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Australischer Dingo · Macdonnell Ranges, Northern Territory

West Macdonnell Ranges

In der Nacht hören wir den oder die Dingos jaulen und kommen uns vor wie im Wilden Westen. Das Ellery Creek Big Hole ist ein großes permanentes Wasserloch, in dem man schwimmen könnte, wenn es nicht so kalt wäre. Deshalb fahren wir weiter zu den Ochre Pits. Die Ochre Pits sind eine ca. 7-8 Meter hohe Wand aus Gestein neben einem Flussbett. Die farbenfrohe Wand strahlt in den verschiedensten Farbtönen von Weiß, Rot, Orange und Grau über Lila zu Schwarz, ein Paradies zum Fotografieren. Früher entnahmen hier die Aborigines ochre (Ocker), um sich für Zeremonien und Rituale Gesicht und Körper anzumalen. Gemischt mit Tierfett oder Eukalyptusblättern wurde es sogar als Medizin benutzt.

Anschließend geht es weiter zur Ormiston Gorge, wo wir zum Lookout hinaufwandern, von dem man einen guten Blick in die Schlucht hat. Die Landschaft in und um die Gorge herum, in der sich gelber und roter Sand, Gumtrees (Eukalyptusbäume) und Desert Oaks (Wüstenkasuarine) abwechseln bietet einen tollen Anblick. Das in der Sonne glitzernde Wasserloch bildet einen perfekten Kontrast – die Macdonnell Ranges sind wirklich schön.

Landschaft in den Macdonnell Ranges

Nach der Ormiston Gorge fahren wir zur Redbank Gorge, wo wir uns spontan dazu entschließen hier nochmal zu übernachten und nicht mehr zum Kings Canyon weiter zu fahren. Bis dorthin sind es noch rund 150 km auf der Mereenie Loop Road, einer Schotterpiste, welche laut einem Aussie “rough” sein soll, das will was heißen. Bevor wir dort in der Dämmerung noch herumgurken verschieben wir das lieber auf morgen und laufen stattdessen durch ein ausgetrocknetes Flussbett zur Redbank Gorge. Dort sieht man leider nicht sehr viel, denn das Wasser steht ziemlich hoch und man kann nicht hineinlaufen.

An der Picnic Area füttern mehrere Italiener einen Dingo. In sämtlichen Gebieten, in denen es Dingos gibt, hängen grundsätzlich Warnhinweise, die einem verdeutlichen warum man wilde Tiere nicht füttern sollte. Zum einen verlieren sie so immer mehr die Scheu vor den Menschen und können, wenn sie dann mal nicht gefüttert werden, auch aggressiv werden. Zum anderen kann es passieren, dass sie ihren Jungen nicht mehr beibringen, wie man in der Wildnis jagt, sondern nur noch an den Campgrounds und Picnic Areas herumhängen – in der Hoffnung gefüttert zu werden. Auf Fraser Island wird das besonders rigoros durchgesetzt, wer dort beim Füttern erwischt wird oder Essensreste ungesichert außerhalb des Autos herumliegen lässt, bezahlt bis zu $5000 Strafe. Als wir den Italienern sagen, dass sie den Dingo nicht füttern sollen lachen sie nur, sie verstehen wohl kein Englisch, na prima.

Als wir zum Campground einen kleinen Hügel hinauffahren (ca. 3 km von der Gorge entfernt) liegt nach ca. 15 Minuten plötzlich der gleiche Dingo hinter unserem Auto. Die Warnhinweise haben also ihre Berechtigung, denn dieser Dingo scheint nicht zum ersten Mal hier zu sein und hat wohl schon öfters zwischen Campground und Picnic Area gependelt. Wir jagen ihn weg und machen dann Abendessen, Fertigeintopf mit Reis, ein typischer Campingfraß ;-)

Landschaft an der Redbank Gorge

Am folgenden Morgen starten wir früh. An einem Lookout fällt uns auf, dass eines unseres Spotlights nur noch lose in der Halterung hängt. Irgendwo muss sich wohl durch das ständige Gerüttel die Mutter verabschiedet haben. Provisorisch umwickeln wir das Spotlight mit Isolierband. Hilfsbereit wie die Aussies halt so sind, kommen natürlich sofort zwei ältere Herren zu uns und geben Tipps, wie man es noch besser festzurren könnte. Hier noch etwas, da noch mal rum, hier ordentlich spannen, wird schon halten, “no worries”.

Der Aussie gestern hat nicht übertrieben, die Mereenie Loop Road ist wirklich “rough”. Die Schotterpiste nervt uns schon nach wenigen Kilometern, und wir haben noch 160 vor uns. Die Straßenbelag besteht aus extrem rauen Felsen und ist durchsiebt von großen Steinen, welche man ständig umfahren muss. Wird die Straße dann mal sandiger und man erholt sich gerade vom Dauergeschüttel fangen auch schon die corrugations (waschbrettartige Bodenwellen) an. Je nach Beschaffenheit der corrugations spürt man diese ab ca. 70 km/h nicht mehr, kann dann allerdings auch den Schlaglöchern nicht mehr ausweichen – eine schlechte Kombination. Die Flussdurchfahrten sind extrem tief ausgespült und Troopy muss einige heftige Schläge wegstecken, die Straße ist wirklich Mist. Die Landschaft ist zwar schön, aber man muss sich beim Fahren so auf die Straße konzentrieren, dass man nicht viel davon hat.

Nach mehreren Stunden kommen wir erschöpft am Kings Canyon an. Der Canyon ist nicht wirklich spektakulär und kann uns nicht so richtig begeistern. Wir folgen der mittlerweile wieder asphaltierten Straße noch für 35 km und übernachten auf dem Campground der Kings Creek Station. Dort kann man Quad Touren, Kamelreiten und Hubschrauber-Rundflüge buchen, was alles ziemlich teuer ist. In Las Vegas kostete ein 5-Minuten Flug (was sich ja sowieso nicht wirklich lohnt) $25, hier kostet er $65! 15 Minuten kosten schon knapp $200. Am Eingang der Station steht in einem großen Gehege ein Baby-Kamel, welches ein unglaublich flauschiges Fell hat. Im Stroh für die Kamele tummeln sind rund 100 Galahs und machen dabei einen Höllenlärm :-)

Auf dem Campground ist Lagerfeuerzeit angesagt, eine Familie neben uns und zwei Aussies räuchern uns gehörig ein. Später kommen wir mit den beiden Aussies, einem älteren Paar aus Grafton, NSW, ins Gespräch. Knapp drei Stunden sitzen wir zusammen am Lagerfeuer und reden über Gott und die Welt. Ältere Aussies fragen einen Reisenden aus einem anderen Land meist immer die gleichen Dinge. Wo man in Australien schon war, wie es einem gefällt, was man schon gearbeitet hat (zum gefühlten hundertsten Mal erzählen wir von unserer Arbeit auf dem Milchhof), wo wir jetzt hinfahren, welche Tiere wir schon gesehen haben, und so weiter. Und vor allem: Wo aus Deutschland kommt ihr denn her? Denn die meisten Aussies haben schon mal eine Europa-Rundreise gemacht und kamen dabei auch für 1-2 Tage in Deutschland vorbei. Meist in Heidelberg oder im Schwarzwald. Als wir erzählen, dass wir in Deutschland bis auf ab und zu mal ein Reh oder einen Hasen kaum Tiere sehen, sagt Marianne erstaunt, sie dachte, dass wir dort noch wilde Bären hätten. Im Schwarzwald waren sie nämlich in so einem Geschäft, wo es Kuckucksuhren gibt und da hing auch ein ausgestopfter Bärenkopf an der Wand. Da dachte sie sich, der ist hier wohl noch ziemlich verbreitet ;-)

  • Am Ellery Creek

    Am Ellery Creek
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  • Farbenfrohe Wand in den Ochre Pits

    Farbenfrohe Wand in den Ochre Pits
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  • Ochre Pits

    Ochre Pits
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  • Ochre Pits

    Ochre Pits
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  • Auf dem Weg zum Lookout

    Auf dem Weg zum Lookout
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  • Auf dem Weg zum Lookout

    Auf dem Weg zum Lookout
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  • Blick in die Ormiston Gorge

    Blick in die Ormiston Gorge
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  • Mit Klebeband lässt sich alles reparieren ;-)

    Mit Klebeband lässt sich alles reparieren ;-)
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  • Michelle und Troopy

    Michelle und Troopy
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  • Redbank Gorge

    Redbank Gorge
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  • Michelle im Flussbett

    Michelle im Flussbett
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  • Im Flussbett zur Redbank Gorge

    Im Flussbett zur Redbank Gorge
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  • Dingo in der Abendsonne

    Dingo in der Abendsonne
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  • Campground an der Redbank Gorge

    Campground an der Redbank Gorge
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  • Die Mereenie Loop Road

    Die Mereenie Loop Road
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  • Patrik ist genervt

    Patrik ist genervt
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  • Kings Canyon

    Kings Canyon
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  • Schnuckeliges Babykamel

    Schnuckeliges Babykamel
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  • Eine Horde Galahs macht sich übers Stroh her

    Eine Horde Galahs macht sich übers Stroh her
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Dieser Beitrag gehört zu unserem Australien Blog, welchen wir während unserer Australienreise von September 2012 bis August 2013 geschrieben haben. Hier geht es zur Übersichtskarte, welche unsere Route sowie Links zu allen unseren Berichten und Fotos enthält!

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