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Unser Hab und Gut ist auf dem Hof verteilt

Troopy wird aufgemotzt

Da wir mit der Inneneinrichtung von Troopy von Anfang an nicht wirklich zufrieden waren war klar, dass sich etwas ändern muss. Die Schaumstoffmatratzen sind total durchgelegen und völlig unpraktisch. Vom Vorbesitzer wurden sie schon mal zerschnitten und so hat man ständig vier Teile, mit denen man sich abmüht. Totaler Mist. Ebenfalls hat der Vorgänger einen Schrank verbrochen, welcher nirgends am Auto fixiert ist, sondern nur mit zwei Gummibändern befestigt ist. Dieses Mistding hat uns auf Fraser Island einige Nerven gekostet und Patrik hätte es fast zertrümmert und ins Meer geworfen. Des Weiteren schließen die Schränke nicht richtig und die Bank, auf der man schläft, wurde auch schon mal auseinandergesägt und verpfuscht. Da wir beide nicht so die Holzwürmer sind hatten wir in Biloela eine Anzeige in ein australisches 4WD-Forum gestellt, in der wir Hilfe beim Umbau suchten. Nach ein paar Wochen meldete sich Chris aus Brisbane und bot uns seine Hilfe an. Unser nächstes Ziel nach Fraser Island stand also fest.

Der Weg führt uns also wieder auf den öden Bruce Highway, welcher – Achtung, jetzt kommt’s – immer noch öde ist! Wer hätte das gedacht. Wir fahren durch Gympie (ein sehr schönes Städtchen, viele Parks und tolle Häuser auf grünen Hügeln) und schlafen in Caboolture auf dem Showground. Die Sunshine Coast besuchen wir nur kurz, außer Stränden (von denen haben wir schon genug gesehen) und Touristenshops gibt es wohl nicht viel sehenswertes. Auf dem Weg nach Brisbane wissen wir nicht so genau was uns dort erwartet. Unser Ziel ist es, das Auto umzubauen. Unseren geliebten Schlaf wieder bekommen. Michelle, welche auf der schlechteren Seite der ranzigen Matratze schläft (Patrik wollte es erst nicht glauben, dass die andere Seite schlechter ist), wacht jede Nacht mehrmals auf. Auf dem Weg durch Brisbane folgen wir der Wegbeschreibung von Chris und fahren über die mautpflichtige Gateway Bridge. Überall stehen Schilder, die einen darauf hinweisen, dass man ja die Maut bezahlen soll, sonst begeht man eine Straftat. Bloß wie? Gibt es denn hier keine Mautstation? Nachdem wir die Brücke passiert haben bricht leichte Unruhe im Auto aus. Patrik rechnet schon mit dem schlimmsten ($300 Strafe oder so), flucht laut herum und klopft auf Troopys Lenkrad. Michelle versucht verzweifelt Patrik zu beruhigen. Ja, es ist nicht ganz einfach bei Pangerl-Blanchards im Auto.

Nachdem wir uns ein paar Mal verfahren bemerken wir, dass die Wegbeschreibung von Chris einen kleinen Haken hat. Sie stimmt nicht ganz. Nach einer Stunde finden wir diese verflixte Straße endlich. Anstatt an der ersten Ampel links, geht es erst an der fünften oder so links. Wir kommen im Industriegebiet von Capalaba (südöstlich von Brisbane City) in einer Sackgasse an. Chris kommt schon auf uns zugelaufen und begrüßt uns im typischen Aussiestyle (“How are ya?”) und will gleich mal ins Auto reinschauen. Wir sind ziemlich überrascht. Eigentlich sind wir von einem Hobbyheimwerker ausgegangen, aber Chris ist Schreiner und hat seine eigene Werkstatt! Zu unserem Glück gibt es auf dem gleichen Gelände auch noch einen Caravan-Ersatzteilladen. Chris holt sich noch kurz was zu essen und dann geht’s auch schon los. Unser gesamtes Hab und Gut wird ausgeräumt und steht nun im Innenhof der Firma. Ruck zuck fahren wir mit Chris zu irgendeinem Holzhändler (keine Ahnung welcher, es ging alles so schnell) und kaufen zwei Holzbretter (ca. 2,00m x 1,50m) für $140. Da kommt auch schon der Gabelstapler und lädt die Bretter auf den Pickup von Chris. Alles geht so schnell, wir kommen kaum mit. Da wir Dussel unsere Geldbeutel vergessen haben legt uns Chris das Geld auch noch aus! Die Australier sind wirklich unglaublich hilfsbereit. Als wir zurück in der Werkstatt sind, können wir uns nicht genau vorstellen, was in Chris’ Kopf vorgeht. Für uns sehen die zwei Bretter etwas wenig aus, ob wir nicht noch eins holen sollen fragen wir Chris. Nein, meint er, das geht schon, er will es so günstig wie möglich halten für uns. Geld will er auch nicht, höchstens ein Bier, oder zwei. Aus dem Holz soll eine neue Bank, ein neuer Schrank und eine Schlafmöglichkeit für oben entstehen. Wir können gar nicht so schnell schauen, wie Chris arbeitet. Eigentlich möchten wir helfen, aber Chris meint für ihn ist das einfach, das passt schon. Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn man nur blöd daneben steht.

Da die meisten Caravan Parks in den Großstädten ziemlich teuer sind ($35+) dürfen wir kurzerhand auf dem Firmengelände übernachten. Chris gibt uns die Schlüssel für die Werkstatt und für das Haupttor. Wow! Das könnten wir uns im Schwabenland nicht vorstellen. “Was willsch du? Meine Schlissel? I glab du spennsch! Mach das’d vom Agger kommsch.”  Nur ein Problem haben wir, das Bett ist nur halb fertig. Wir rätseln wo wir nun schlafen sollen. Oben im Auto auf den neuen Brettern? Oder doch unten, aber wie? Schließlich schlafen wir unten, Michelle mit der Decke als Matratze und Schlafsack auf der neuen Bank und Patrik mit den alten Matratzen im Gang. Der Gang ist nur ca. 45 cm breit und somit noch kleiner wie ein Sarg (siehe Bild). Rechts und links hat man Holzbretter und kann sich nicht mal umdrehen. Die Nacht ist nicht wirklich angenehm und Michelle schläft auf der Bank noch schlechter als Graf Dracula im Sarg.

Am nächsten Tag baut Chris uns noch einen neuen Schrank und verwendet dafür die Türen des alten Schranks und das Holz der alten Bank. Genial! Den Küchenschrank (welcher noch der Originale von 1996 ist) befestigt er nochmal ordentlich und repariert auch gleich die Türen. Die neue Bank und der Schrank sind so professionell eingebaut, dass wir total begeistert sind. Die alte Inneneinrichtung hat bei jedem Schlagloch ein Eigenleben entwickelt, die neue sitzt bombenfest. Da Chris kein Geld möchte, fahren wir noch zum Liquor Shop und kaufen ihm verschiedene Sorten von deutschem Bier (z.B. eine Flasche Erdinger Weißbier $6,70!). Im Caravan-Ersatzteilladen haben wir uns noch eine neue Matratze anfertigen lassen ($200 mit Bezug und etwas Handeln), welche wir Nachmittags abholen. Insgesamt haben wir für den Umbau also grob $400 bezahlt, weit weniger wie geplant! Um oben schlafen zu können müssen wir uns nochmal nach anderen Matratzen umsehen, da es im Ersatzteilladen keine mehr gibt und eine neue bei Clark Rubber ziemlich teuer wäre ($250 nur für den Schaumstoff, ohne Bezug). Da Regen aufzieht und Chris leider mit seiner normalen Arbeit ziemlich im Stress ist können wir uns gar nicht mehr richtig verabschieden. Wir sind beeindruckt von der Hilfsbereitschaft und fahren mit einem etwas unguten Gefühl davon. Auf jeden Fall werden wir ihm noch irgendeine Überraschung per Post zukommen lassen!

  • Unser Hab und Gut auf dem Hof

    Unser Hab und Gut auf dem Hof
    capalaba_01_troopy_umbau

  • Patrik im Sarg

    Patrik im Sarg
    capalaba_02_patrik_im_sarg

  • Die alten ranzigen Matratzen

    Die alten ranzigen Matratzen
    capalaba_03_alte_matratzen

  • Die neue Bank ist 20 cm höher - meeehr Platz!

    Die neue Bank ist 20 cm höher – meeehr Platz!
    capalaba_04_neue_bank

  • Der neue Schrank

    Der neue Schrank
    capalaba_05_neuer_schrank

Dieser Beitrag gehört zu unserem Australien Blog, welchen wir während unserer Australienreise von September 2012 bis August 2013 geschrieben haben. Hier geht es zur Übersichtskarte, welche unsere Route sowie Links zu allen unseren Berichten und Fotos enthält!

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