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Great Central Road

Great Central Road - Mitten durchs Outback

Nach der Wanderung durch Kata Tjuta beginnt um 13 Uhr unser Abenteuer Great Central Road. Von der Zufahrtsstraße nach Kata Tjuta zweigt die Tjukaruru Road ab, welche bis zur Grenze nach Western Australia führt. Rund 1.100 Kilometer Schotterpiste liegen vor uns, die Straßenbedingungen sind ungewiss, denn vor einigen Tagen regnete es hier heftig. Handyempfang gibt es auf der ganzen Strecke keinen, Städte auch nicht. Nur alle 250-350 km ein Roadhouse. Normales Benzin bekommt man auf der ganzen Strecke nicht, da dieses von manchen Aborigines als Drogenersatz zum Schnüffeln missbraucht wird. Diesel gibt es jedoch und für Autos, welche normales Benzin brauchen, wurde von BP der Ersatzkraftstoff Opal entwickelt, welcher less aromatic ist, sich also nicht zum Schnüffeln eignet.

Da die Straße durch mehrere Aborigine Reserves führt benötigt man zum Befahren zwei Permits, welche beide kostenlos sind. Das Permit für die Seite des Northern Territory erhält man vom Central Land Council in Alice Springs, von der Tour Information im Ayers Rock Resort oder in Laverton (wer von Westen kommt). Das Permit für die westaustralische Seite besorgten wir uns beim Ngaanyatjarra Council in Alice Springs.

1. Etappe: Kaltukatjara (180 km)

Bevor es losgeht reduzieren wir den Reifendruck mit unserem Kompressor auf 30 psi vorne und 36 psi hinten. Die ersten 180 km bis nach Docker River (Kaltukatjara), eine Aborigine Community, welche 8 km vor der westaustralischen Grenze liegt, sind recht gut. Teilweise ist der Straßenbelag sehr rau und vereinzelt gibt es starke corrugations (Bodenwellen), im Großen und Ganzen können wir aber die ganze Zeit 80-90 km/h fahren. Einige Wasserlöcher gibt es noch, welche man aber meistens umfahren kann. Kurz vor Docker Ricker steht die komplette Straße unter Wasser und wir jagen Troopy am Rand durch den Matsch, bloß nicht stehenbleiben! Wie wir das von Troopy kennen pflügt er durch den Schlamm und lässt uns nicht im Stich.

Das Permit erlaubt einem lediglich die Straße zu befahren, jedoch darf man auf keinen Fall davon abbiegen oder irgendwo im Busch campen. Zusätzlich darf man sich nur für maximal 3 Tage im Gebiet aufhalten. An jeder Dirt Road, welche zu einer Aborigine Community führt steht deshalb nochmal ein Schild mit dem Hinweis “Private Road. No entry, no public access!“. In Docker River gibt es jedoch eine kleine Tankstelle mit Minimarkt, dort darf man deshalb hinfahren. Allerdings nicht weiter, denn da steht schon das nächste Schild: “Local traffic only“. Ist ja alles ziemlich abgeschottet hier. In der Aborigine Community sieht es aus wie in den armen Gebieten von Jordanien oder in Afrika. Verfallene Häuser, Autowracks und Müll an jeder Ecke, etliche Hunde rennen durch die Gegend. Auf der Straße kommen uns zwei Esel mit blutigen Striemen im Gesicht entgegen und stecken ihre Schnauzen zum Fenster hinein. Wir fahren einmal im Kreis um den Minimarkt herum, finden aber den Campground nicht. Die Autos, welche die Aborigines fahren, sind alle mehr oder weniger schrottreif. Meistens fehlen einige Fenster, die Windschutzscheiben sind total zersplittert, die Karosserien von Rost zerfressen und die Reifen halb kaputt. Wir kommen uns vor wie in einem Krisengebiet in einem Dritte-Welt-Land und fühlen uns total fremd. Aber wir sind in Australien, es ist unfassbar. Wir bekommen einen Kulturschock, wie wir ihn nicht einmal in Jordanien erlebt haben. Australien hat in der Vergangenheit in Bezug auf die Aborigines so viel falsch gemacht, dass es einem den Verstand raubt. Ob das je wieder gut gemacht werden kann steht in den Sternen. Falls ja, wird es auf jeden Fall noch sehr sehr lange dauern. An diesen Ort, an dem wir jetzt sind, kommt quasi kein normaler Tourist aus dem Ausland je vorbei.

Einige Kilometer weiter finden wir schließlich den Campground – sofern man das so nennen kann. An einem kleinen Hüttchen hängt ein Hinweis der Ranger. Sie entschuldigen sich für den miesen Zustand des Campgrounds. Wer mal groß aufs Klo muss, soll zuerst Wasser in den Kasten des Klos schütten, sonst funktioniert die Spülung nicht, oder eben gleich in den Busch gehen. Aha, na denn, ist uns eh Wurst, wir sind da recht anspruchslos. Drei andere Camper sind noch da mit denen wir aber nicht so richtig ins Gespräch kommen. Später am Abend donnern zwei Road Trains mit je 3 Anhängern voll mit Kamelen am Campground vorbei.

Und los geht es!

Mit den Permits in der Tasche machen wir uns auf den Weg

Auf zur Grenze nach WA

Road Train voller Kamele

Der ist aber neugierig!

Erster Stopp in Docker River

Das sind die beiden Permits

Und das ist die Strecke, welche wir fahren

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2. Etappe: Warburton (320 km)

Am nächsten Tag haben wir 320 km nach Warburton vor uns. Die Straße ist anfangs schlecht, nachdem wir allerdings 8 km weiter nach Western Australia kommen wird es deutlich besser. An der Grenze stehen verschiedene Schilder, unter anderem eines des Ngaanyatjarra Council. Darauf wird nochmals hingewiesen, dass auf der ganzen Strecke kein normales Benzin verfügbar ist. Wer Benzinkanister transportiert soll diese nicht außen am Fahrzeug befestigen sondern innen verstecken. Nach ca. 100 km erreichen wir das Warakurna Roadhouse, welches auch in einer Aborigine Community liegt. Die Zapfsäulen der Tankstelle sind vergittert und jeweils mit einem großen Vorhängeschloss gesichert. Diebstahl ist hier wohl ein großes Problem. Im Roadhouse sind einige Aborigines und wir kaufen uns eine kalte Dose Cola, welche sogar billiger als im Woolworths ist. Wer hätte das gedacht. Anschließend geht es auf einer optimalen Straße weiter bis nach Warburton. Kaum corrugations, keine steinigen Abschnitte, Troopy schwebt auf Wolke 7. Unterwegs kommt uns ein grader entgegen, die Maschine, welche die Straße regelmäßig “abschleift” und wieder glatt macht. Lässig winkt uns der Typ zu und wir fragen uns, wie lange er wohl für die ganze Strecke braucht, wie er mit der lahmen Maschine überhaupt hier her kommt (holt ihn dann jemand Abends ab?), ob er immer hier am Arsch der Welt arbeitet – Fragen, die man sich eben auf hunderten Kilometern gleichförmiger Landschaft so stellt. Die Wüstenlandschaft ist dabei aber gar nicht so langweilig, es ist sehr grün und die Vegetation wechselt häufig.

Zudem liegen ständig ausgebrannte Autowracks neben der Straße. Die meisten liegen auf dem Dach und wir fragen uns, ob das alles Unfallwagen sind, welche sich überschlagen haben? Kann eigentlich fast nicht sein. Nach einer Kurve steht plötzlich ein Kamel mitten auf der Straße. Verdutzt glotzt es uns an als hätte es zum ersten Mal ein Auto gesehen (was ja eigentlich gut möglich sein kann, denn so viele Straßen gibt es hier nicht). Als wir zu nahe kommen trabt es in einem schlingernden rechts-links Schwenken davon. Die Nase schwabbelt auf und ab und seine Beine schwingen unkoordiniert in jede Richtung, es ist einfach zu komisch. Später sehen wir noch mehr Kamele, welche ihrem Kumpan in nichts nachstehen.

Panorama Great Central Road

Gegen 13:30 Uhr kommen wir am Roadhouse in Warburton an. Eigentlich hatten wir nur ein Roadhouse erwartet, aber hier steppt ja richtig der Bär. Warburton ist die größte Aborigine Community in diesem Council und wir kommen uns wieder vor wie in Afrika. Auch hier sind alle Zapfsäulen weggesperrt und überall stehen schrottreife Autos mit Aborigines drin herum. Im Roadhouse selbst arbeiten aber wie zuvor in Warakurna nur Aussies. Diesel kostet $2,40 pro Liter. Die Preise für tiefgefrorene Lebensmittel sind mehr als gesalzen, in Warakurna war es um einiges günstiger – komisch. 400 Gramm Hackfleisch kosten $15, ein T-Bone-Steak $35, 6 BBQ-Würstchen $17. Auch ganze Känguru-Schwänze liegen im Tiefkühlregal, diese sind wohl eine Aborigine-Spezialität. Wir kaufen nichts und bezahlen für eine Nacht auf dem Campground. Aufgrund von häufigen Diebstählen in letzter Zeit mussten laut einer Notiz, welche an der Kasse hängt, die Preise erhöht werden.

Der Campground liegt hinter dem Roadhouse und ist drumherum mit einem hohen Zaun gesichert. Um hinein zu fahren muss man ein massives Rolltor öffnen. Auf dem Tor ermahnt ein Schild mit großen Lettern das Tor ja immer zu schließen. Nachts patrouillieren hier laut dem Schild auch Wachhunde. Wir kommen uns vor wie in einem Hochsicherheitstrakt. Es muss ja hier anscheinend oft was passieren, dass man die Camper so wegsperren muss, bzw. die Aborigines aussperren. Außen pfui, innen hui. Der Campground ist picobello sauber und sehr schön. Die reichen Reisenden hocken vor ihrem teuren Caravan, draußen vor dem Tor stehen die Aborigines mit ihren fensterlosen Rostschüsseln – wir fühlen uns, gelinde gesagt, komisch.

In der camp kitchen hängt ein lustiges Schild: “Please clean up BBQ area after use. You may break down and have to come back here“. Ja, das ist wohl war, denn im Umkreis von 300 km gibt es hier den einzigen Abschleppdienst ;-)

Endlich in WA!

Great Central Road

Normales Benzin gibt’s hier nicht

Die Zapfsäulen sind alle weggesperrt

Das passiert, wenn man sein Auto stehen lässt

Kamelspuren im Sand

Pfau in Warburton

Eingang zum Campground in Warburton

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3. Etappe: Tjukayirla Roadhouse (250 km)

Nachdem die Great Central Road kurz nach Warburton für ca. 20 km asphaltiert ist folgen danach ca. 50 km Ruckelpiste pur. Es gibt kein Entkommen vor den massiven corrugations. Nicht einmal ganz am Rand der Straße haben wir unsere Ruhe. Anschließend wird es wieder besser. Nach rund der Hälfte der Strecke werden wir von einer Gruppe Aborigines angehalten. Wir sind vorsichtig und bleiben im Auto sitzen. Ein älterer Mann erzählt uns, dass ihnen gestern der Sprit ausgegangen sei und sie die ganze Nacht hier am Straßenrand verbracht hätten. Leider haben wir einen Diesel und können ihnen nicht weiterhelfen. Der Mann ist aufgrund seines schlechten Englisch sehr schwer zu verstehen. Wir geben ihm Wasser und etwas zu Essen. Er frägt uns noch irgendwas, was wir auch nach dreimaligem Nachfragen nicht verstehen, und wir fragen ihn ob wir noch etwas tun können. Er winkt aber ab und geht zurück zu seinem Auto, wo noch 3 ältere Aborigine-Frauen sitzen.

Lange sollten sie allerdings nicht auf Hilfe warten müssen, denn auf der Straße kommen uns ein paar andere Reisende und Road Trains entgegen. Kurz vor dem Tjukayirla Roadhouse ist die Straße asphaltiert, da sie als Landebahn für die Royal Flying Doctors dient. Am Roadhouse tanken wir für $2,30 25 Liter Diesel, welche uns bis Laverton reichen sollten. Da wir spät losgefahren sind und keine Lust haben heute noch bis Laverton zu fahren quartieren wir uns auf dem Campground ein. Am Tjukayirla Roadhouse gibt es keine Aborigine-Community, es liegt mitten in der Great Victoria Desert und ist anscheinend das abgelegenste Roadhouse Australiens. Wir bestellen einen “Famous Tjuka“-Burger und einen Steak Burger, welche mit $12,50 und $10 gar nicht so teuer sind. Die Burger sind der absolute Wahnsinn. Der Tjuka-Burger ist der beste Burger, den Patrik jemals gegessen hat, er schmeckt einfach wahnsinnig gut. Er ist so groß, dass man ihn unmöglich per Hand essen kann ;-). Der Belag von unten nach oben: Salat, Rote Beete, Gurken, Karotten, Fleisch, Käse, Speck, Ananas, Ei. DER WAHNSINN!

Nach dem Essen fahren wir nochmal raus zur Straße und sammeln Feuerholz. Auf dem Campground sind wir die einzigen unpowered camper und sitzen deshalb alleine an unserem tollen Lagerfeuer, trotzdem wird es ein toller Abend. Ein Abend am Lagerfeuer mitten im Outback.

Hinter einem Road Train ist man quasi blind

Essen im Tjukayirla Roadhouse

Der Tjuka Burger…

…ist der Wahnsinn!

Das ist alles drauf… mjam

Die Fliegen sind natürlich auch noch da

Unser gesammeltes Feuerholz…

…passt nicht ganz rein – egal, juckt hier eh niemand

Auf dem Tjukayirla Campground

Ein abendlicher Besucher

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4. Etappe: Laverton (320 km)

Wir kommen heute nicht richtig in die Gänge und fahren erst gegen 10:30 Uhr los. Die Straße ist meist sehr gut, nur vereinzelt ist der Belag ziemlich rau und Troopy wird von den corrugations ordentlich durchgeschüttelt. Mittlerweile ist Troopy nicht mehr weiß, sondern sieht vom roten Sand aus, als würde er überall rosten. Auch im Innenraum hat der rote Sand alles in Besitz genommen. Über sämtlichen Gegenständen liegt eine feine rote Schicht und wenn irgendwo Wasser drankommt gibt es eine wahre Sauerei.

Die Fahrt vergeht ereignislos und sehr schnell. Kurz vor dem Ende der Great Central Road sehen wir noch einige Kamele und kommen dann um 14:30 Uhr in Laverton an. Rund 1.100 km Schotterpiste liegen hinter uns und alles ist gut gegangen! Die Reifen haben gehalten und Troopy ist noch an einem Stück. Die Fahrt durch das Outback hat uns wahnsinnig gut gefallen und wir würden sie auf keinen Fall durch einen Flug eintauschen. Wir haben Einblicke in ein Australien bekommen, welches ein normaler Tourist niemals zu sehen bekommt. Es war eine tolle Erfahrung und wir würden die Strecke jederzeit wieder fahren.

Als wir in Laverton auf die erste Ortschaft nach Alice Springs (~ 1.600 km) treffen werden wir fast ein wenig wehmütig. Vier Tage waren wir im Club der “Great Central Road”-ler. Fast jedes Auto, welches an einem vorbei gefahren ist hat man gegrüßt, die road trains, die grader, die anderen Baufahrzeuge, alle grüßen und man fühlt sich wie in einer großen Familie. Als wir wieder auf einer stinknormalen Straße Richtung Leonora fahren wissen wir, das ist jetzt vorbei. Goodbye Great Central Road, es war schön mit dir.

Kamelknochen neben der Strecke

Troopy wie er leibt und fährt

4WD Cabrio gefällig? Ja, das Ding fährt noch

Letzte Etappe

Blümchen am Wegesrand

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Dieser Beitrag gehört zu unserem Australien Blog, welchen wir während unserer Australienreise von September 2012 bis August 2013 geschrieben haben. Hier geht es zur Übersichtskarte, welche unsere Route sowie Links zu allen unseren Berichten und Fotos enthält!

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