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Flinders Ranges und Oodnadatta Track

Schon vor dem Flinders Ranges National Park ändert sich die Landschaft erneut drastisch. Endlich bietet sich uns eine der typischen australischen Landschaften, die wir schon so sehnsüchtig erwartet hatten! Es wird flacher, statt vielen Bäumen gibt es nur noch kleinere Büsche, wir sehen viele Kängurus und Emus, und – es wird ROT! Die Erde ist rot, die Felsen sind rot, die komplette Landschaft ist rot-grün gesprenkelt, es ist fantastisch! Am Wilpena Pound Resort, dem privat geführten Visitor Center der Flinders Ranges gibt es Stellplätze für $22 pro Nacht. Wir beschließen in den Park hineinzufahren und dort auf einem der Campgrounds der Nationalparkbehörde für $13 zu übernachten. Die Fahrt auf der Schotterpiste durch den Park ist alles andere als langweilig, es geht rauf und runter und man erhascht immer mal wieder einen Blick auf den Wilpena Pound, das eigentliche Highlight der Flinders Ranges. Der Wilpena Pound ist ein natürliches Amphitheater aus Bergen, welches mit dem St Marys Peak (1.170 Meter) seinen höchsten Punkt hat. Am Lookout auf das Bunyeroo Valley fotografieren wir die Landschaft im Sonnenuntergang und genießen die absolute Stille. Anschließend übernachten wir auf dem Campground Cambrian, die Nacht wird wieder sehr frisch (5°C).

Am folgenden Morgen stehen wir mit dem Sonnenaufgang auf. Da der Campground inmitten einiger Hügel liegt scheint die Sonne noch nicht hinein und es ist eiskalt. Wir packen zusammen, fahren raus in die Sonne und kochen erstmal Kaffee. Wieder herrscht totale Stille. Wenn man die Luft anhält, hört man absolut nichts – ein ziemlich ungewohntes Gefühl, welches ich das letzte mal in Island erlebt habe. Keine anderen Menschen, keine Autos, keine Tiere, kein Wind, nichts. Nach dem Frühstück verlassen wir den Nationalpark durch die Brachina Gorge und fahren zurück auf die asphaltierte Straße. Es geht weiter nach Norden, tiefer ins Outback. Zwei Roadhouses später erreichen wir Leigh Creek (Diesel $1,70, Einwohner 550), welches nicht wirklich eine Stadt ist, sondern eher aussieht wie ein Ferienresort. Die winzige Ansiedlung wurde für die Arbeiter der nahe gelegenen Kohlemine gebaut. Deshalb gleicht ein Haus dem anderen und es gibt eine Art Shoppingkomplex, in dem über jedem Laden das gleiche Holzschild hängt, auf dem steht, was sich darin befindet. Hairdresser, Postoffice, Supermarket, Toilets. Irgendwie merkwürdig das Ganze, also machen wir uns schnell wieder vom Acker.

Einige Zeit später trudeln wir in Lyndhurst (Diesel $1,67) ein, das quasi das Ende der Zivilisation darstellt. Dort endet die asphaltierte Straße und es geht nur noch auf Schotterpisten weiter. Im Norden nach Marree, wo dann der Oodnadatta und der Birdsville Track starten, im Osten auf 460 km zum 131-Seelen-Kaff Innamincka. Wir legen eine Pause ein und vespern Toast mit Fisch in Tomatensauce. Nach weiteren 90 km erreichen wir Marree (27 km der Straße sind asphaltiert). Eine winzige trostlose Siedlung mit 70 Einwohnern am Arsch der Welt. Diesel kostet $1,91 pro Liter. Wir schauen uns den alten Bahnhof an, in dem früher der alte Ghan hielt. 1980 hielt hier der letzte Zug, bevor die komplette Strecke viel weiter westlich neu gebaut wurde. Die berüchtigten Outback-Fliegen rauben uns fast den letzten Nerv. Wir dachten, dass die Fliegen in Blighty schon schlimm waren, aber hier, ne, das geht ja mal gar nicht. Diese Teufelsviecher versuchen einem ständig in die Augen, Nasen und Ohren zu krabbeln, man wird schier wahnsinnig. Wie kann man hier nur leben und sich tagein tagaus mit diesen Mistdingern rumärgern? Wir verziehen uns ins Auto und nehmen den Oodnadatta Track in Angriff.

Oodnadatta Track

Die Landschaft wird nun immer flacher und es gibt gar keine Bäume mehr. Bis zum Horizont erstreckt sich die Wüste, welche durchzogen ist von Büschen, Spinifex und niedrigen Hügeln. Die Schotterpiste ist ziemlich breit und in recht gutem Zustand. Meistens kann man wie auf einer asphaltierten Straße 80-90 km/h fahren. Vereinzelt ist die Piste sehr steinig und wir werden trotz langsamerer Fahrt ordentlich durchgeschüttelt. Auch bei den Durchfahrten durch die vielen Creeks, welche momentan alle trocken sind, sollte man aufpassen, denn dort befinden sich oft größere Steine am tiefsten Punkt. Da das komplette Gebiet hier riesigen Cattle Stations gehört fährt man auch des öfteren über Cattle Grids (Viehgitter am Boden), über die wir grundsätzlich langsam fahren. Auf Asphalt sind diese keine Problem, auf Schotter ist die Auffahrt auf das Gitter oft stark ausgespült und man riskiert bei zu schnellem Darüberfahren einen Platten.

Das erste Mal stoppen wir am Lookout auf den ausgetrockneten Salzsee Lake Eyre South. Der Lake Eyre ist, wenn er mal nicht ausgetrocknet ist, der größte See Australiens und mit -17 Metern gleichzeitig der tiefste Punkt Australiens. Die Aussicht auf den Salzsee im späten Nachmittagslicht ist atemberaubend. Einige Kilometer weiter befindet sich laut Camps 6 ein Platz zum Schlafen (Curdimurka Railway Siding). Der Platz stellt sich als verlassene Bahnhofsruine mit dem Namen Curdimurka heraus. Hier, mitten im südaustralischen Outback, hielt früher mal der alte Ghan. Sogar das alte Bahnhofsschild, ein Wasserturm, Teile der Schienen und die Hütten sind noch erhalten. Ein Hinweisschild erzählt die Geschichte der Herkunft des Namens Curdimurka. Die Aborigenes, welche früher hier lebten, glaubten an eine riesige Schlange genannt Kuddimuckra, welche im nahegelegenen Lake Eyre lebt. Als damals der erste Zug hier eintraf brachen sie in Panik aus und rannten davon, da sie noch nie einen Zug gesehen hatten und ihn für die Schlange hielten.

Die Landschaft hier ist nun wirklich absolut flach. Lässt man seinen Blick um 360 Grad schweifen sieht man bis zum Horizont keine einzige Erhebung. Da uns auf den letzten 100 km nur ein einziges Auto entgegen gekommen ist sind wir wohl die einzigen Menschen weit und breit. Nach Norden der riesige unüberwindbare Lake Eyre und über 2.000 km Wüste, nach Westen 200 km Sperrgebiet eines alten Raketentestgeländes, nach Osten und nach Süden hunderte Kilometer nichts. Willkommen im Outback! Was für ein Gefühl!

Panorama der Landschaft am Oodnadatta Track

Nach einer ruhigen Nacht sind wir schon früh wach und wetten, wo genau am Horizont die Sonne aufgehen wird. Eine knappe halbe Stunde warten wir und schauen dabei zu, wie sich der Himmel in die verschiedensten Blau- und Orangetöne färbt. Beide liegen wir falsch, denn die Sonne kommt genau hinter der Hütte hoch und wir sehen sie nicht mal ;-)

Anschließend geht es zurück auf den Oodnadatta Track. Nach einigen Kilometern sehen wir unseren ersten Dingo! Als wir einen Stopp bei einer weiteren Eisenbahnruine einlegen laufen nochmal vier Dingos vor unserem Auto vorbei – Dingos sind wirklich schöne Tiere. Im Roadhouse William Creek trinken wir eine eiskalte Cola und befestigen zwei unserer Visitenkarten an der Decke, denn das ist hier so Tradition. Die Fliegen geben ihr Bestes, um uns schnell wieder zu verscheuchen und wir nehmen die 160 km nach Coober Pedy in Angriff. Nun geht es auf der William Creek Road durch das Gelände der größten Rinderfarm der Welt – der Anna Creek Station. Diese ist die größte Rinderfarm der Welt und fast genau so groß wie Mecklenburg-Vorpommern. Rund 17.000 Rinder sind hier irgendwo verstreut, von denen wir nur knapp ein Dutzend sehen – kein Wunder bei diesen Ausmaßen. Auf der weiteren Fahrt passiert nichts spektakuläres mehr.

Bis auf ein Ereignis: Troopy knackt die halbe Million! Ja, ihr habt richtig gehört, unser treuer robuster Troopy hat nun 500.000 km auf dem Buckel und er fährt und fährt und fährt. Die Kiste funktioniert einfach und macht keinen Mucks. Wir sind bis jetzt 18.000 km mit ihm gefahren und es sollen noch einige mehr werden. Ca. 30 km vor Coober Pedy ziehen Regenwolken auf, das kann nichts gutes bedeuten. Wir fahren kurz in die Stadt hinein und klopfen Troopy auf die Haube, denn er hat uns sicher durch den ersten Ausflug ins Outback gebracht.

  • Die Piste nach Marree ist offen

    Die Piste nach Marree ist offen
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  • Patrik am Futtern

    Patrik am Futtern
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  • Zwei junge Emus trotten ihrer Mama hinterher

    Zwei junge Emus trotten ihrer Mama hinterher
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  • Alte Ghan Loks in Marree

    Alte Ghan Loks in Marree
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  • Keep out, For Sale, wie auch immer

    Keep out, For Sale, wie auch immer
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  • Roadhouse in Marree

    Roadhouse in Marree
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  • Achtung, sie fahren jetzt in entlegene Gebiete

    Achtung, sie fahren jetzt in entlegene Gebiete
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  • Troopy in Marree

    Troopy in Marree
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  • Nächstes Roadhouse: 207 km

    Nächstes Roadhouse: 207 km
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  • Alle Straßen sind offen

    Alle Straßen sind offen
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  • Blick ins Nichts

    Blick ins Nichts
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  • Ohne Fliegennetz geht hier nichts

    Ohne Fliegennetz geht hier nichts
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  • Troopy im Abendlicht

    Troopy im Abendlicht
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  • Curdimurka

    Curdimurka
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  • Sonnenuntergang im Outback

    Sonnenuntergang im Outback
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  • So hat man früher hier gekocht

    So hat man früher hier gekocht
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  • Über 14.000 km nach München

    Über 14.000 km nach München
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  • Irgendeine alte Rakete

    Irgendeine alte Rakete
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  • William Creek Roadhouse mit allerhand Zeugs an der Decke

    William Creek Roadhouse mit allerhand Zeugs an der Decke
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  • Das Roadhouse von außen

    Das Roadhouse von außen
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  • Einwohner: 2

    Einwohner: 2
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  • Troopy knackt die halbe Million...

    Troopy knackt die halbe Million…
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  • ...und wir gratulieren ihm!

    …und wir gratulieren ihm!
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Dieser Beitrag gehört zu unserem Australien Blog, welchen wir während unserer Australienreise von September 2012 bis August 2013 geschrieben haben. Hier geht es zur Übersichtskarte, welche unsere Route sowie Links zu allen unseren Berichten und Fotos enthält!

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