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Linda, Patrik's Lieblingskuh

Tiergeschichten von der Farm

Auf unserer Farm in Australien gibt es, wie auf den meisten Farmen, natürlich so einige Tiere. Dabei hat jedes Tier seine ganz eigene, oft lustige Geschichte und nach nun über drei Monaten Arbeit haben wir sie alle sehr lieb gewonnen. Dieser Beitrag widmet sich deshalb ganz den Tieren und ihren Geschichten, viel Spaß beim Lesen.

Old Jake

Old Jake

Ich bin Old Jake. Beziehungsweise Old “Fat” Jake, wie sich mich hier nennen. Dabei bin ich eigentlich gar nicht so fett, wie sie alle sagen. Nur ziemlich stramm, gut gebaut, wohl ernährt und so… na, ihr wisst schon. Wenn du mal zu uns zum Barbecue kommst brauchst du mir nur ein Häppchen Fleisch geben und ich bin dein bester Freund. Aber eigentlich bin ich das auch so, denn ich bin die treueste, liebenswerteste Seele, die es gibt. Früher einmal war ich der beste Farmhund, den mein Herrchen je hatte. Fünf Menschen habe ich damals ersetzt, so eifrig war ich bei der Arbeit. Man musste mir nur sagen: “Jake, get the cows!”, und ich habe die ganze Kuhherde alleine zur Melkstation getrieben. Mittlerweile bin ich allerdings zu alt dafür, wie alt genau weiß allerdings niemand. Um die 13 oder 14 Jahre bin ich wohl. Durch die jahrelange Arbeit sind meine Knochen nicht mehr die jüngsten und rennen oder springen strengt mich schon sehr an. Auf das Quad komme ich leider nicht mehr, da es mir zu hoch ist. Aber das macht auch nichts, denn ich bin in Rente und lasse es mir gut gehen. Die anderen jüngeren Hunde müssen noch viel lernen und wenn sie sich mal fetzen muss ich dazwischen gehen und ein Machtwort sprechen. Und jetzt kraul’ mich endlich, dann bist auch du mein bester Freund!

Cheeky

Cheeky, der Cattledog

Hallo, ich bin Cheeky und habe Old Jake abgelöst. Mein Farmer sagt ich lebe in einer eigenen Welt und bin etwas begriffsstutzig. Oft ruft er “Stupid dog!”, was ich nicht so ganz verstehe. Weißt du, was “stupid” bedeutet? Na, ist ja auch egal, denn Arbeiten liegt mir nicht so. Überhaupt verstehe ich diesen ganzen Stress auf der Farm gar nicht. Wenn es zu heiß ist, arbeite ich nicht so gerne. Wenn es zu kalt ist auch nicht. Und wenn es dann noch regnet… hach, ne, das muss ja nun wirklich nicht sein. Wenn ich beim Kühe eintreiben mal wieder etwas falsch gemacht habe und sie mich dann anbrüllen kommen meine paar Gehirnzellen total durcheinander und ich verstehe gar nichts mehr. Meine Lieblingsbeschäftigungen sind Schlafen, mit dem Quad beim Kühe treiben mitfahren (dann muss ich nicht selber laufen), mich Streicheln lassen und Rumstreunern.

Cheeky ist meist ziemlich faul

Manchmal komme ich zu spät zur Arbeit und schaue dann zu, wie sie die Kühe ohne mich eintreiben. Das können die ja toll, denke ich dann. Wozu brauchen die mich überhaupt? “Stupid dog”, hallt es dann, während ich so am Nachdenken bin, wieder über den Acker und meine Gehirnzellen… na, ihr wisst schon. Man hat es halt nicht leicht als hart arbeitender, verantwortungs-bewusster Farmhund.

Lolly

Lolly, die Haustierhundedame

Mein Name ist Lolly und ich bin die Haustierhündin. Ich bin ca. sechs Monate alt und ein Beagle-Jack-Russell-und-noch-irgendwas-Mischling. Cheeky nennt mich immer eine verwöhnte, verweichlichte Göre, aber was weiß der schon. Nicht viel, denn – mal so unter uns – viel ist bei dem im Oberstübchen glaube ich nicht los. Kennt ihr das Geräusch, wenn der Wind durch ein altes, morsches Haus hindurchweht? Jetzt schaut euch Cheeky an und stellt euch dieses Geräusch in seinem Kopf vor. Hihi. Am liebsten stichele ich Cheeky und die Katzen gegeneinander auf und schaue dabei zu, wie sie sich jagen. Meist geht dann leider der alte Jake dazwischen und sorgt für Ordnung. Sobald irgendein Fahrzeug an mir vorbeifährt versuche ich mitzufahren, das macht Spaß! Letztens hat mich Patrik sogar in diesem großen gelben Bagger mitgenommen, das war vielleicht ein Erlebnis! Ab und zu jage ich auch gerne kleine Schlangen oder kaue genüsslich auf getrockneter Kuhscheisse rum. Dann schauen mich die Menschen immer ganz angewidert an, versteh’ einer diese Zweibeiner.

Big Red

Big Red hat gern ihre Ruhe

Gestatten, Big Red mein Name. Das neben mir ist irgend so ein verschobenes Kalb, das mir die Menschen untergejubelt haben, nachdem sie mir mein eigenes weggenommen haben. Oder meinst du etwa aus einer weiß-roten Kuh kommt eine schwarz-weiße raus? Eigentlich habe ich gar keinen Bock auf diesen Bengel, diese Menschen sind echt nicht mehr ganz dicht. Das Kalb trinkt nun meine Milch, da mich niemand in die Nähe dieser komischen Melkstation bringt. Dieses Teufelsding ist mir nämlich nicht geheuer. Das ganze andere Kuhpack hat doch keine Ahnung, die ticken alle nicht mehr richtig. Ich habe meine eigene Wiese (wenn da nicht dieses vermaledeite Kalb wäre) und mein eigenes Fressen, während sich die anderen Trottel alles teilen müssen. Hahaha, denen ist wohl nicht mehr zu helfen. Und nun zieh’ Leine, so viel Gesellschaft bin ich nicht gewöhnt!

Kommen

Alles meins! Und jetzt zisch ab!

Was, ein Interview? Es ist gerade ungünstig, denn jemand hat mal wieder die Futtertonne offen gelassen, was ich selbstverständlich ausnutzen muss. Danach ist mir zwar kotzübel, aber das ist mir egal. 9 Minuten Genuss beim Fressen, 1 Minute Elend beim Kotzen – ergibt 90% Spaß, sage ich immer. Die Leute hier nennen mich “Kommen”, da ich irgendwann mal einfach hier aufgetaucht bin. Früher war ich eine Streunerkatze, aber in diesem Etablissement hier hat es mir so gut gefallen, dass ich dageblieben bin. Da niemand etwas dagegen hatte, lebe ich seitdem hier. Kost und Logis sind frei, allerdings leben hier so ein paar idiotische Hunde, die ständig Radau machen und die andere Katze durch die Gegend jagen. Das könnte man hier noch optimieren, wenn es nach mir ginge. Deshalb bekommt der Laden auch nur vier Sterne, statt fünf. So, und nun ist Schluss, die Tonne leert sich nicht von alleine.

Mincie

Mincie mag am liebsten Milch

Hi, ich bin Mincie. Mensch, ich sag’s dir, die Farm hier ist der helle Wahnsinn. Fressen und Milch im Überfluss, absolut Bombe hier. Morgens haue ich mir die Plautze voll mit kleinen Schlangen, Vögeln oder Mäusen, mittags saufe ich die übrige Milch und abends bekomme ich meistens auch noch Trockenfutter (wenn die andere Katze mal die Tonne freimachen würde). Nach der ganzen Völlerei haue ich mich erstmal aufs Ohr, irgend ‘ne Jacke oder ‘n Pulli bietet sich da immer an. Und ‘s juckt nicht mal jemand, wenn ich drauf liege! Das absolute Schlaraffenland ist das hier. Wenn da nicht diese Hunde wären.

Mit vollem Bauch schläft sich’s besser

Dieses kleine Biest Lolly stichelt immer diese Luftpumpe Cheeky gegen mich auf, erzählt dem Milchbrötchen ich hätt’ ihn bei den anderen Katzen schlecht gemacht oder so, und dann hetzt er mich immer über den ganzen Hof. Mit meiner vollen Plautze is’ das nich ganz so dufte, verstehste’? Dabei mache ich ihn nicht nur bei den Katzen schlecht, sondern auch bei allen anderen Tieren auf der Farm (kichert). Aber so schnell wie ich is’ der eh nich, Katzen sind ja sowieso viel schlauer als diese treudoofen Knallköppe (Anm. d. Red.: Hunde). Krank werde ich auch nie, da in der Milch, die ich mir hier grade reinpfeife Antibiotika drin is’ – peaaaceee!!

Spencer

Grützi!

Joa grützi miteinond’! Ich bin Spencer, eine von drei erwachsenen Schweizer Kühen auf der Farm. Da wir Schweizer etwas eigen sind, gehe ich immer als erste in die Melkstation und bin als erster beim Fressen. Falls sich ‘ne andere Kuh vordrängelt, zeige ich der schon mal wo der Hammer hängt. Kann ja nicht angehen, dass die Holsteins meinen sie sind was besseres als ich! Da ich die erste Schweizerin war, meinten die Farmer wohl ich fühle mich einsam und haben ‘ne zweite Swissie angeschafft. Laida heißt sie, und ich kann sie gar nicht ab! Die nervt mich total und seit sie da ist meiden wir uns aufs Äußerste. Dummerweise sind wir momentan auch noch in der gleichen Herde. Deshalb bin ich grundsätzlich ganz vorne in der Herde und sie ganz hinten. Am Futtertrog fresse ich an einem Ende und sie am anderen, ist ja sonst nicht auszuhalten mit dieser Zicke! (Anm. d. Red.: Kein Witz! Die beiden können sich absolut nicht ab und fressen jeweils am äußersten Ende des etwa 300 Meter langen Futtertrogs) Früher haben sie mich immer zu solchen Shows mitgenommen, bei denen das Aussehen und das Verhalten von Kühen bewertet wird. Mittlerweile ist mir das ganze Brimborium dort aber zu blöde, ich brauch doch keinen Menschen um zu wissen, dass ich die Tollste auf’m Acker bin!

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Dieser Beitrag gehört zu unserem Australien Blog, welchen wir während unserer Australienreise von September 2012 bis August 2013 geschrieben haben. Hier geht es zur Übersichtskarte, welche unsere Route sowie Links zu allen unseren Berichten und Fotos enthält!

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4 Kommentare

  • April 18, 2013 7:14 pmvor 6 Jahren
    Helmut

    Ja, da schließe ich mich ganz und gar T.Sissi an:
    Da hast Du wunderbare Tiergeschichten geschrieben!
    Ein Fan

  • April 14, 2013 5:42 pmvor 6 Jahren
    T.Sissi

    Hallo Patrik, du könntest dich unter die Autoren reihen! Wär doch ein passender Job für einen 30- Jährigen! :-D Nach meiner Berechnung ist in Australien vor knappen 2 Stunden der 15. April angebrochen,
    deshalb umarme ich dich von hier aus, Tahar natürlich ebenso, und wir wünschen dir viel Glück, weiteren Erfolg privat und beruflich und noch ganz viel Spaß auf eurer Reise und bei euren geliebten Tieren! :)

  • April 14, 2013 12:27 pmvor 6 Jahren
    Petra

    Hahahahahaaaa! Liege auf Sofa und muss aufpassen dass ich net runterfalle vor Lachen! Super, eure Tiergeschichten! Mehr von Lolly & Co!

  • April 14, 2013 9:00 amvor 6 Jahren
    Tom & Jule

    Haben wir Tränen gelacht! Nein wirklich zu schön eure Tiergeschichten! Bitte mehr davon :-)
    Die Seite ist jetzt richtig freundlich hell gestaltet. Sieht gut aus!

    Liebe Grüße von euren etwa 300 km entfernten Farmnachbarn!

    Tom & Jule

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