis auf die Highlights wie Mission Beach, Magnetic Island, Whitsundays und Fraser Island, ziemlich langweilig ist. Zwischen den Highlights fährt man oft hunderte von Kilometern und sieht nur endlose Gumtree-Wälder oder Zuckerrohrplantagen bis an den Horizont. Auch unser Reiseführer hat für die rund 1000 km von Brisbane nach Sydney keine guten Nachrichten. Ein kleiner Badeort hier, ein toller Strand dort. Sowas entlockt uns mittlerweile nur noch ein müdes Lächeln. Strände gibt es wahrlich genug und im Endeffekt sind sie doch alle gleich. Um mal etwas anderes zu sehen biegen wir in Grafton nach Westen ab und fahren auf dem Gwydir Highway Richtung Outback (mittlerweile haben wir Queensland verlassen und sind jetzt in New South Wales).

Im wunderschönen Mann River Reserve, einem kostenlosen Campspot, besuchen uns abends ca. 20 Känguruhs. Die Tiere sind gar nicht scheu und lassen uns bis auf zwei Meter herankommen. Lustig sehen sie aus, wenn sie sich mit ihren kleinen Vorderpfoten am Bauch kratzen und aus dem Beutel ein kleines Baby hervorlugt. Die Fahrt geht weiter über Glen Innes, einem keltisch angehauchten Städtchen, Inverell und Bingara bis nach Narrabri. Die Landschaft hat sich nach 500 Kilometern leider immer noch kaum verändert. Bei Narrabri übernachten wir am Lake Yarrie, der strunzbesoffene Caretaker ist kaum dazu in der Lage unser Geld entgegenzunehmen.  Abends kommen die Fliegen und nerven uns dermaßen, dass wir uns schnell ins Auto verziehen. Die können einem aber auch echt alles vermiesen! Am nächsten Morgen schauen wir kurz beim Australia Telescope vorbei, dem größten Teleskop in der südlichen Hemisphäre. Im Visitor Center in Grafton haben wir einige Prospekte über die verschiedenen Shires (so heißen hier die Verwaltungsbezirke) im “Outback” von NSW mitgenommen. Leider sind fast alle vollgestopft mit Werbung und nichts reizt uns so wirklich. Da wir nicht unnötig Kilometer runterreißen möchten fahren wir in einem Schlenker über Coonabarabran, Dubbo, Orange und Bathurst Richtung Blue Mountains, welche kurz vor Sydney liegen. Die Ortschaften, durch die wir fahren, sind zwar alle ganz nett, haben aber sonst auch irgendwie nichts zu bieten. Die Landschaft wird sogar noch öder, da hinter Narrabri die großen Plains beginnen. Alles ist flach, es gibt nur noch Kühe und Getreidefelder. Gähn. Da wir uns auf die Blue Mountains freuen, gehen wir in Orange zum Visitor Information Center. Dort gibt es nur ein völlig sinnloses Werbeblättchen über die Blue Mountains. Dieses enthält nichtmal eine anständige Karte und keinerlei Informationen über Campingplätze, dafür zu 95% Werbung. Ob sie noch mehr auf Lager hätten, fragen wir die Damen im Info Center. Nein, hätten sie nicht. Wir sollen es doch mal im Information Center probieren. Hä? Was ist denn dann das hier bitte? Außen auf dem Gebäude prangt ein riesiges Logo “Visitor Information Center”. Thanks for the information, denken wir uns, und fahren davon. Was für Luftpumpen. Auch in Lithgow, kurz vor den Blue Mountains, gibt es lediglich das gleiche Heft. Dazu noch eine verknitterte ausgedruckte A3-Seite, welche wenigstens eine grobe Karte mit Campspots enthält. Wie das denn mit denn Campspots funktioniert, fragen wir den Typen im Info Center. Kosten die was, wieviel Plätze gibt es dort? Das wisse er nicht, antwortet er uns. Wir sind verblüfft. Steht das “I” von Information Center für Idiot? Weiß hier denn überhaupt einer was? Für was gibt es diese Center überhaupt? Schließlich gehen wir online und holen uns unsere Infos im Internet, super. Wenigstens kann er uns den Weg zum Glow Worm Tunnel erklären, einem stillgelegten Eisenbahntunnel, den mittlerweile tausende von Glühwürmchen bevölkern.

Um zum Glow Worm Tunnel zu gelangen liegen erst einmal 30 km Schotterstrecke vor einem. Die Straße ist am Anfang extrem schlecht, wird dann aber besser. Einige ganz fiese Schlaglöcher liegen schön versteckt im Schatten der Bäume. Die Fahrt führt zunächst durch einen Wald, dann über eine gerodete Hochebene – wo es etwas wie im Schwarzwald aussieht – weiter in den nächsten Wald. Am Ende läuft man noch ca. 2 km bis zum Tunnel. Auf einem Schild steht etwas über die Geschichte dieser Eisenbahnstrecke. 1870 wurde sie gebaut und der ca. 400 Meter lange Tunnel wurde komplett von Hand gegraben. Unvorstellbar wie das damals gewesen sein muss. Heute ist fast nichts mehr davon übrig, nur ab und zu sieht man noch ein Stück eingegrabenes Eisen am Boden. Im Tunnel können wir unseren Augen kaum trauen. Gegen das hier waren die Glühwürmchen in Springbrook nichts. Nach ca. 100 Metern ist es stockduster im Tunnel und an der Decke und an den Wänden leuchten hunderte von Glühwürmchen. Die Decke sieht aus wie ein Sternenhimmel, ein toller Anblick. Wir machen einige Fotos (siehe unten) und begeben uns dann auf den Rückweg. Die Blue Mountains warten… :-)

  • Beim Australia Telescope

    Beim Australia Telescope
    nsw_01_australia_telescope

  • 37°C

    37°C
    nsw_02_strasse

  • Zum ersten Mal sehen wir rote Erde!

    Zum ersten Mal sehen wir rote Erde!
    nsw_03_rote_erde

  • Coonabarabran, New South Wales

    Coonabarabran, New South Wales
    nsw_04_coona_shop

  • Landschaft bei Narrabri, New South Wales

    Landschaft bei Narrabri, New South Wales
    nsw_05_landschaft

  • Es gibt Hackfleischbällchen mit Salat

    Es gibt Hackfleischbällchen mit Salat
    nsw_06_abendessen

  • Im Glow Worm Tunnel

    Im Glow Worm Tunnel
    nsw_07_glow_worm_tunnel_01

  • Lichtspielereien im Glow Worm Tunnel

    Lichtspielereien im Glow Worm Tunnel
    nsw_08_glow_worm_tunnel_02

  • Solche Toiletten gibt es auch manchmal ;-)

    Solche Toiletten gibt es auch manchmal ;-)
    nsw_09_plumpsklo

Dieser Beitrag gehört zu unserem Australien Blog, welchen wir während unserer Australienreise von September 2012 bis August 2013 geschrieben haben. Hier geht es zur Übersichtskarte, welche unsere Route sowie Links zu allen unseren Berichten und Fotos enthält!

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